US-Militär: Pentagon streicht Hightech-Programme zusammen

Von Markus Becker

Das US-Militär steht vor einer großangelegten Umstrukturierung. Verteidigungsminister Gates wird kommende Woche den künftigen Etat für die Streitkräfte bekanntgeben - zahlreiche teure Hightech-Programme aus Zeiten des Kalten Krieges stehen auf der Kippe.

Washington - Robert Gates lässt keinen Zweifel daran aufkommen, was er in Zukunft mit dem Pentagon vorhat. Am Montag will er die mit Spannung erwarteten Umschichtungen im Militärhaushalt bekanntgeben - und die werden einen "fundamentalen Richtungswechsel" bewirken, wie Pentagon-Sprecher Geoff Morrell am Freitag sagte: "Es geht hier nicht um kosmetische Veränderungen."

An der Entscheidung über den US-Wehretat 2010 wird ablesbar sein, wie ernst es US-Präsident mit dem Versprechen von Wandel meinte, der auch die Verteidigungspolitik betreffen sollte. Beobachter erwarten, dass vor allem einige sündhaft teure Hightech-Programme vor drastischen Einschnitten oder gar vor dem Ende stehen.

Eine Überraschung wäre das nicht: Gates hat schon unter Präsident George W. Bush kein Geheimnis daraus gemacht, dass er kein Freund von kostspieligen Großprojekten wie dem Kampfjet F-22 Raptor ist, die zum Teil noch aus der Zeit des Kalten Krieges stammen und für den Kampf gegen einen hochgerüsteten Gegner konzipiert wurden. Sowohl Gates als auch Obama haben sich bereits wiederholt dafür ausgesprochen, die Gelder in Projekte zu stecken, die den Soldaten in aktuellen Konflikten zugutekommen - also vor allem im Kampf gegen rudimentär ausgerüstete Rebellen.

F-22 und Nationale Raketenabwehr auf dem Prüfstand

In der Vergangenheit haben Militärs und Rüstungskonzerne immer wieder viel Geld für futuristische Waffensysteme verlangt - verbunden mit der Warnung, im vielzitierten "Krieg der Zukunft" sonst nicht bestehen zu können. Gates verspottet diese Denkweise gern als "Next-War-itis". Denn wie schwierig selbst die nahe Zukunft vorauszusehen ist, zeigen laut Gates die vielen Rüstungsprojekte aus dem Kalten Krieg, die inzwischen von der Zeit überholt wurden.

Jetzt, so berichten US-Medien, steht ein radikaler Kurswechsel bevor. Gleich eine ganze Reihe von Projekten stehen demnach auf der Kippe. Das prominenteste Beispiel ist die F-22 Raptor. Der Kampfjet soll der alternden F-15 Eagle als Luftüberlegenheitsjäger nachfolgen. Seine Entwicklung begann bereits in den siebziger Jahren, 1987 vergab die US-Regierung den Auftrag zum Bau des Jets - doch es dauerte bis 2003, ehe das erste Flugzeug in Dienst gestellt wurde. In der Zwischenzeit wurde die F-22, deren Kosten immer höher wurden, für Kritiker zum Symbol für eine verfehlte Rüstungspolitik.

Der Stückpreis wird inzwischen auf rund 200 Millionen Dollar taxiert - dreimal so viel wie ursprünglich geplant. Auf den ersten Kampfeinsatz wartet die F-22 noch immer, was nicht weiter verwundert, da ein Luftüberlegenheitsjäger für asymmetrische Konflikte grundsätzlich ungeeignet ist. Wie die "New York Times" unter Berufung auf Insider berichtet, könnte Gates im kommenden Jahr dennoch den Bau von 22 weiteren F-22 bewilligen. Die Air Force wünscht sich weitere 40 und hätte dann eine Flott von insgesamt 243 Stück. Experten schließen aber nicht aus, dass Gates das F-22-Programm komplett einstellt.

Das Ende für Bushs Lieblingsprojekt?

Auch die Nationale Raketenabwehr, ein Lieblingsprojekt von Obamas Vorgänger George W. Bush, steht offenbar vor starken Kürzungen. Medienberichten zufolge könnte Gates eine bis zwei Milliarden Dollar aus dem Etat des Programms kürzen. Das stünde im Einklang mit der bisherigen Politik Obamas, der bislang wenig Begeisterung für die Raketenabwehr erkennen ließ, dessen volle Funktionsfähigkeit noch nie überzeugend bewiesen werden konnte.

Die Umgestaltung der "Future Combat Systems" der US-Armee soll von Gates sogar schon beschlossen worden sein. Das 160 Milliarden Dollar schwere Programm beinhaltet die Entwicklung neuer Sensorsysteme sowie Fahrzeuge und unbemannte Flugzeuge, die vernetzt agieren sollen. Das Programm wird wahrscheinlich nicht aufgegeben, aber stark eingedampft. So sollen laut "New York Times" nicht mehr acht, sondern nur noch zwei oder drei bemannte Fahrzeuge entwickelt werden.

