Bin-Laden-Todesschütze "Yeah, es ist Zeit, diesen Motherfucker zu killen"

Zwei Jahre lang hat er geschwiegen. Jetzt gab der US-Elitesoldat, der Qaida-Chef Bin Laden erschoss, erstmals ein Interview - und offenbarte grausige Details: die Schüsse in die Stirn, die letzten Atemzüge des Terrorfürsten. Er selbst fürchtet nun täglich um sein Leben.

DPA / U.S. Navy

Von , New York


Der Mann, der Osama Bin Laden erschoss, hat mitten im Einsatz ein dringendes Bedürfnis: Er muss mal. Also zückt er kurzum seine Wasserflasche, im Helikopter auf dem nächtlichen Weg nach Abbottabad, wo sich der Qaida-Anführer verbunkert hat: "Ich hätte mir eher in die Hose gemacht, als dass ich versucht hätte, mit voller Blase zu kämpfen."

So banal sind die Gedanken in jener Nacht. Der Elitesoldat aus Virginia, ein Veteran der US-Killereinheit Seal Team 6, ahnt da noch nicht, dass er es sein wird, der den meistgesuchten Mann der Welt tötet. Nur eines meint er über ihr geheimes Himmelfahrtskommando sicher zu wissen: "Keiner von uns wird lebendig zurückkommen. Es war entweder Tod oder ein pakistanischer Knast."

Doch alle Navy Seals kommen lebendig zurück. Der Schütze selbst hat seine Geschichte noch nie erzählt seit jenem 2. Mai 2011. Bis jetzt: Im Rahmen eines langen Porträts im US-Magazin "Esquire" offenbart der Marinesoldat nun so ziemlich alles - bis auf seinen Namen: Der zweifache Vater fürchtet Racheanschläge.

"Esquire"-Autor Phil Bronstein, ein namhafter investigativer Reporter, klemmte sich über Monate hinweg an den Mann, um Vertrauen zu gewinnen in der verschwiegenen Gemeinschaft der Navy Seals, deren Ehrenkodex es verbietet, über ihre Jobs zu sprechen. Das Porträt, das dabei herauskam, ist entsprechend wohlwollend.

Trotzdem sind viele bisher unbekannte Aspekte atemberaubend. Sowohl die grausigen Ereignisse jener Nacht - wie auch die private Misere dieser "amerikanischen Helden", als die US-Präsident Barack Obama die Navy Seals gerne lobt.

"Es ist Zeit, diesen Motherfucker zu killen"

Das ist nicht der einzige Grund, dass er nun sein Schweigen bricht, trotz Ehrenschwur. Matt Bissonnette, ein Kamerad bei jener Mission, hat ein ganzes Buch darüber geschrieben - unter einem Pseudonym, das aber schnell enttarnt wurde. Darin betont Bissonette seine eigene Rolle und rückt andere in den Hintergrund.

Bronstein nennt den wahren Schützen nur "The Shooter": "Muskulös wie ein Gewichtheber, mit einer irren Menge Tattoos." Er schloss sich, wie er erzählt, der US-Marine mit 19 an, nach einer unglücklichen Liebe. Inzwischen habe er Hunderte Fronteinsätze hinter sich, darunter ein Dutzend Team-6-Missionen in insgesamt 16 Jahren bei der Einheit. Er habe mehr als 30 feindliche Kämpfer getötet, "oft Auge in Auge".

Dass sie schließlich aber Bin Laden persönlich gegenüberstehen würden, das wussten die Männer demnach zunächst gar nicht. Erst gegen Schluss habe ihr Kommandeur das Ziel enthüllt. "Und das war's", erinnert sich der "Shooter" lakonisch. "Wir dachten, yeah, okay, gut. Es ist Zeit, diesen Motherfucker zu killen."

Für den Einsatz gebrieft habe sie unter anderem die CIA-Agentin, die jetzt auch im Mittelpunkt des kontroversen Kinofilms "Zero Dark Thirty" steht. Sie habe den "Shooter" gefragt, warum er so ruhig sei. Antwort: "Wir tun das jede Nacht. Wir gehen zu einem Haus, legen uns mit ein paar Leuten an und hauen wieder ab. Dies ist nur ein längerer Anflug."

Vorher habe er sich eine Prada-Brille gekauft, für 350 Dollar: "Sterben mit Stil." Bei der Beschreibung des Einsatzes lässt Bronstein den "Shooter" dann meist selber sprechen. In wildem Tempuswechsel - mal Gegenwart, mal Vergangenheit - beschreibt er jene Stunden, in einer Mischung aus Nonchalance und Irrsinn.

Es ist ein langer Flug, aber wir hatten diese ausklappbaren Campingstühle dabei. (...) Die Gegend sah anders aus als die, wo wir trainiert hatten. (...) Da sind die Lichter, die Stadt. Da ist ein Golfplatz. Und wir denken uns, das ist ganz schön ernster Navy-Seal-Shit, den wir jetzt machen. Das ist so krass. Mein Fuß traf den Boden. (...) Mir ist egal, ob ich jetzt sterbe. Das ist so geil. Es gab Sorge, aber keine Angst.

