YouTube-Hit Senkrechtstarter landet auf "Barhocker"

William Mahoney durchlebte den Albtraum jedes Piloten: Bei seinem Kampfjet streikte das Fahrwerk. Trotzdem musste er die Maschine auf einem Kriegsschiff landen - mithilfe eines überdimensionierten "Barhockers". Die Aktion ist ein YouTube-Hit.

U.S. Navy

Washington - Es sind angespannte Minuten, die William Mahoney am 7. Juni über der U.S.S. "Bataan" verbringt. Nun ist Mahoney als Kampfjetpilot nervenaufreibende Situationen gewohnt. Doch dieser Fall liegt ein wenig anders. Das Fahrwerk seines "Harrier"-Flugzeugs streikt, für die Landung auf der "Bataan" ist Improvisationstalent gefragt. Die Aktion, mit der Mahoney den 35-Millionen-Dollar-Jet zurück an Bord bringt, ist bei YouTube zum Hit geworden. Knapp 800.000-mal wurde das Video bisher angeklickt.

Schon beim Start bemerkt Mahoney, dass mit seiner Maschine etwas nicht stimmt. So erzählt er es in dem Clip, den die US-Marine ins Netz gestellt hat. "Das Fahrwerk hat nicht richtig funktioniert, also habe ich sofort Schub rausgenommen", so der Amerikaner.

Sein Problem: Wegen der Fehlfunktion kann er nicht feststellen, ob das Fahrwerk eingezogen ist oder nicht. Er muss sich auf die Kollegen an Bord des Kriegsschiffs verlassen. Was diese ihm mitteilen, verheißt nichts Gutes für die Landung. Der vordere Teil des Fahrwerks, unter der Pilotenkanzel, steckt noch im Rumpf der Maschine und lässt sich nicht ausfahren. Der "Harrier" kann zwar im Gegensatz zu regulären Kampfflugzeugen nahezu senkrecht starten und landen - aber eben nicht ohne Fahrwerk.

Was die Techniker schließlich als Lösung auf Deck der "Bataan" hieven, gleicht einem überdimensionierten Barhocker. Das Gestell ist speziell für solche Notfälle konzipiert. Vom Piloten erfordert es allerdings höchstes Geschick. Er muss sich so über den "Rettungsstuhl" dirigieren lassen, dass er die Nase des Jets aus geringer Höhe auf den Stuhl fallen lassen kann. Dabei geht es um Zentimeter. Misslingt das Manöver, ist mindestens das Flugzeug kaputt. Im schlimmsten Fall bekommt auch der Pilot etwas ab.

Zittern am ganzen Körper

"Ich dachte nur: 'Oh Junge, das wird interessant'", erinnert sich Mahoney. Bei der Landung muss er sich auf seine Instrumente und die Beobachter an Bord des Schiffs verlassen. Direkt nach unten kann er aus dem Flugzeug nicht schauen, sein Ziel liegt im toten Winkel.

Zentimeter für Zentimeter schraubt der Pilot den tonnenschweren Jet in Richtung Deck, bis er schließlich die entscheidende Anweisung erhält. Mahoney lässt die Maschine nach unten fallen ("In diesem Moment ist man dann nur noch Passagier"), die Nase des Jets plumpst auf den Hocker, prallt einmal zurück in die Höhe und ruht schließlich in perfekter Landeposition.

Wenige Sekunden nach dem geglückten Manöver stürmt Rettungspersonal zur Maschine. Doch die Sorge um Pilot und Maschine ist unbegründet, beide haben die Landung ohne größere Blessuren überstanden. Vergessen dürfte er die brenzligen Minuten über der U.S.S. "Bataan" so schnell jedoch nicht. Mahoney: "Ich habe erst beim Aussteigen aus dem Flugzeug gemerkt, dass ich am ganzen Körper zittere."

jok

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 75 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
abc-xyz 28.06.2014
1.
Zitat von sysopU.S. NavyWilliam Mahoney durchlebte den Alptraum jedes Piloten: Bei seinem Kampfjet streikte das Fahrwerk. Trotzdem musste er die Maschine auf einem Kriegsschiff landen - mit Hilfe eines überdimensionierten "Barhockers". Die Aktion ist ein YouTube-Hit. http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-pilot-landet-kampfflugzeug-auf-improvisiertem-landehocker-a-978059.html
Beeindruckende Landung!
chwe 28.06.2014
2. Warum technisch so altmodisch ?
Glueckwunsch an den Piloten. Aber warum ist Luftfahrtindustrie so altmodisch ? Viele Mittelklassewagen haben eine Kamera zum rueckwarts einparken. Und hier hat der Pilot das Problem nicht zu sehen wo er landet. Wieso keine kleine Kamera am Unterboden ? Technologietransfer scheint irgendwie ein gernerelles Problem zu sein. Z.B. haelt ein Spielzeughubschrauber beim Ausfall des Piloten (bzw. der Fernbedienung) seine Position mittels Sensoren (GPS,Luftdruck,Kompass,Gyro), ein grosser Hubschrauber wird nach wenigen Sekunden instabil. Eine 20 Jahre alte Diesellock bremst automatisch wenn der Zugfuehrer nicht regelmaessig einen Knopf drueckt. Ein Flugzeug mit einem Autopilot der sogar automatisch landen koennte stuerzt mit bewusstlosen Piloten ab (z.B. Flug Larnaca -> Athen und vielleicht auch MH370).
j.schiffmann 28.06.2014
3. ...
Zitat von sysopU.S. NavyWilliam Mahoney durchlebte den Alptraum jedes Piloten: Bei seinem Kampfjet streikte das Fahrwerk. Trotzdem musste er die Maschine auf einem Kriegsschiff landen - mit Hilfe eines überdimensionierten "Barhockers". Die Aktion ist ein YouTube-Hit. http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-pilot-landet-kampfflugzeug-auf-improvisiertem-landehocker-a-978059.html
Das wäre doch was für die letzte "Wetten, dass.." Sendung! ;)
j.schiffmann 28.06.2014
4. ...
... aber warum das jetzt in der Kategorie "Politik" eingeordnet ist - mysteriös...
Baader 28.06.2014
5.
Wenn dieses Manöver so extrem schwierig und komplex ist, es auf jeden Zentimeter ankommt. Warum bauen die den "Hocker" nicht deutlich breiter, von mir aus auch mit Markierungen links und rechts die vom Cockpit einsehbar sind und dem Piloten eine Orientierung ermöglichen?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.