Telefonat zu US-Militärschlag Tillerson sieht es so - und Lawrow ganz anders

Nach dem Militärschlag in Syrien hat Außenminister Tillerson seinem russischen Amtskollegen Lawrow die US-Position am Telefon erklärt - der bleibt bei seiner Wahrheit.

US-Außenminister Tillerson
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US-Außenminister Tillerson


US-Außenminister Rex Tillerson hat mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow telefoniert - zum ersten Mal seit dem US-Vergeltungsangriff für den offenbar vom Assad-Regime geführten Chemiewaffenangriff von Chan Scheichun.

In dem Telefonat bestritt Lawrow erneut, dass die Armee von Syriens Machthaber Baschar al-Assad hinter der Giftgasattacke mit mehr als 90 Toten und Verletzten, darunter etliche Kinder, gesteckt habe. Der Vorwurf gegen die syrische Regierung entspräche nicht der Realität, so Lawrow.

Bei einem Militärschlag am Donnerstag hatten die USA 59 Marschflugkörper auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt Schairat abgefeuert. Mehrere Quellen berichteten am Wochenende, von dem Rollfeld seien am Samstag schon wieder Kampfflugzeuge aufgestiegen.

Tillerson erklärte nun nach dem Telefonat mit Lawrow in einem Interview, erste Priorität bleibe für die USA, die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu besiegen. Danach werde man sich hoffentlich mit der Unterstützung Russlands der Stabilisierung des Landes widmen. Wenn die Lage sich stabilisiere und es einen Waffenstillstand gebe, könne man einen "nützlichen politischen Prozess" in Gang bringen, so Tillerson zum Sender CBS.

Haley nennt drei Prioritäten der USA

In einem ebenfalls für die Ausstrahlung am Sonntag aufgezeichneten Interview erklärte die Uno-Botschafterin der USA, Nikki Haley, Assads Absetzung sei eine Priorität der USA - neben dem Kampf gegen den IS und einer Verringerung des iranischen Einflusses in Syrien. "Wir sehen kein friedliches Syrien mit Assad", so Haley zum Sender CNN.

Ende der Woche war darüber spekuliert worden, ob die USA ihre Syrienstrategie ändern könnten. Den Eindruck hatten sowohl US-Präsident Donald Trump als auch Uno-Botschafterin Haley erweckt, als sie Assad direkt für die toten Kinder von Chan Scheichun verantwortlich machten. Haley sagte am Freitag, die USA seien "darauf vorbereitet, noch mehr zu tun, hoffen aber, dass es nicht notwendig sein wird". Die USA sähen dem Einsatz von Chemiewaffen nicht tatenlos zu.

Außenminister Tillerson wird am Dienstag zu zweitägigen Gesprächen in Moskau erwartet. Das russische Außenministerium hatte zuvor erklärt, Moskau erwarte bei Tillersons Besuch "Erklärungen" für den US-Angriff auf den syrischen Stützpunkt. Tillerson hatte sich seinerseits enttäuscht über die russische Reaktion auf den US-Raketenangriff gezeigt. Sie zeige, dass Russland weiterhin die Regierung des syrischen Machthabers Baschar al-Assad unterstütze.

Der britische Außenminister Boris Johnson hatte am Samstag eine für Montag geplante Moskau-Reise abgesagt. Er erklärte, die Ereignisse der Woche hätten die Ausgangslage "fundamental" verändert. "Wir bedauern die fortgesetzte Unterstützung Russlands für das Assad-Regime", sagte Johnson. Er forderte Russland auf, alles zu tun, um eine politische Lösung in Syrien zu erreichen. Aus dem russischen Außenministerium hieß es dazu, die Haltung Johnsons zeuge von mangelndem Wissen für die Lage in Syrien.

cht/Reuters/AFP

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