ThemaBarack ObamaRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

US-Gouverneurswahlen Obama droht Pleite in zwei Bundesstaaten

Gouverneurswahlen: Obamas Kampf für New Jersey und Virginia
Fotos
AFP

2. Teil: Hilft Obamas Glanz den Demokraten im "Mafiastaat"?

Es ist sowieso fraglich, ob sich Obamas Glanz aus der Sporthalle bis an die Wahlurnen tragen lässt. Die enormen Probleme New Jerseys - das sich selbst Garden State nennt, sonst aber eher als "Kloakenstaat", "Mafiastaat" oder "Sopranos-Staat" bekannt ist - sind so tief in der Landespolitik verwurzelt, dass da auch die Aura des Präsidenten wenig ausrichten kann.

Die Arbeitslosigkeit ist mit fast zehn Prozent die höchste der Region, die Steuerquote die höchste der USA, der Staat dennoch restlos verschuldet. Die Hauptindustrien - Pharma, Schifffahrt, Finanzdienste - liegen danieder. Und immer wieder bestätigt sich das Image in neuen Schlagzeilen, wie im Juli, als das FBI Dutzende Lokalpolitiker und Rabbis festnahm, die in einen Bestechungsskandal verwickelt waren. "Würde Kalifornien unter seiner eigenen Last zusammenbrechen und in den Pazifik driften", schreibt das "New York Times Magazine" halb spöttisch, halb mitleidig, "dann wäre New Jersey sofort der zerrüttetste Staat im Lande."

Steuern sind das einzige Thema, das die Wähler hier interessiert. Doch weder Corzine noch Christie haben einen richtigen Plan. Es wäre ohnehin aussichtslos, das Finanzgestrüpp aus Bezirken, Städten, Dörfern zu entwirren - und die Misswirtschaft, die frühere Landesregierungen hinterlassen haben.

Kein Skandälchen bleibt in der multimedialen Schlammschlacht unerwähnt

Das ahnen auch die Wähler. Beide Kandidaten dümpeln in Umfragen bei 40 Prozent, während Chris Daggett, der unabhängige Dritte, auf 14 Prozent kommt, die sich aus beiden Lagern speisen. Mehr als 60 Prozent der Wähler hier sind unzufrieden, und selbst 30 Prozent der Demokraten wollen einen Wechsel.

Erschwerend hinzu kommt, dass Corzine sein Vermögen an der Wall Street gemacht hat. Der Milliardär und Ex-Chef von Goldman Sachs hat seine Politkarriere mit bisher 130 Millionen Dollar selbst finanziert, was in diesem Pleitestaat mit Stirnrunzeln registriert wird. Doch auch seine Banker-Erfahrung half ihm wenig, die fiskalische und soziale Katastrophe in New Jersey in den Griff zu bekommen - obwohl er als erster US-Gouverneur ein Konjunkturpaket durchdrückte.

Corzines Farblosigkeit lässt sogar seinen fast schon klischeehaft idealen Lebenslauf verblassen: Kindheit auf einer Farm, Footballstar, Elitestudent, Marineinfanterist. Traum jedes Wahlstrategen - und trotzdem halten ihn die meisten Wähler für volksfremd.

Widersacher Christie ist aber auch kein Musterkandidat. Die dünne Biografie des Law-and-Order-Republikaners schrumpft schnell auf seine Zeit als Bundesstaatsanwalt zusammen, in der er Mafiosi, Betrüger, Dealer, Kinderschänder, Umweltsünder und mutmaßliche Terroristen dingfest machte.

Und so beharken sich beide seit Wochen in einer multimedialen Schlammschlacht, die New Jersey alle Ehre macht. Kein Skandälchen bleibt unerwähnt, ob Corzines fast tödlicher Autounfall vor zwei Jahren (er war nicht angeschnallt), der ihn elf Tage im Koma ließ, oder Christies suspekte Privatkreditgeschäfte.

