Angriffe auf westliche Botschaften: US-Beamte vernehmen Mohammed-Regisseur
Er ist der Mann, der Islamisten gegen den Westen aufgebracht hat. Bundesbeamte in den USA befragen jetzt den Regisseur des umstrittenen Mohammed-Films. Der Mann sei nicht verhaftet worden, sagte die Polizei. Er könnte aber gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben.
Los Angeles/Cerritos - Nakoula Basseley Nakoula, mutmaßlicher Autor und Organisator eines antiislamischen Mohammed-Films, ist in Kalifornien von Mitarbeitern des örtlichen Sheriffs zu einem Gespräch abgeholt worden. Im Büro des Los Angeles County Sheriffs soll er sich nun mit Bundespolizisten unterhalten. Ein Sprecher des Sheriffs erklärte, der Mann sei nicht festgenommen worden. "Er wird von Bewährungsbundesbeamten befragt werden." Dem Mann seien keine Handschellen angelegt worden, "es war alles freiwillig".
Nakoula ist offenbar der Mann, der den umstrittenen Mohammed-Film "Die Unschuld der Muslime" gedreht und organisiert hat, der in der muslimischen Welt zum Anlass für wütende Proteste wurde. In dem Film wird der Prophet Mohammed als blutrünstig und sexuell abartig dargestellt. Das Video ist offenbar mit dem Ziel gemacht worden, Muslime möglichst heftig zu provozieren. US-Außenministerin Hillary Clinton nannte den Film "widerlich und verwerflich".
Zunächst war kolportiert worden, der Filmemacher heiße Sam Bacile und sei jüdischen Glaubens und stamme aus Israel. Später wurde bekannt, dass Nakoula Basseley Nakoula offenbar ein koptischer Christ ist.
Verstoß gegen Bewährungsauflagen?
Der YouTube-Kanal, auf dem der Film im Sommer zunächst nur auf Englisch, zu Beginn dieses Monats dann auch mit arabischer Synchronisation hochgeladen worden war, läuft auf den Namen Sam Bacile. Offenbar nutzte Nakoula verschiedene Namensvarianten, neben seinem mittleren Namen Basseley auch noch Bacile und Bacily. Im Jahr 2010 hatte es Ermittlungen gegen ihn gegeben, in deren Zusammenhang in den Akten auch verschiedene Decknamen aufgeführt wurden.
Wegen Bankbetrugs wurde er damals zu 21 Monaten Haft und fast 800.000 Dollar Geldstrafe verurteilt. Ein Anwalt, der Nakoula verteidigt hat, erklärte, sein ehemaliger Mandant habe in mehreren Fällen Kreditbetrug mit Bankkonten unter falschen Namen zu verantworten.
Online verfügbaren Gerichtsunterlagen aus dem Juni 2010 zufolge gehörte zu den mit dem Urteil verbundenen Auflagen auch das Verbot, fünf Jahre nach dem Urteil ohne vorherige Genehmigung durch einen Beamten Computer oder das Internet zu benutzen. Möglicherweise untersuchen die Bewährungsbeamten nun, ob Nakoula gegen diese Auflagen verstoßen hat, als er den Mohammed-Film, aufgeteilt in mehrere kürzere Clips, bei YouTube hochgeladen hat.
"Beleidigung von vielen Millionen Menschen"
In Ägypten, Libyen, im Jemen und in anderen Ländern hatte es zum Teil gewalttätige Ausschreitungen gegeben, die auf das Video zurückgeführt werden. Die wütenden Proteste in der islamischen Welt hatten sich auch gegen Deutschland gerichtet. Tausende Demonstranten steckten am Freitag die deutsche Botschaft in Sudans Hauptstadt Khartum in Brand - der Anschlag war allerdings seit mehreren Tagen geplant. Botschaftsmitarbeiter kamen nicht zu Schaden.
Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich angesichts der Übergriffe besorgt. "Ich verurteile die Angriffe auf die deutsche Botschaft in Khartum sowie auf mehrere amerikanische Botschaften in aller Schärfe", erklärte sie am Freitagabend. Außenminister Guido Westerwelle sagte in den "Tagesthemen", das "Schmähvideo" sei eine "Beleidigung von vielen Millionen Menschen, aber auch dieses törichte und schreckliche Video rechtfertigt keine Gewalt".
cis/Reuters/AP
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