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Persischer Golf: US-Marine rüstet sich für iranischen Angriff

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Die US-Marine bereitet sich in aller Eile auf den Ernstfall vor. Das Pentagon verdoppelt die Zahl von Minensuchbooten im Persischen Golf, große Schiffe werden für den Kampf gegen Schnellboote ausgerüstet. Die Aufrüstung zeigt, wie viel Respekt Washington vor Irans Marine hat.

Aufrüstung: US-Marine verstärkt Präsenz im Persischen Golf Fotos
U.S. Navy

Hamburg - Die militärische Lage am Persischen Golf spitzt sich zu. Israel droht immer lauter mit einem Militärschlag auf Irans Atomanlagen, Teheran hat seinerseits mit der Blockade der Straße von Hormus gedroht - jener Meerenge, durch die ein Fünftel des weltweiten Rohöls transportiert wird. Jetzt reagieren die USA mit einer deutlichen Verstärkung ihrer militärischen Präsenz im Persischen Golf. Jonathan Greenert, ranghöchster Marineoffizier der USA, nannte bei einer Anhörung vor dem US-Senat die Details:

  • Die Zahl der Minenräumboote im Persischen Golf wird von vier auf acht verdoppelt. Sie würden im Fall einer Blockade der Straße von Hormus eine zentrale Rolle spielen.
  • Vier zusätzliche MH-53-Helikopter, die ebenfalls Minen bekämpfen können, sollen nach Bahrain ins Hauptquartier der 5. US-Flotte verlegt werden.
  • Unbemannte Mini-U-Boote in nicht genannter Zahl sollen die anderen Einheiten bei der Minenräumung unterstützen.
  • Die U-Boote in der Region sollen mit neuartigen Torpedos bewaffnet werden, die besser als bisherige Modelle mit den speziellen Bedingungen im Persischen Golf fertig werden.
  • Zerstörer, Kreuzer und andere Schiffe, die Flugzeugträger in den Golf eskortieren, sollen mit neuen Sensoren und schnell feuernden Maschinenkanonen ausgerüstet werden, um sich besser gegen Schwärme angreifender Schnellboote wehren zu können,
  • die Zahl von US-Schnellbooten im Golf soll von fünf auf zehn steigen, auch sie sollen zuvor mit Maschinenkanonen und Kurzstreckenraketen ausgerüstet werden.

Greenert verglich die aktuelle Bewaffnung von US-Kriegsschiffen mit einem großkalibrigen Gewehr. Aber in der Enge des Persischen Golfs "braucht man vielleicht eher eine abgesägte Schrotflinte", sagte der Admiral vor Journalisten in Washington. Die Maßnahmen könnten nicht zuletzt darauf hindeuten, dass die US-Marine aus der "Millennium Challenge"-Blamage gelernt hat und die iranische Marine kein zweites Mal unterschätzen will.

Denn die verfügt nicht nur über zahlreiche mit Anti-Schiffs-Raketen ausgerüstete Schnellboote, sondern auch über drei Fregatten, zwei Korvetten und drei Jagd-U-Boote der russischen "Kilo"-Klasse. Hinzu kommt ein Arsenal Hunderter ballistischer Raketen und Anti-Schiffs-Flugkörper, die auch von Land aus auf Ziele im Persischen Golf abgefeuert werden können. "Mit einem solchen Arsenal kann ein geschickter Gegner endloses Unheil anrichten", schrieb Jim Lacey, Strategie-Professor am Marine Corps War College, kürzlich im "National Review".

Die US-Marine hat es eilig

Mit der Verstärkung ihrer Präsenz hat es die U.S. Navy offenbar ziemlich eilig. Die vier zusätzlichen Minenräumboote der "Avenger"-Klasse sollen sich bereits Mitte April auf den Weg zum Persischen Golf machen. Das geht aus der entsprechenden Ausschreibung der US-Marine hervor. Da die Minenräumer mit rund 1300 Tonnen Verdrängung recht klein sind und eine Höchstgeschwindigkeit von nur 14 Knoten erreichen, sollen sie an Bord eines größeren Transportschiffs auf die Reise gehen.