Niederlage in Virginia wäre ein harter Schlag für Obama

600 Kilometer weiter südlich, in Virginia, liegen die Dinge einfacher. Hier kämpfen zwei neue Kandidaten ums Gouverneursamt, das der Demokrat Tim Kaine per Gesetz nach nur einer Wahlperiode wieder abtreten muss - und an einem Machtwechsel bestehen kaum Zweifel.

Der demokratische Bewerber Creigh Deeds liegt zweistellig hinter dem Republikaner Robert McDonnell zurück. Die Ironie: Deeds hatte sich in den Vorwahlen gegen den früheren Parteichef der US-Demokraten durchgesetzt, Terry McAuliffe, einen der engsten Freunde von Bill und Hillary Clinton.

Für Obama wäre eine Niederlage in Virginia eine schmerzhafte Schlappe: Ihm gelang es 2008 als erstem demokratischen Präsidentschaftskandidaten seit 1964, diesen konservativen Südstaat für sich zu gewinnen.

Also versucht auch Deeds, sich mit Obama beliebt zu machen. Seine Flugblätter zeigen ihn neben dem Präsidenten - bisher ohne Erfolg.

Joe Biden, Bill Clinton und Caroline Kennedy zum Wahlkampf in New Jersey

Das Weiße Haus versucht denn auch, das Testwahl-Thema herunterzuspielen. "Die Vorstellung, dass dies auf irgendeine Weise ein Referendum über Präsident Obama sei", sagte dessen Sprecher Robert Gibbs, "stimmt nicht."

Zumindest New Jersey versucht Obama aber noch zu retten. Dreimal ist er insgesamt hierher gereist, hat sogar spanische TV-Spots für Corzine aufgenommen. Sein Chefstratege David Axelrod hat Corzines Team derweil persönlich die Leviten gelesen und seinen Top-Demoskopen nach Trenton abbestellt. Selbst Vizepräsident Joe Biden machte Wahlkampf, flankiert von Bill Clinton und Caroline Kennedy.

