Verbot aufgehoben US-Militär will sich für Transgender öffnen

Die USA setzen Zeichen für mehr Toleranz: Nach Homosexuellen dürfen bald auch Transgender Soldaten der US-Armee werden. Außerdem erklärte Obama eine Schwulenbar zum Nationaldenkmal.

US-Soldaten bei einer Übung (Archivbild)
DPA

US-Soldaten bei einer Übung (Archivbild)


Das US-Militär will Medienberichten zufolge Anfang kommenden Monats das Transgender-Verbot in der Armee aufheben. Wie unter anderem die "USA Today" und die "New York Times" schreiben, soll das Ende des Verbots am 1. Juli bekannt gegeben werden. Demnach will Pentagonchef Ashton Carter den Streitkräften ein Jahr Zeit geben, um die neuen Vorgaben umzusetzen.

Pentagonsprecher Peter Cook wollte die Berichte im Detail noch nicht bestätigen, sagte aber, eine Entscheidung dazu werde bald getroffen. Unter den aktuellen Vorgaben können Transgender-Streitkräfte vom Militär ausgeschlossen werden, wenn ihre Identität öffentlich wird.

Transgender ist ein Oberbegriff für Menschen, die sich im falschen Körper geboren fühlen, und solche, die sich keinem eindeutigen Geschlecht zuordnen können. Im Jahr 2011 war bereits das Homosexuellen-Verbot in der US-Armee gekippt worden. Im Mai diesen Jahres hatte mit Eric Fanning erstmals ein offen Homosexueller die Führung des US-Heeres übernommen.

In Deutschland erklärte das Bundesministerium der Verteidigung 1984 in einem Rundschreiben, dass "die bloße homosexuelle Veranlagung als solche kein Dienstvergehen" sei. Dennoch war es bis 2000 unmöglich, als schwuler Mann in Deutschland Berufssoldat zu werden, wie aus einer Mitteilung der Bundeswehr hervorgeht. Auch wurden Soldaten bis 2000 von Führungsaufgaben entbunden, wenn ihre Homosexualität bekannt wurde.

Erst nach Klagen änderte das deutsche Militär Ende 2000 die mehr als 16 Jahre geltende Regelung. In einem Grunderlass forderte das zuständige Ministerium Toleranz gegenüber Homosexuellen, aber auch gegenüber Bi-, Transsexuellen und Transgender.

Schwulenbar zum Nationaldenkmal ernannt

Auch abseits des Militärs setzten die USA ein Zeichen für Offenheit. US-Präsident Barack Obama hat die berühmte Bar Stonewall Inn in New York und die angrenzende Umgebung zum ersten nationalen Homosexuellen-Denkmal bestimmt.

Das Stonewall Inn gedenkt den Opfern des Orlando-Attentats
REUTERS

Das Stonewall Inn gedenkt den Opfern des Orlando-Attentats

Das Weiße Haus erklärte am Freitag, diese Entscheidung schaffe einen Gedenkort, der "die Geschichte der LGBT-Amerikaner erzählt". Die Abkürzung steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender. Geehrt werden die Bar selbst sowie ein kleiner Park nebenan und die unmittelbare Umgebung.

Im Juni 1969 hatte die Polizei das Stonewall Inn, einen Treffpunkt für Homosexuelle, gestürmt. Der Verkauf von Alkohol an Schwule sei illegal, tanzen dürfen sie auch nicht und Frauen durften Hosen nur dann tragen, wenn sie außerdem mindestens drei "weibliche Kleidungsstücke" trugen, so die diffuse Begründung.

Nachdem Polizisten eine lesbische Frau abführten und sie im Handgemenge mit einem Schlagstock traktierten, kam es in dem Viertel in Manhattan zu schweren Ausschreitungen zwischen Aktivisten und Sicherheitskräften. Sie gelten als einer der Startpunkte der Homosexuellenbewegung in den USA.

Die LGBT-Gemeinde habe damals Zusammenhalt demonstriert und Gleichheit und Respekt gefordert, erklärte das Weiße Haus. Bis heute ist das Stonewall Inn ein beliebter Treffpunkt und Gedenkort. So hatten jüngst nach dem Massaker in einem bei Homosexuellen beliebten Nachtklub in Orlando mit 49 Toten Tausende Menschen dort um die Opfer getrauert.

irb/AFP/dpa



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