Ein ähnlich hohes Tempo legt die Navy im Fall der USS "Ponce" vor. Das mehr als 40 Jahre alte amphibische Landungsschiff sollte eigentlich in diesen Wochen ausgemustert werden. Im Januar aber wurde entschieden, die "Ponce" in Windeseile zu einer schwimmenden Operationsbasis umzubauen, die unter anderem MH-53-Helikopter zur Minenräumung unterstützen kann. Innerhalb von nur vier bis fünf Monaten soll der Umbau abgeschlossen sein.

Die Eile des US-Militärs scheint durchaus gerechtfertigt zu sein, denn Iran macht derzeit keinerlei Anstalten, im Streit um sein Atomprogramm nachzugeben. "Das Parlament wird niemals zulassen, dass die Regierung auch nur einen Schritt bei der Atompolitik zurückgeht", stellte der konservative Leiter des Außenausschusses des iranischen Parlaments, Allaheddin Borudscherdi, am Sonntag klar. Auch ohne die Hilfe anderer Staaten sei es den iranischen Nuklearforschern gelungen, Brennstoff für seine Atomreaktoren herzustellen.

Nicht nur Verteidigungsexperten befürchten, dass ein Militärschlag Israels kurz bevorstehen könnte. Auch im Streitkräfte-Ausschuss des US-Senats, vor dem Marinechef Greenert gesprochen hatte, scheint man inzwischen dieser Meinung zu sein. Vergangene Woche gab der demokratische Abgeordnete Carl Levin, Vorsitzender des Komitees, seine Meinung zum Besten: Ein israelischer Luftangriff auf Irans Atomanlagen sei "sehr wahrscheinlich".

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1. Richtig ist wohl eher ...
panzerknacker51, 18.03.2012
Diese Aufrüstung zeigt wohl eher, daß die USA mal wieder einen Überfall auf einen anderen Staat vorbereiten.
2.
KnoKo 18.03.2012
Zitat von sysopU.S. NavyDie US-Marine bereitet sich in aller Eile auf einen Waffengang mit Iran vor: Das Pentagon verdoppelt die Zahl von Minensuchbooten im Persischen Golf, große Schiffe werden für den Kampf gegen Schnellboote ausgerüstet. Die Aufrüstung zeigt, dass die USA gehörigen Respekt vor Irans Marine haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,822083,00.html
Die Kriegsvorbereitung tritt in ihre heiße Phase ein. Jetzt muss nur noch ein passender Anlass gefunden werden.
3. Immer wieder
schwertwal 18.03.2012
Zitat von panzerknacker51Diese Aufrüstung zeigt wohl eher, daß die USA mal wieder einen Überfall auf einen anderen Staat vorbereiten.
das gleiche antiamerikanische Argument, ich kann es schon nicht mehr hören! Wandern Sie in den Iran aus: Nach einem Jahr werden Sie um eine amerikanische Intervention nur noch auf den Knien betteln! Solange es einem gut geht und man alle Freiheiten gebrauchen oder auch missbrauchen kann, ist es leicht gegen die westliche Gemeinschaft zu polemisieren!
4. Ich bitte Sie,
b.lödheimer 18.03.2012
Zitat von panzerknacker51Diese Aufrüstung zeigt wohl eher, daß die USA mal wieder einen Überfall auf einen anderen Staat vorbereiten.
hierbei handelt es sich selbstverständlich darum, einem geknechteten Volk die Freiheit zu bringen (wie Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien?). Um Öl geht es hier überhaupt nicht. Und für die Star Trek Fans: Laut der Homepage des Flugzeugträgers wird auch die USS Enterprise in den nächsten Tagen am Golf eintreffen.
5.
objectiveview 18.03.2012
Zitat von panzerknacker51Diese Aufrüstung zeigt wohl eher, daß die USA mal wieder einen Überfall auf einen anderen Staat vorbereiten.
Ich hingegen bin froh, dass es noch jemanden gibt, der die völkerrechtswidrige Sperrung und Verminung einer internationalen Wasserstraße verhindern wird. Die Deutschen hätten garnicht die Mittel oder den Willen dazu. Und spätestens wenn sie 3 € pro Liter Sprit zahlen müssen, werden auch sie sich wundern...
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Irans Atomprogramm
Streit
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.


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