US-Sparkurs Reparatur zu teuer - Navy muss Atom-U-Boot abwracken

2012 verwüstete ein Feuer die U.S.S. "Miami" - gelegt von einem Werftarbeiter. Eigentlich wollte die Marine das Atom-U-Boot bald wieder einsetzen. Doch nun wird klar: Das stark gekürzte Militärbudget lässt die Reparatur nicht zu, der Stahlgigant ist Schrott.

REUTERS/ / U.S. Navy/ Jim Cleveland

Washington - Die Katastrophe begann mit einem Bündel brennender Putzlappen. Als der Werftarbeiter Casey James Fury am 23. Mai 2012 an Bord der U.S.S. "Miami" Feuer legte, wollte er dadurch seine Schicht auf radikale Art vorzeitig beenden. Zwölf Stunden später war der Brand an Bord des Atom-U-Boots immer noch nicht gelöscht. Dafür mussten vier verletzte Feuerwehrleute behandelt werden, mehr als hundert Rettungskräfte waren im Einsatz. 15 Monate nach dem spektakulären Feuer in der Marinewerft von Kittery, Bundesstaat Maine, wird klar: Die "Miami" sticht nie wieder in See. Wie verschiedene US-Medien berichten, sind die Reparaturkosten so gigantisch, dass sich die Marine zur Verschrottung des 110-Meter-Schiffs entschlossen hat.

"Die Entscheidung, die 'Miami' stillzulegen, ist nicht leicht gefallen", teilte Rear Admiral Rick Beckenridge in einer Stellungnahme mit. Er ist im Pentagon verantwortlich für die Unter-Wasser-Kriegsführung. Untersuchungen im vergangenen Jahr hätten jedoch einen Kostenaufwand ergeben, der das Budget der Marine sprengen würde.

Erste Schätzungen lagen bei rund 450 Millionen Dollar, um die "Miami" wieder einsatzbereit zu machen. Doch damit ist es offenbar nicht getan. Inzwischen gehen Experten von bis zu 700 Millionen Dollar aus. "Wir müssten den kompletten vorderen Teil des Schiffes entkernen. Das wäre so teuer, dass wir zwangsläufig andere Teile der Flotte vernachlässigen müssten", so Beckenridge. Vor allem der Torpedoraum und die Stahlleitungen der Luft-, Hydraulik- und Wassersysteme haben bei dem Brand erheblichen Schaden genommen. Während der Löscharbeiten waren jedoch keine Waffen an Bord, auch der Atom-Antrieb des Schiffs blieb weitgehend unbeschädigt.

"Miami" sollte 2015 wieder fahren

Laut ersten Plänen hätte die "Miami" im April 2015 saniert wieder in See stechen und weitere zehn Jahre im Dienst stehen sollen. Daraus wird nun nichts - sehr zum Ärger zahlreicher US-Senatoren. In einer Stellungnahme kritisieren Susan Collins und Angus King aus Maine sowie Jeanne Shaheen und Kelly Ayotte aus New Hampshire: "Wir sind sehr enttäuscht von der Entscheidung der Marine. Dies ist eine weitere negative Folge der Sparmaßnahmen der Regierung."

Tatsächlich wirken sich die Budget-Kürzungen, in den USA als "sequestration" bekannt, vor allem auf den Haushalt des Pentagon aus. 2013 musste das Verteidigungsministerium mit 42,7 Milliarden Dollar weniger auskommen als noch im Vorjahr. 2014 soll der Etat um weitere 34 Milliarden Dollar schrumpfen. Freilich leisten sich die USA selbst dann noch ein Verteidigungsbudget von knapp 600 Milliarden Dollar. Gegen die Kürzungen hatte es in Militärkreisen scharfe Proteste gegeben. Die unerwartete Stilllegung der "Miami" dürfte den Kritikern neue Munition liefern.

Panikattacke im U-Boot

Casey James Fury hatte das Feuer im Mai 2012 gelegt, um, so seine Aussage vor Gericht, keine volle Schicht arbeiten zu müssen. Als weiteren Grund gab er eine Panikattacke im Bauch des U-Boots an. Der Brand war zwar schon nach wenigen Minuten entdeckt worden, konnte aber auch durch den Einsatz von Kräften aus Boston und Connecticut erst nach rund zwölf Stunden gelöscht werden. Fury wurde im März 2013 wegen Brandstiftung zu 17 Jahren Gefängnis verurteilt.

