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Rechtfertigung: US-Geheimdienste wollen Krim-Krise nicht verschlafen haben

Zentrale der CIA: Auch der Auslandsdienst wehrt sich gegen Kritik Zur Großansicht
AFP

Zentrale der CIA: Auch der Auslandsdienst wehrt sich gegen Kritik

Harscher Kritik müssen sich die US-Geheimdienste derzeit in der Heimat erwehren. Man habe die Krise auf der Krim kolossal falsch eingeschätzt, so der Vorwurf unter anderem von Senator John McCain. Nun wehren sich Nachrichtendienste: Schon weit vor der Eskalation sei gewarnt worden.

Washington - Es dürfte in den vergangenen Tagen einige angespannte Treffen in gut gesicherten Räumen in den Zentralen der US-Geheimdienste gegeben haben. Denn in der Krise auf der Krim machen diese nicht gerade den Eindruck, bestens informiert zu sein. Vielmehr steht ihr oberster Dienstherr, Präsident Barack Obama, einigermaßen düpiert da. Immer lauter wird die Kritik, vor allem aus dem republikanischen Lager - nun wehren sich die Dienste.

Der Chef des US-Militärgeheimdienstes DIA, Generalleutnant Michael Flynn, wies am Freitag Vorwürfe zurück, von dem russischen Vorgehen völlig überrascht worden zu sein. Die US-Geheimdienste hätten "sieben bis zehn Tage" vor der militärischen Intervention Moskaus "angemessene strategische Warnungen" herausgegeben. Die Warnungen seien schrittweise verschärft worden, sagt Flynn dem Radiosender NPR. Die Geheimdienstberichte zur Lage in der Ukraine seien "sehr solide" gewesen.

Republikaner greifen Dienste scharf an

Mehrere US-Kongressabgeordnete hatten den Geheimdiensten ein Versagen in der Krim-Krise vorgeworfen. "Unsere Geheimdienste haben das nicht vorausgesagt", beschwerte sich etwa der republikanische Senator John McCain in dieser Woche bei einer Anhörung. Die Absichten des russischen Präsidenten Wladimir Putin seien "vollkommen falsch gedeutet" worden.

Der Geheimdienstausschuss im Repräsentantenhaus leitete nach Angaben seines Vorsitzenden Mike Rogers eine Untersuchung der Qualität der Geheimdienstinformationen zu dem Konflikt zwischen der Ukraine und Russland ein. Konkret geht es laut US-Medien um die Einschätzung aus dem Büro des Direktors der nationalen Nachrichtendienste, eine russische Militäraktion auf der Krim sei unwahrscheinlich. Keine 24 Stunden später war eine solche Militäraktion in vollem Gange. Tatsächlich überrumpelte Putin mit seinem rüden Vorgehen nicht nur die US-Dienste, sondern auch die meisten anderen Beobachter.

CIA: "Haben vor russischer Intervention gewarnt"

Auch der Auslandsgeheimdienst CIA verwahrte sich gegen Kritik aus dem Kongress. Sprecher Todd Ebitz sagte der Nachrichtenagentur AFP, die CIA habe die Abgeordneten "regelmäßig" auf den neuesten Stand gebracht und ein "akkurates und zeitnahes Bild der sich entfaltenden Krise" vermittelt. Dabei sei auch vor "möglichen Szenarien für eine russische Militärintervention in der Ukraine" gewarnt worden. "Jede anderslautende Darstellung ist schlicht und ergreifend falsch", sagte Ebitz.

