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US-Kritik: "Iran fordert offen die Welt heraus"

Das Weiße Haus hat scharf auf den Beginn der iranischen Urananreicherung reagiert: Teheran fordere mit seinem Nuklearprogramm offen die Welt heraus. Zuvor hatte Irans Präsident Ahmadinedschad erklärt, sein Land sei dem Club der Atommächte beigetreten. Auch die Russen zeigen ihren Unmut.

Washington - Die Anreicherung von Uran sei "ein weiterer Schritt des iranischen Regimes, die internationale Gemeinschaft herauszufordern", sagte der Specher des US-Außenministeriums, Sean McCormack, in Washington. Damit isoliere sich das Regime nur noch mehr von der übrigen Welt, sagte auch der amerikanische Regierungssprecher Scott McClellan gestern Abend vor Journalisten. Die iranische Führung bewege sich in die falsche Richtung. Fast wortgleich teilte das russische Außenministerium am Morgen mit: "Dies ist ein Schritt in die falsche Richtung."

Ahmadinedschad: "Iran ist dem Club der Nuklearstaaten beigetreten"
DPA

Ahmadinedschad: "Iran ist dem Club der Nuklearstaaten beigetreten"

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte zuvor in einer Fernsehansprache gesagt: "Ich erkläre förmlich, dass Iran dem Club der Nuklearstaaten beigetreten ist." Zugleich kündigte er an, Iran wolle sein Nuklearprogramm unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und gemäß den Regeln des Atomwaffensperrvertrags betreiben. Ahmadinedschad versicherte, Iran strebe nicht nach Atombomben.

"Iranische Wissenschaftler haben es am 9. April geschafft, Uran bis zu einem Grad anzureichern, der für den Brennstoffkreislauf erforderlich ist", sagte der Präsident in seiner Rede in der nordöstlichen Stadt Mesched. Unter Anspielung auf die Entwicklung des Irak-Konflikts und US-Presseberichte über amerikanische Planungen für einen Militärschlag gegen Iran fügte Ahmadinedschad hinzu: "Wir raten dem Westen aufrichtig, die bitteren Erfahrungen der Vergangenheit nicht zu wiederholen und das international anerkannte Recht Irans auf die Entwicklung der Nukleartechnologie zu respektieren." Nichts könne das zivile Nuklearprogramm Irans aufhalten, betonte der Präsident.

Zuvor hatte bereits Vizepräsident Gholam-Reza Aghasadeh den Erfolg bei der industriellen Anreicherung von Uran gemeldet. Er erklärte in einer Rede in Anwesenheit von Ahmadinedschad, eine erste "Einheit" von auf 3,5 Prozent angereicherten Urans sei am 9. April fertig gestellt worden. Das angereicherte Uran diene "industriellen Zwecken". Aghasadeh leitet auch die iranische Atomenergie-Organisation.

Der Uno-Sicherheitsrat hatte Iran am 29. März aufgefordert, die Arbeiten zur Urananreicherung bis spätestens 28. April einzustellen. Noch in dieser Woche wird der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Mohammed al-Baradei, in Teheran erwartet. Im erdölreichen Iran gibt es derzeit nur ein ziviles Atomkraftwerk, das allerdings noch im Bau ist. Die Anlage in Buschehr am Persischen Golf soll mit russischer Hilfe vollendet werden.

China hat sich unterdessen erneut für eine diplomatische Lösung des Atomstreits mit Iran ausgesprochen. Militärische oder wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen würden sich als kontraproduktiv erweisen, sagte Chinas Botschafter bei den Vereinten Nationen, Wang Guangya, gestern in New York.

lan/dpa/Reuters

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