Wartungsstau Fast zwei Drittel der Jets der US-Navy sind flugunfähig

Die Chefs der US Navy zeichnen ein düsteres Bild ihrer Streitmacht: Tausende Flugzeuge können nicht starten, Schiffe warten auf Werfttermine. Aus Angst, es könnte untergehen, wurde einem U-Boot die Tauchlizenz entzogen.

Geparkte F/A-18-Jets
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Geparkte F/A-18-Jets


Einem Bericht der amerikanischen "Defense News" zufolge muss gut die Hälfte der Fluggeräte der US Navy am Boden bleiben. Rund 1700 Kampfjets, Transportflugzeuge und Hubschrauber sind betroffen. Dass ein bestimmter Prozentsatz der Luftflotte wegen regelmäßiger Wartungsarbeiten nicht fliegen kann, sei normal, so das Blatt, doch mit der aktuellen Situation sei ein einmaliger Höchststand erreicht.

Besonders schwer ist offensichtlich die Speerspitze der amerikanischen Navy-Flieger betroffen, die F/A-18. Das 1983 in Dienst gestellte Mehrzweckkampfflugzeug ist unter anderem auf den US-Flugzeugträgern stationiert. Doch 62 Prozent der Jets sind derzeit außer Dienst gestellt. Etwas weniger als die Hälfte davon müssen grundlegend überholt werden, der Rest der Maschinen wartet auf reguläre Wartungstermine oder fehlende Ersatzteile.

Bei einem Hearing in Washington erklärte US-Admiral Willam Moran den Wartungsstau mit Budgetkürzungen. Die Luftflotte sei veraltet, überbeansprucht und personell schlecht besetzt.

Warten auf Erneuerung

Peter Singer, Strategieexperte bei der New America Foundation, sieht die Schuld hingegen bei den Entscheidern. "CNN" zitiert ihn mit der Aussage, die schlechte Flugbereitschaft seit das Ergebnis einer Reihe von Fehlentscheidungen. Während der US-Kongress die Budgets gekürzt habe, hätte sich das Pentagon darauf verlassen, längst Ersatz für die alten Maschinen zu haben.

Doch der lässt auf sich warten. Zwar hat das Pentagon 2443 neue Kampfjets vom Typ F-35 bestellt, doch mit denen läuft es bei weitem nicht, wie geplant.

Das teuerste Rüstungsprojekt der Geschichte wird immer teurer, die geplanten Anschaffungskosten von knapp 400 Milliarden Dollar dürften kaum ausreichen. Zudem plagen technische Probleme das Projekt: Schleudersitze funktionieren nicht wie geplant, die Software steckt voller Fehler und zu schnell fliegen sollte man damit schon gar nicht.

Als Resultat müssen die alten F/A-18 jetzt weit länger fliegen als geplant. Ursprünglich waren die fast doppelt überschallschnellen Jets auf eine Einsatzdauer von 6000 Flugstunden ausgelegt. Nun aber müssen die alternden Kampfflugzeuge bis zu 9000 Flugstunden absolvieren, bevor sie auf einen Flugzeugfriedhof kommen.

Doch auch das ist nur eine vorläufige Vorgabe. Als Vorbild könnten die amerikanischen B-52-Bomber gelten. Die neuesten Exemplare dieses Typs liefen bei Boeing 1962 vom Band, sollen aber nochbis 2040 für die US Air Force fliegen.

B-52 stehen als Ersatzteilspender in der Wüste
REUTERS

B-52 stehen als Ersatzteilspender in der Wüste

In welchen Schwierigkeiten die US Navy auch bei ihrer Schiffsflotte steckt, zeigt die "Defense Weekly" auf. So würden 440 Millionen Dollar fehlen, um Seeleute zu bezahlen, etliche Schiffe könnten nicht zu dringenden Reparaturen in die Werften geschickt werden, weil dafür Geld fehlt.

U-Boote, die nicht tauche dürfen

Ein Atom-U-Boot, die USS Boise, musste außer Dienst gestellt werden, nachdem ihr die Zertifizierung für Tauchfahrten entzogen wurde. Derzeit wartet das Boot in der Marinebasis in Norfolk auf einen Werfttermin im Oktober. Für die Wartungsarbeiten sind 15 Monate angesetzt.

Offensichtlich, um Druck auf die politischen Entscheider auszuüben warnt das Pentagon nun: Wenn nicht bald mehr Geld bereitgestellt wird, drohe dieses Schicksal fünf weitere U-Booten.

Das traurige Bild, das die Militärs vom Zustand der US Navy zeichnen, stehe in einem krassen Kontrast zu Plänen der Trump-Administration, die Kriegsflotte weiter auszubauen. Auf 355 Schiffe soll die aktuell 308 Schiffe starke Streitmacht erweitert werden. Woher das Geld dafür kommen soll und welche Werften dafür noch Kapazitäten haben könnten, ist unklar.

mak

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