Expertise der Geheimdienste US-Bericht warnt vor Ära der Kriege um Wasser

Der Mangel an Trinkwasser wird in Zukunft weltweit Konflikte auslösen. Schon ab 2022 steigt das Risiko laut einem US-Bericht dramatisch an, betroffen sind vor allem Entwicklungsländer. Wer den Zugang zu Wasser kontrolliert, könnte damit Kriege gewinnen.

Dürre in Mexiko: Streit um Wasser wird Konflikte schüren
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Dürre in Mexiko: Streit um Wasser wird Konflikte schüren


Washington - Dürren, Überschwemmungen und Mangel an Trinkwasser könnten in den kommenden Jahrzehnten nach Ansicht von US-Geheimdiensten Instabilität und Konflikte schüren. In einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht kommen die Behörden zu dem Ergebnis, dass vor allem Entwicklungsländer angesichts des Klimawandels Probleme damit bekommen könnten, die Versorgung ihrer wachsenden Bevölkerung mit Trinkwasser sicherzustellen. Eine Folge sei auch, dass die Nahrungsmittelproduktion deutlich schwieriger werde, ebenso die Energiegewinnung.

In ihrer gemeinsamen Einschätzung sind sich die Geheimdienste einig, dass die Streitigkeiten über Wasser in den kommenden zehn Jahren noch eine untergeordnete Rolle spielen werden. Aber nach 2022 steige die Wahrscheinlichkeit deutlich an, dass die Kontrolle über den Zugang zu Wasser in Kriegen als Waffe oder als Instrument des Terrorismus eingesetzt werden könnte. Gefährdet sind demnach vor allem Südasien, der Mittlere und Nahe Osten sowie Afrika.

Überschwemmungen, Mangel an sauberem Wasser, kombiniert mit Armut, sozialen Spannungen, Führungsschwäche und schwachen Regierungen werde zu Instabilität beitragen, die zum Zusammenbruch mehrerer Staaten führen könne, heißt es in dem Bericht, der vom US-Außenministerium anlässlich des Weltwassertags veröffentlicht wurde. Clinton, die ein neues Partnerschaftsprogramm vorstellte, das anderen Nationen Zugang zu US-Expertise im Wasser-Management gewähren soll, nannte die in dem Bericht formulierten Erkenntnisse ernüchternd. "Diese Gefahren sind real, und sie werfen einige ernste Sicherheitsfragen auf", sagte sie.

Stromaufwärts gelegene Nationen könnten dem Bericht zufolge beispielsweise die Wasserverteilung als politische Waffe gegen ihre stromabwärts gelegenen Nachbarn einsetzen, und Länder könnten die Wasserversorgung auf ihrem Staatsgebiet nutzen, um Unabhängigkeitsbewegungen und oppositionelle Landesteile zu unterdrücken.

Ein Krieg um Wasser ist laut dem Bericht derzeit noch "unwahrscheinlich". Doch schon 2040 wird der weltweite Bedarf an Trinkwasser die verfügbaren Kapazitäten um bis zu 40 Prozent übersteigen. Dem Papier zufolge werden heutzutage 70 Prozent des Frischwasserverbrauchs für die Landwirtschaft verwendet.

Am stärksten gefährdet unter den natürlichen Wasserreservoirs sind die Flüsse Brahmaputra, der durch Indien und Bangladesch fließt, und der Amu Darya in Zentralasien. Gerade dort werde der Bedarf durch Bevölkerungswachstum und zunehmende wirtschaftliche Entwicklung steigen. Ein zusätzlicher Faktor ist der Klimawandel, besonders ab 2040.

ffr/dapd/Reuters



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