Die "Miami" liegt derzeit noch immer im Trockendock der Portsmouth Marinewerft. Auch für die dort angestellten Arbeiter hat die Entscheidung des Pentagon weitreichende Auswirkungen. Eigentlich hätten sie sich vor Ort um die Instandsetzung des Schiffs kümmern sollen - und wären bis mindestens bis 2015 mit Arbeit versorgt gewesen. Ein schwacher Trost: Für rund 54 Millionen Dollar dürfen sie sich schon bald neun Monate lang um die Stilllegung der "Miami" kümmern.

jok



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MeineMeinungist... 08.08.2013
1. Das ist doch wunderbar zu hören,
dass trotz der jährlichen Ausgaben von über 600 Milliarden US-Dollar für Rüstung, das Atom-U-Boot wegen fehlender Nittel nicht mehr hergerichtet werden kann. Vielleicht sollten die USA ihren Etat für die Geheimdienste von über 40 Milliarden US-Dollar kürzen, denn nach der Bekanntgabe der vielen weltweiten Schnüffeleien scheint mir da jetzt Einsparpotential zu sein. hbommy NS.: Einen schönen Gruß übrigens an die NSA. -------------------------------------------------------------- Um die Suche der NSA und anderer Geheimdienste zukünftig zu erschweren (wir stehen ja alle unter Generalverdacht), habe ich auf jeder meiner Mails Schlagwörter aufgeführt. Wenn diese fleissig immer weitergereicht werden, hat anschließend die NSA so viel Arbeit damit, dass sie den Ansturm nicht mehr bewältigen kann. Wenn uns also die Politik nicht hilft, sondern nur belügt, weil sie vermutlich selbst Dreck am Stecken hat, dann handeln wir eben in Notwehr durch Widerstand. Airplane, AQIM, AQAI, Biological infection, Blackout, Bridge, Car bomb, ChemicaJ Weapon, Collapse, Cyber terror, Contamination, Deaths, Dirty bomb, Disaster, Emergency, Explosion, Ebola, Epidemie, FARC, FaiIure or outage, Fundamentalism, Forest fire, Gang, IED, Integration, Islamist, Jihad, Kidnap, Military, National security, Nuclear, Pakistan, Palestine, Pipe bomb, Phishing, PLO, Police, Power, Radicals, Radioactive, Rootkit, Shooting, Sleet, Social media, Somalia, Subway, Suicide attack, Taliban, Target, Telecommunications, Vaccine, Virus, Weapon, Yemen --------------------------------------------------------------
moelln56 08.08.2013
2. Eine erfreuliche Nachricht.
Ein "Spielzeug " weniger für die militärischen Betonköpfe. Leider aber bleibt an Waffenarsenal genug übrig, um die Welt gleich mehrmals in Schutt und Asche zu verwandeln
Jan2607 08.08.2013
3. optional
Damit bleiben der US Navy noch 41 Jagd-U-Boote der Miami-Klasse. Reicht das etwa nicht, um jede Marine der Welt zu versenken? Als obes da auf das eine U-Boot ankommen würde...
redspot 08.08.2013
4.
Das hätte auch ganz anders ausgehen können, wenn das Feuer den Reaktor erreicht hätte. Und alles nur, weil einer früher nach Hause wollte. Menschliches Versagen ist ja oft genug der Auslöser für atomare Unfälle, aber das hier hat einen neuen Level erreicht.
datsenfdöppche 08.08.2013
5. wie 1941
Das erinnert an den Untergang des HaPaG Luxusdampfers Bremen, der 1929 das Blaue Band für die schnellste Atlantiküberquerung gewonnen und als erster Ozeanriese ein Flugzeug an Bord hatte. Im März 1941 hat ein kleiner Schiffsjunge der Bremen vom Bootsmann eine Tracht Prügel bekommen und sich dafür gerächt, in dem er die Matrazen des um diese Zeit als Marinekadettenschiff im Hamburger Hafen liegenden Dampfers anzündete. Da Sonntag war, war die Feuerwehr nicht schnell genug vor Ort und das Schiff brannte vollständig aus. Der Vorfall war den Nazis sowas von peinlich, dass sie nicht einmal versuchten, den Juden den Untergang des Schiffes in die Schuhe zu schieben, vom RAF Bomber command ganz zu schweigen. Ebenso peinlich für die US-Navy dürfte das Ende der Maine nun sein. Die stärkste Navy der Welt verliert ein superteures Atom-U-Boot wegen der Faulheit eines Werftarbeiters.
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