Auf dem Prüfstand stehen auch andere Hightech-Programme. So berichtet die "Washington Post", dass ein 20 Milliarden Dollar teures Kommunikationssatelliten-Programm gestrichen werden könnte. Die Zahl der Flugzeugträgergruppen könnte derweil von elf auf zehn sinken. Auch andere ehrgeizige Vorhaben wie etwa der "Airborne Laser" - ein Jumbo-Jet, der mit einem Hochenergie-Laser anfliegende Raketen abschießen soll - stehen den Berichten zufolge vor dem Aus.

Sogar Obama selbst könnte von den Sparmaßnahmen betroffen sein: Der künftige Helikopter des Präsidenten, dessen enorme Kosten bereits für Schlagzeilen gesorgt haben, könnte ebenfalls auf der Streichliste landen. Obama hat bereits angedeutet, dass er mit dem aktuellen Modell vollauf zufrieden ist und die Kosten des neuen Helikopters VH-71 - der teurer sein soll als der Präsidenten-Jumbo "Air Force One" - für weit überzogen hält.

Doch selbst wenn Gates ernst macht, geht es lediglich um eine Umschichtung der Mittel und keineswegs um eine Reduzierung des gesamten Rüstungsetats. Denn der soll im kommenden Jahr sogar um vier Prozent steigen. Schon 2009 gaben die USA 513 Milliarden Dollar für ihre Streitkräfte aus - die Kosten für die Kriege im Irak und Afghanistan nicht eingerechnet. Das ist immer noch mehr als das, was die Nationen auf den Plätzen 2 bis 26 zusammen ausgeben.

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Change, yes, we can
Gandhi 04.04.2009
Da werden die Kriegssuechtigen aber gar nicht erfreut sein, dass es hier zur Sache geht. Sie werden also wieder ihre Hetzmaschinerie auf Volltouren bringen, um zu verhindern, dass "unsere Sicherheit bewusst aufs Spiel gesetzt wird". Obama hat nicht nur erkannt, dass es Wichtigeres gibt als den Ruestungssektor, er macht auch Ernst damit.
2. .
silenced 04.04.2009
Hightech hilft eben nichts gegen Guerilla-Taktiken. Da ist jede Armee zum Scheitern verurteilt. Zumal es große Panzerschlachten auch nicht mehr geben wird, die Lufthoheit ist im Grunde auch, naja, nicht wirklich relevant und zur See ist das Gebiet einfach zu groß. Immerhin ein Anfang.
3. Weltweit werden täglich etwa 3 Milliarden € für Rüstung ausgegeben
neo von terra 04.04.2009
...wovon gut 1 Milliarde € davon alleine von den USA ausgegeben wird. Vor allem durch die aktuell noch vorhandenen weltweit etwa 10 000 Atomwaffen wird dadurch sogar noch die gesamte Menschheit in ihrem Fortbestand bedroht! Soll das alles normal sein? Ich erlaube mir hier mal ganz bescheiden und unnormal 1 Milliarde € für eine interdisziplinäre und vor allem praktische Friedensforschung zu fordern, deren Aufgabe es wäre ein gewaltfreies Sozialsystem im Modellprojekt zu entwickeln. Hier sollten Ideen gesammelt und getestet werden, von denen es viele bereits in den Schubläden gibt, die aber unbeachtet bleiben, solange diese Gesellschaft ihren Focus nicht von der Gewalt weg bekommt. Eine dieser Lösungsideen in der Schublade ist das Projekt RealTheater: http://www.radikaler-konstruktivismus.de/realtheater.html
4. Was ist daran eine Wandel?
chagall1985 04.04.2009
Der astronomisch hohe Verteidigungsetat steigt! Nach den wahnwitzigen Erhöhungen unter Bush könnte man den locker (mit Krieg) um 20-30 Prozent reduzieren. Der ist heute weitaus höher als zum ende des kalten Krieges. Und wen hat die USA (neben der Welt die sie nicht leiden kann) ernsthaft zum Feind?? Iran, Nordkorea und Alkaida! Allesamt staaten die die Bundeswehr in grund und Boden Bomben könnte. Ich bin mal sehr gespannt auf den ersten demokratischen Verteidigungsetat seit 8 Jahren.
5. eigentlich bankrott
ofelas 04.04.2009
Haushaltsdefiziete von ueber 1000 Milliarden fuer die naechsten Jahren vorausgesagt, und dabei komplett von Transferleistungen aus China und anderen Staaten abhaengig.
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