Trumps Chefstratege Bannon "Dick Cheney. Darth Vader. Satan. Das ist Macht."

Machtversessen, rassistisch, spalterisch: Trumps Wahl von Steve Bannon zu seinem Chefstrategen hat für Entrüstung gesorgt. Der meldet sich jetzt selbst in einem kruden Interview zu Wort.

Bannon im New Yorker Trump Tower
AFP

Bannon im New Yorker Trump Tower


Welchen Einfluss wird Steve Bannon auf den künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten haben? Der ehemalige Leiter der rassistisch-populistischen Nachrichtenseite "Breitbart News" ist als Chefstratege von Donald Trump berufen worden - und gewährte nun in einem Interview mit dem "Hollywood Reporter" Einblick in sein Denken. So hält er sich offenbar an die Strategie der Bösen aus "Krieg der Sterne": "Finsternis ist gut", sagte er dem Journalisten. "Dick Cheney. Darth Vader. Satan. Das ist Macht."

Bannon arbeitet seit Jahren daran, innerhalb der rechten Bewegung Amerikas eine machtvolle Position zu bekommen, so freundete er sich etwa mit der ehemaligen Vorreiterin der Tea Party an, Sarah Palin. Ebenso steht er dem Ku-Klux-Klan, weißen Nationalisten und Antisemiten nahe; bei "Breitbart News" bot er der sogenannten Alternativen Rechten ("Alt-Right") in den USA eine Plattform. Die Bewegung ist ein Sammelbecken für Rassisten, Rechtsradikale und Antisemiten. Führende Neonazis und Rechtsradikale feierten Bannons Ernennung zum Chefstrategen und versprechen sich davon mehr Einfluss auf das Weiße Haus.

Im Interview mit dem "Hollywood Reporter" bestritt Bannon aber, rasstisch zu sein. "Ich bin kein weißer Nationalist, ich bin ein Nationalist. Ich bin ein Wirtschaftsnationalist", sagte der 62-Jährige. "Breitbart News" machte unter seiner Leitung Stimmung mit Zeilen wie: "Schwarzer Reporter unter Verdacht, weiße Kollegen hingerichtet zu haben - live im Fernsehen". Im Interview gab Bannon nun als sein Ziel aus, die Arbeiterklasse in den USA in einer sich rasch wandelnden Welt wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

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Darin warf er den Anhängern der Globalisierung vor, die Arbeiterklasse in den USA zugunsten einer neuen Mittelklasse in Asien zerstört zu haben. Seine Anti-Establishment-Bewegung wolle in erster Linie neue Jobs schaffen. "Das alles hat mit Arbeitsplätzen zu tun. Ich bin der Typ, der auf einen billionenschweren Infrastrukturplan dringt", sagte er in dem Interview in Manhattans Trump Tower. "Das wird so aufregend wie in den Dreißigerjahren, größer als Ronald Reagans Revolution - Konservative und Populisten in einer nationalistischen Wirtschaftsbewegung" vereint.

Bannon stammt zwar aus einer Arbeiterfamilie, wurde aber selbst rasch zu einem Vertreter des Establishments, gegen das er nun ins Feld zieht. Unter anderem studierte er an der Harvard Business School und begann seine Karriere als Investmentbanker bei Goldman Sachs. Später wurde er Produzent in Hollywood, bevor er die Leitung von "Breitbart News" übernahm. Derzeit lässt er seine Arbeit für die Website ruhen.

Nicht nur liberale Politiker, auch die etablierten Medien kritisiert er scharf. "Die Medienblase ist das ultimative Symbol für alles, was in diesem Land schief läuft", sagte er. "Es ist ein Kreis aus Leuten, die nur mit sich selbst sprechen und keine Ahnung haben, was zum Teufel eigentlich los ist." Auch die Trump-Konkurrentin Hillary Clinton gehöre zu diesem Zirkel, aus dem sie ihr Selbstvertrauen vor der Wahl gezogen habe. "Das war unsere Chance."

Der Journalist, der das Interview mit Bannon führte, resümiert im Artikel: "In diesen dunklen Stunden der Demokraten ist Steve Bannon das schwärzeste Loch".

vks/AFP

insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
Bueckstueck 19.11.2016
1. Tja
Gestern hat hier im Forum noch einer gefragt, was denn bitte an Bannon so schlimm sei und wo denn die Beweise seien, die das belegen. Natürlich hätte man auch mal einfach selber recherieren können, aber Bannon liefert die Abtworten brühwarm selbst. Jetzt weisst du es.
HeinBlöd 19.11.2016
2.
...hat er bestimmt auch nicht so gemeint... Nicht wahr? Ich schlage Meine Hände überm Kopf zusammen. Die Leute haben die Bad Guys gewählt und die sind auch noch stolz drauf die bösen zu sein. Hat Bannon vergessen, wie es mit dem Imperium ausgeht?
neoleo99 19.11.2016
3. Deficitspending ist keine Kunst
Das könnten wir Deutsche auch. Wir haben reihenweise marode Brücken, Schulen usw. Und Geld ist auch da, denn die EZB druckt genug davon. Also: Wirtschaftsprogramm mit Schulden. Wunderbar. Aber auf diese Idee käme sogar der Dümmste, und er findet dann auch genug Dumme, die ihm glauben. Besser wäre es doch, wenn er das Geld gleich den Armen gibt: kostenfreie Behandlung, höhere Sozialhilfe (für mehr Konsum), höherer Niedriglohn (für mehr Konsum) etc. Aber nein, so sozial ist Trump nicht, denn es geht ihm doch nicht wirklich um das Wohl dieser Abgehängten, nein, er selbst will Kasse machen. Er will in die Oberklasse der Superreichen aufsteigen, a la Koch, Gates etc. Und vor dem großen Währungsknall hat er dann genügend Assets in Form von Immobilien etc. erstanden, dass ihn dann der Währungsknall, so er kommt, nicht juckt.
chb_74 19.11.2016
4. Billionenschwer?
Hat er wirklich "trillions" gesagt oder wurde "milliardenschwer" hier wieder falsch übersetzt? Bin mal gespannt, wo bei diesen Typen die moralischen und verbalen Grenzen liegen...
CorpRaider 19.11.2016
5.
Laut der Anti Defamation League gibt es keine einzige öffentliche antisemtische Aussage Steve Bannons. Auch ist keine offen rassistische Aussage Bannons oder Publikation bekannt. Wer Illegale aus dem Land werfen und die landseigenen Arbeiter schützen will, ist auch noch lange kein Rassist. Das ganze Interview gibt es übrigens hier: http://www.hollywoodreporter.com/news/steve-bannon-trump-tower-interview-trumps-strategist-plots-new-political-movement-948747?utm_source=twitter
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