Cyber-Angriff im Jemen US-Hacker programmieren Qaida-Seiten um

48 Stunden dauerte die Attacke, danach dürfte al-Qaida die eigenen Webseiten nicht wiedererkannt haben: Computer-Experten der US-Regierung haben laut Außenministerium das Online-Netzwerk der Terroristen im Jemen geknackt - und Inhalte komplett verändert.


Washington - Es war eine großangelegte Cyber-Attacke auf das Netzwerk von al-Qaida. Spezialisten der US-Regierung haben nach Angaben von Außenministerin Hillary Clinton Internetseiten der Terroristengruppe auf der arabischen Halbinsel gehackt und Inhalte verändert.

Das erklärte Clinton am Mittwochabend bei einem Galadiner der Kommandoeinrichtung für Spezialeinsätze in Tampa (Florida). Die US-Fernsehsender ABC und CBS sowie die Tageszeitung "USA Today" berichten übereinstimmend über den Online-Angriff.

Internetpropaganda des Terrornetzwerks im Jemen, die "mit der Tötung von Amerikanern prahlte", sei durch Texte ersetzt worden, die den Tod muslimischer Zivilisten bei Anschlägen von al-Qaida hervorheben. Spezialisten des US-Außenministeriums hätten die Qaida-Seiten auf der Arabischen Halbinsel gehackt, um das Terrornetzwerk daran zu hindern, über das Internet neue Mitglieder zu rekrutieren, so Clinton. Der Angriff habe rund 48 Stunden gedauert.

Die Ministerin betonte, die Taktik der USA gehe offensichtlich auf, da die Extremisten inzwischen "ihre Unterstützer auffordern, nicht alles zu glauben, was sie im Internet lesen". Spezialisten in aller Welt arbeiteten daran, die Propaganda der Extremisten durch geschickte Manöver zu diskreditieren, erklärte Clinton weiter.

Experten für Fremdsprachen basteln an den Webseiten

Die Fachleute beherrschten Urdu, Arabisch und Somali. Die Gruppe surfe im Internet und benutze soziale Medien und andere Wege, um die inneren Widersprüche al-Qaidas deutlich zu machen und auf die brutalen Angriffe auf muslimische Zivilisten hinzuweisen.

Dabei gehe es durchaus nicht immer nur um heimliche Attacken, manche Angriffe werden ganz offen geführt. In Internetforen mache man sich "über die Extremisten lustig" und versuche "deren Theorien auseinanderzunehmen", sagte ein namentlich nicht genannter Sicherheitsexperte der Nachrichtenagentur AP. Es handele sich um eine Art virtuelles Katz-und-Maus-Spiel.

Clinton erklärte, in ihrer Amtszeit habe das Außenministerium die Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsministerium und den Geheimdiensten verstärkt, um die Diplomatie als Mittel zur Bekämpfung des Terrorismus verstärkt zu nutzen.

Das Büro für Konflikt- und Stabilisierungseinsätze sei geschaffen worden, um Diplomaten und andere zivile Experten besser in militärische Operationen in Krisenregionen einzubinden. Die Anti-Terror-Abteilung des US-Außenministeriums stehe augenblicklich an der Spitze einer weltweiten diplomatischen Kampagne mit dem Ziel, die Geldflüsse an al-Qaida und seine Ableger auszutrocknen.

jok/dpa/AP



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gekreuzigt 24.05.2012
1. wenn
die amis auf die zivilen opfer von angriffen hinweisen, dann doch sicher auch auf die von ihnen verursachten. einseitige propaganda wär doch blöd.
uchawi 24.05.2012
2. Gute Hacker – böse Hacker?
Der Zweck heiligt die Mittel, oder? Hätten Hacker eine Pentagon-Website geknackt und deren Inhalte umgeschrieben, wären sie von Clinton und Co. zu Staatsfeinden erster Kajüte erklärt worden (die Wikileaks-Zuträger können ein Lied davon singen). So aber verbucht Frau Außenministerin das ganze als Fanal der Freiheit. Man muss eben nur die richtigen Auftraggeber haben, das gilt wohl auch in der Hacker-Welt.
Deep Thought 24.05.2012
3. Interessanter Ansatz...
... jetzt müssten sich nur noch die Leute finden, welche die US-Propaganda vom "Kampf für Demokratie" ebenso entlarvt. Ich stelle mir gerade vor, wie auf der Website des weissen Hauses und des Pentagon die Lügen durch berichte über die Zivilopfer im Irak und Afghanistan ersetzt werden und Berichte über die systematische Folter in Abu Ghareib und Guantanamo und in den Kellern der Ägyptischen und Syrischen (!!!) Diktatur ersetzt wird. Als Nachtisch dann noch eine Liste sämtlicher mörderischen Diktaturen, die im Sinne des wirtschaftlichen Wohls der USA mit ihrer Hilfe errichtet (Pinochet in Chile, Schah von Persien im Iran, MArco auf den Phillipinen, ...) oder zumindest gefördert und militärisch unterstützt wurden (Sadam Hussein, zentralamerikanische Diktaturen, jetzt fast alle zentralasiantischen Diktaturen, ... ) Als Schmankerl stelle ich mir einen Hack vor, der eine als Pressemitteilung in alle Welt getarnte NAchricht beinhaltet, daß die USA zugeben, mit der seinerzeitigen Unterstützung der Taliban und Osama Bin LAdens und der Geburtshilfe zur Erstehung des militärisch erfolgreichen extremistischen Islamismus einen Fehler begangen haben, der ganz offensichtlich den Weltfrieden gefährdet...
Christ 32 24.05.2012
4. .
Amerika hat eine Demokratie und selbst wenn es nicht gern gesehen wird, so wird es in amerikanischen Foren wie hier auch genügend kritische Stimmen gegen die Drohnenangriffe, Lybien- Einsatz, Guantanamo usw. geben.
eggyleggy 24.05.2012
5. Häh ?
Es kommt ja wohl immer noch darauf an ob ich ein Netzwerk hacke, das zum Ermorden von sogenannten " Ungläubigen" aufruft, oder die eines Geheimdientes, von welchem Staat auch immer. Daher verstehe ich den Ansatz " Gute Hacker, Böse Hacker " nicht wirklich.
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