Dann über jenen Moment im dritten Stock des Bin-Laden-Hauses in Abbottabad, als er sich direkt mit dem Terrorfürsten konfrontiert sah:

Da stand Bin Laden. (...) In diesem ersten Augenblick dachte ich, wie dünn er war, wie groß und wie kurz sein Bart war, alles auf einmal. Er trug eine dieser weißen Mützen, aber er hatte einen fast kahlrasierten Kopf. (...)

In der Sekunde erschoss ich ihn, zweimal in die Stirn. Bapp! Bapp! Das zweite Mal, als er zusammenbricht. Er sackte vor seinem Bett auf den Boden, und ich traf ihn noch mal, bapp!, selbe Stelle. (...) Er war tot. Bewegte sich nicht. Seine Zunge hing heraus. Ich sah zu, wie er seine letzten Atemzüge tat, nur ein Reflexatem.

Und ich erinnere mich, dass ich dachte, als ich zusah, wie er zum letzten Mal ausatmete: Ist das das Beste, das ich je getan habe, oder das Schlimmste, das ich je getan habe? Das ist echt, und das ist er wirklich. Heilige Scheiße! (...)

Seine Stirn sah grauenhaft aus. Sie war wie ein V aufgeplatzt. Ich konnte sehen, wie ihm sein Gehirn übers Gesicht lief. Die amerikanische Öffentlichkeit will nicht wissen, wie das aussieht. (...) Die Aktion im dritten Stock und das Töten dauerten vielleicht 15 Sekunden.

Und zuletzt die definitive Identifizierung der Leiche:

Als wir zurück auf dem Stützpunkt Jalalabad waren, zogen wir Bin Laden aus dem Sack, um ihn (Vizeadmiral William) McRaven und der CIA zu zeigen. McRaven befahl einem großen Seal, sich neben Bin Laden zu legen, um dessen Größe zu schätzen, dazu gab's andere, ein bisschen wissenschaftlichere Identitätstests. (...)

Noch während wir die Leiche überprüften, holte ich die CIA-Frau. Ich hatte noch meine ganzen Klamotten an. Wir guckten runter, und ich fragte: "Ist das dein Kerl?" Sie weinte. Da nahm ich mein Magazin aus meinem Gewehr und gab es ihr als ein Souvenir. 27 Kugeln waren da noch drin. "Ich hoffe, du hast in deinem Rucksack noch Platz dafür."

Er habe gemischte Gefühle über seinen Platz in der Geschichte, behauptet der "Shooter". Gute, weil er "etwas Großartiges für mein Land, für meine Jungs, für die Leute in New York" getan habe. Schlechte, weil er nun selbst um sein Leben fürchten müsse: "Jetzt haben wir ihn getötet, und ich muss mich ewig sorgen."

Die Angst vor dem zivilen Leben

Etwas anderes aber fürchtet er fast noch mehr. Und das ist die beklemmendste Einsicht dieser Story, neben den filmreifen Insider-Details: Ihn beunruhigt das zivile Leben, das er seit dem Ende seiner Zeit bei den Navy Seals führt.

Ende September trat der "Shooter" in den Ruhestand. Ohne Job, ohne Versicherung und nur mit einer beschämend mageren Rente abgefunden, taumele er einer düsteren Zukunft entgegen - im Stich gelassen von der Nation, für die er jahrzehntelang sein Leben riskierte. So schwarz sieht er seine Situation.

Seine Ehe sei gescheitert. Keiner wolle ihm Arbeit geben. "Er hat monumentale Risiken auf sich genommen", beklagt sich sein Vater. "Aber er ist außerstande, den Lohn zu ernten."

Zum Schluss schauen sich Bronstein und der "Shooter" gemeinsam "Zero Dark Thirty" an. Der "Shooter" habe sich amüsiert, wie der Film ihre Mission im Hollywood-Stil arrangiert habe. Doch ein Satz hänge ihm nach - eine Warnung vor der Rache al-Qaidas: "Bist du einmal auf ihrer Liste, kommst du nie wieder runter."



