US-Kongresswahl Bushs Republikaner vor herber Niederlage

George W. Bush steht möglicherweise eine schwere Zeit bevor: Die oppositionellen Demokraten haben gute Chancen, die Kontrolle in Senat und Repräsentantenhaus zu übernehmen. Einen Monat vor den Wahlen haben sie in Umfragen die Republikaner klar abgehängt.


Washington - Für George W. Bush würde das Regieren durch einen Sieg der Demokraten in seinen verbleibenden zwei Amtsjahren deutlich erschwert. Den Umfragen zufolge sind die Wähler anhaltend unzufrieden damit, wie die US-Regierung den Irakkrieg handhabt. Zudem monieren sie Bushs allgemeine Amtsführung.

Außerdem profitieren die Demokraten in den aktuellen Umfragen insbesondere vom jüngsten Sexskandal um den prominenten republikanischen Abgeordneten Mark Foley. Dieser hatte minderjährigen Kongress-Praktikanten per SMS und E-Mail anstößige Mitteilungen geschickt und damit landesweit für Entsetzen gesorgt.

In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup, die im Auftrag von "USA Today" erstellt wurde, lagen die Demokraten in der Gunst der Befragten 23 Prozentpunkte vor den Republikanern. 21 Punkte betrug der Vorsprung in einer CNN-Erhebung. In einer gemeinsamen Umfrage von "ABC News" und der "Washington Post" führten die Demokraten mit 54 zu 41 Prozent.

Einen derart großen Vorsprung hatten sie "ABC" zufolge so kurz vor dem Wahltag seit mehr als 20 Jahren nicht mehr verbucht.

Die Auswirkungen des Foley-Skandals verdeutlicht die Erhebung von "CBS News" und der "New York Times": 79 Prozent der Befragten gaben an, dass die Republikaner ihrer Meinung nach ein größeres Interesse an politischer Macht als an dem Wohlergehen von Minderjährigen hätten. Und gegenüber CNN gaben 52 Prozent an, dass der Präsident des US-Repräsentantenhauses, Dennis Hastert, seinen Hut nehmen solle. Hastert wird vorgeworfen, von der Foley-Affäre lange gewusst, aber nichts unternommen zu haben.

Vor einigen Wochen lagen Demokraten und Republikaner in den meisten Umfragen noch gleichauf. Nun deutet alles auf einen Sieg der Demokraten hin. Sie müssen 15 Sitze im Repräsentantenhaus und 6 im Senat ergattern, um den Republikanern die Kontrolle in dem aus beiden Kammern bestehenden Kongress abzujagen. Die Wahl ist für den 7. November angesetzt.

Dem Kongress kommt unter anderem beim Erlass von Gesetzen eine entscheidende Rolle zu, denn diese müssen in identischer Form von beiden Kammern angenommen werden. Alle Abgeordneten werden direkt von den Wahlberechtigten gewählt, nicht über Parteilisten.

ler/Reuters



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