Die Geheimdienste reagieren wegen vergangener Pannen äußerst sensibel auf die Vorwürfe. Die CIA tappte vor dem Sturz des Schahs im Iran 1979, vor der sowjetischen Invasion in Afghanistan im selben Jahr und vor den Terroranschlägen des 11. September 2001 weitgehend im Dunkeln. Auch im Vorfeld des Irak-Kriegs 2003 lieferten die US-Geheimdienste Fehleinschätzungen - die angeblichen Massenvernichtungswaffen des irakischen Machthabers Saddam Hussein wurden nie gefunden.

jok/AFP

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1. Daten statt Intuition und Einfühlung
wehrmachtlich 08.03.2014
Der Koloss wird immer unbeweglicher. Die Metadatenauswertung bringt Verzögerungen mit sich, der Präsident kann nicht mehr direkt agieren oder reagieren. Metadatenauswertung die sozusagen den Puls der Welt fühlen soll und „die Temperatur des Patienten“ misst, steht im Vordergrund. Empfindliche Daten müssen verfolgt werden, ob nicht irgendwie, irgendwo sich eine Schwarmbewegung absehen lässt. Metadatenauswertung ist wie ein rasendes Rad, das genutzt wird Turbogewinne zu generieren, aber seine Geschwindigkeit könnte auch einen Schwarm entstehen lassen, der ebenso rasend sich gegen die Abgreifer wendete. So sind die traditionellen Geheimdienste langsam geworden und nicht zu vergessen, die Gegner arbeiten auch mit Metadaten.
2. ...
ein anderer 08.03.2014
Zitat von sysopAFPHarscher Kritik müssen sich die US-Geheimdienste derzeit in der Heimat erwehren. Man habe die Krise auf der Krim kolossal falsch eingeschätzt, so der Vorwurf unter anderem von Senator John McCain. Nun wehren sich Nachrichtendienste: Schon weit vor der Eskalation sei gewarnt worden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-geheimdienste-wollen-krim-krise-nicht-verschlafen-haben-a-957559.html
Anscheinend sickern zuwenig Informationen an die Presse welche Obama noch mehr unter Druck setzen könnten. Deshalb nehmen die Republikaner das nun selbst in die Hand. Denn die Geheimdienste werden sich gegen den Vorwurf erwehren was schlussendlich auf Obama zurückfällt. Dabei wissen die Republikaner natürlich, dass schon unter Bush jr. davon geredet wurde, die Ukraine an den Westen zu binden und auch die Möglichkeiten in Betracht zu ziehen die NATO folgen zu lassen. Anstatt Obama zu gratulieren, weil unter seiner Amtszeit dieses Vorhaben teilweise umgesetzt werden könnte, prügeln sie ihn nun aus Wahltaktischen gründen. Dabei hätte auch mit einer republikanischen Galleonsfigur, das US-Machtsystem nichts gegen die russische Reaktion unternehmen können und womöglich auch nicht wollten. Da der ehemalige amerikanische Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski die Krim Russland zu geben bereit wäre könnte das ein Hinweis darauf sein, dass sich das US-Machtsystem längst damit abgefunden hat. Ein Spielzug auf dem Schachbrett der Geostrategie, Russland die Krim dem Westen die Ukraine.
3. jaja
rabenkrähe 08.03.2014
Zitat von sysopAFPHarscher Kritik müssen sich die US-Geheimdienste derzeit in der Heimat erwehren. Man habe die Krise auf der Krim kolossal falsch eingeschätzt, so der Vorwurf unter anderem von Senator John McCain. Nun wehren sich Nachrichtendienste: Schon weit vor der Eskalation sei gewarnt worden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-geheimdienste-wollen-krim-krise-nicht-verschlafen-haben-a-957559.html
...... Tja, wer Mutti beim Austausch von Kochrezepten und andere beim Pornoherunterladen beobachtet, dem relativieren sich natürlich die wirklich wichtigen Dinge. Die NSA und ihre Möchtegernerkenntnisse sind der bislang größte Sieg des Terrorismus! rabenkrähe
4. Natürlich haben sie gewarnt
recepcik 08.03.2014
Sie waren doch vor Ort und haben alles organisiert.
5. Ja, so war es auf dem Maidan-Platz
Rhönblick 26.03.2014
Sehr gut -bestens!
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Timoschenko-Rede: Umarmen, weinen, weiterkämpfen

Die umkämpfte Krim

Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

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