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Seite 1
spiegelleser_1981 12.02.2013
1. Wers glaubt
Wer glaubt denn diesen Mist ? Wer das glaubt wird wohl auch an den Weihnachtsmann oder das Christkind glauben oder ? Oder glaubt noch einer an den Mist vom 9/11 oder dem Giftgas im Irak das die USA Bedroht ? Komisch .... ihm wurde das Gesicht zerschossen. Warum grade das Gesicht ? Weil man die wirkliche Person nicht mehr erkennen soll. Warum wurde die Identität nur von Amerikanischen Militärärzten bestätigt und nicht von unabhäningen Leuten ? Warum brachte man die Leiche nicht in die USA wo man weitere Untersuchungen machen könnte ? Warum hatte man es so eilig den Leichnahm ins Meer zu kippen ? Warum wurden bis heute keine Bidler veröffentlicht ? Aus dem einfachen Grund: 1. Die Amis konnten sich nicht gefallen lassen einen Top-Terroristen NICHT zu finden 2. Obama hatte die miesesten Umfragewerte und der Tot von Bin-Laden war sein Ass im Ärmel. 3. Die Person die getötet worden ist (falls dies Operation nicht nur ein PR - Gag war) war bestimmt nicht Bin-Laden. Alles Lügenmächen von den heldenhaften Elitesoldaten !
deus-Lo-vult 12.02.2013
2. ...
Zitat von spiegelleser_1981Wer glaubt denn diesen Mist ? Wer das glaubt wird wohl auch an den Weihnachtsmann oder das Christkind glauben oder ? Oder glaubt noch einer an den Mist vom 9/11 oder dem Giftgas im Irak das die USA Bedroht ? Komisch .... ihm wurde das Gesicht zerschossen. Warum grade das Gesicht ? Weil man die wirkliche Person nicht mehr erkennen soll. Warum wurde die Identität nur von Amerikanischen Militärärzten bestätigt und nicht von unabhäningen Leuten ? Warum brachte man die Leiche nicht in die USA wo man weitere Untersuchungen machen könnte ? Warum hatte man es so eilig den Leichnahm ins Meer zu kippen ? Warum wurden bis heute keine Bidler veröffentlicht ? Aus dem einfachen Grund: 1. Die Amis konnten sich nicht gefallen lassen einen Top-Terroristen NICHT zu finden 2. Obama hatte die miesesten Umfragewerte und der Tot von Bin-Laden war sein Ass im Ärmel. 3. Die Person die getötet worden ist (falls dies Operation nicht nur ein PR - Gag war) war bestimmt nicht Bin-Laden. Alles Lügenmächen von den heldenhaften Elitesoldaten !
Genau! Weil spiegelleser_1981 war live dabei und weiß darum ganz genau, was passiert ist!
sysiphus-neu 12.02.2013
3. Innenansichten
Interessante Innenansichten eines Todesschützen im Regierungsauftrag. Bin Laden war ein mörderischer Terrorist und Krimineller, da gibt es nichts zu beschönigen. Er tötete oder ließ töten, seine Botschaft war die Gewalt. Die USA geben vor, ein Rechtsstaat zu sein. Staaten mit funktionierendem Rechtssystem benutzen ihr Gewaltmonopol zur Verbrechensbekämpfung. Dabei werden Kriminelle polizeilich oder geheimdienstlich verfolgt, verhaftet, vor Gericht gestellt und verurteilt. Ihre vorsätzliche Ermordung durch staatliche Killerkommandos ist mit rechtsstaatlichem Vorgehen grundsätzlich inkompatibel. Das ist Staatsterrorismus. Regierungen die zu solchen Methoden greifen sind kriminell, sie sind der Anstiftung zum Mord schuldig. Die Todesschützen sind natürlich auch keine Helden, sondern Mörder oder wenigstens Totschläger. Die amerikanische Regierung wird ihre Gründe haben, einen großen Prozess gegen Bin Laden tunlichst vermieden zu haben.
klaus5000 12.02.2013
4. Für Nation und Vaterland
Zitat von sysopDPA / U.S. NavyZwei Jahre lang hat er geschwiegen. Jetzt gab der US-Elitesoldat, der al-Qaida-Chef Bin Laden erschoss, erstmals ein Interview - und offenbarte grausige Details: die Schüsse in die Stirn, die letzten Atemzüge des Terrorfürsten. Er selbst fürchtet nun täglich um sein Leben. US-Interview mit Navy Seal: Der Mann der Bin Laden killte - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-interview-mit-navy-seal-der-mann-der-bin-laden-killte-a-882770.html)
Da sieht man wieder mal. Kleingedruckt um am Ende des Artikels wird es erwähnt. Er, der der in den Dienst des US Militairs eintrat und für die Nation sein physisches Leben riskierte und sein "Leben" opferte bekommt neben einer mageren Rente nur noch einen Tritt in den (Allerwertesten). ich verstehe die Kids nicht, das sie ihre Leben einfach so wegwerfen.
DasBrot 12.02.2013
5. Wenn es stimmt das dieser Mann..
Zitat von sysopDPA / U.S. NavyZwei Jahre lang hat er geschwiegen. Jetzt gab der US-Elitesoldat, der al-Qaida-Chef Bin Laden erschoss, erstmals ein Interview - und offenbarte grausige Details: die Schüsse in die Stirn, die letzten Atemzüge des Terrorfürsten. Er selbst fürchtet nun täglich um sein Leben. US-Interview mit Navy Seal: Der Mann der Bin Laden killte - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-interview-mit-navy-seal-der-mann-der-bin-laden-killte-a-882770.html)
...kein vernünftig finanziell abgesichertes Leben führen kann, dann ist das eine wahre Schande für die amerikanische Administration. Lasst das nicht geschehen. Wie gesagt, wenn es stimmt.....
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