In Newark begeistert Obama seine Fans, auch wenn er heiser krächzt. Danach schüttelt er noch minutenlang Hände. Corzine steht reglos daneben, die Augen in die Ferne gerichtet.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 11 Beiträge
snickerman 03.11.2009
wenn über "FOX" und andere rechte Sprachrohre da nicht ein Trommelfeuer einsetzte, um die Entscheidung zu beeinflussen und nachher dann triumphierend zu verkünden, Obama "habe seine Basis bereits verloren" und [...]
wenn über "FOX" und andere rechte Sprachrohre da nicht ein Trommelfeuer einsetzte, um die Entscheidung zu beeinflussen und nachher dann triumphierend zu verkünden, Obama "habe seine Basis bereits verloren" und er sei "ein Präsident auf Abruf"
qvoice 03.11.2009
Warum darf denn das mediale Dauerfeuer nur von der Obama-Seite kommen? Obama verliert doch nunmal langsam seine Basis. Mit dem Friedensnobelpreis hat er den Höhepunkt seiner Laufbahn erreicht.
Zitat von snickermanwenn über "FOX" und andere rechte Sprachrohre da nicht ein Trommelfeuer einsetzte, um die Entscheidung zu beeinflussen und nachher dann triumphierend zu verkünden, Obama "habe seine Basis bereits verloren" und er sei "ein Präsident auf Abruf"
Warum darf denn das mediale Dauerfeuer nur von der Obama-Seite kommen? Obama verliert doch nunmal langsam seine Basis. Mit dem Friedensnobelpreis hat er den Höhepunkt seiner Laufbahn erreicht.
Hador 03.11.2009
Wer auch nur die geringste Ahnung von US-amerikanischer Innenpolitik hat, der weiss, dass es bei Gouverneurswahlen eigentlich immer nur auf die Ereignisse im jeweiligen Bundesstaat bzw. die zur Wahl stehenden Personen ankommt. [...]
Zitat von sysopDer erste wichtige Stimmungstest für den amtierenden US-Präsidenten: New Jersey und Virginia wählen einen neuen Gouverneur. Und die Zeichen stehen schlecht für Barack Obama - seine Demokraten müssen damit rechnen, mindestens einen Staat an den politischen Gegner zu verlieren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,658881,00.html
Wer auch nur die geringste Ahnung von US-amerikanischer Innenpolitik hat, der weiss, dass es bei Gouverneurswahlen eigentlich immer nur auf die Ereignisse im jeweiligen Bundesstaat bzw. die zur Wahl stehenden Personen ankommt. Anders als bei bundesdeutschen Landtagswahlen hat die Bundespolitk praktisch keinen Einfluss auf den Wahlausgang. Insofern ist die Aussage, dass Obama hier eine Pleite drohen würde völliger Unfug.
Gandhi 03.11.2009
Der Verlust eines Staates ist sicherlich nicht erwuenscht, doch hat dies mit der Politik Obamas sehr wenig zu tun. In Virginia hat der demokratische Kandidat so viel Mist von sich gegeben, dass es ein Wunder waere, wenn er [...]
Der Verlust eines Staates ist sicherlich nicht erwuenscht, doch hat dies mit der Politik Obamas sehr wenig zu tun. In Virginia hat der demokratische Kandidat so viel Mist von sich gegeben, dass es ein Wunder waere, wenn er gewaehlt wuerde. Dies, obwohl sein Gegenspieler , als er an einer religioesen Uni war, Ansichten zu Papier gebracht hatte, die eher ins Mittelalter passen, denn in die Gegenwart. Anders sieht es in New Jersey aus. Diesen Staat wird Corzine wierder gewinnen, nicht etwa, weil die Buerger seine Erfolge honorieren, sondern weil Christie eher einem ehrenwerten Mafioso gleicht, den einer Alternative. In NJ sind die Steuern hoch, viele Jobs sind verloren gegangen. Dies ist in erster Linie ein "Erfolg" von Bushs Amtszeit, doch die Buerger erwarten eben mehr von ihrem Gouverneur. Christie wollte da als aufrechter Kndidat einen Wechsel herbeifuehren. Mittlerweile sind aber zu viele Einzelheiten bekannt geworden ueber den ehemaligen Staatsanwalt, der sein Amt nicht nur dazu missbrauchte, der Partei zu dienen, sondern auch sich selbst. Bei Hoteluebernachtungen uebrschritt er regelmaessig die erlaubten Ausgaben, nach von ihm verschuldeten Verkehrsdelikten schuechterte er die Polizisten unter Hinweis auf sein Amt ein. Seiner Assistentin gewaehrte er einen Kredit, die Zinseinnahmen verschwieg er, waehrend er andere dafuer anklagte. Dies hat die Waehler in NJ abgestossen, sie werden Christie nicht nur nicht waehlen, weil er korrupt ist, sie werden ihn auch nicht waehlen, weil die GOP in NJ keine Zukunft mehr hat.
Gandhi 03.11.2009
Dort wurde die Kandidatin der Republikaner von reaktionaeren Kraeften der eigenen Partei zu Gunsten eines Kandidaten der Conservatives (eine andere Partei) kurz vor der Wahl aus dem Rennen geekelt. Laut Faux News hat sie dann [...]
Zitat von snickermanwenn über "FOX" und andere rechte Sprachrohre da nicht ein Trommelfeuer einsetzte, um die Entscheidung zu beeinflussen und nachher dann triumphierend zu verkünden, Obama "habe seine Basis bereits verloren" und er sei "ein Präsident auf Abruf"
Dort wurde die Kandidatin der Republikaner von reaktionaeren Kraeften der eigenen Partei zu Gunsten eines Kandidaten der Conservatives (eine andere Partei) kurz vor der Wahl aus dem Rennen geekelt. Laut Faux News hat sie dann den Gegenspieler (einen gewissen Hoffman) zur Wahl empfohlen. In der Realitaet hat sie aber ihren demokratischen Gegenkandidaten empfohlen.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Barack Obama

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP