Affäre um Playmate Das Rätsel der "Trump Tapes"

Donald Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen hat mindestens ein Gespräch mit ihm mitgeschnitten, in dem es um Schweigegeldzahlungen an ein Playmate ging. Es soll weitere Aufzeichnungen geben. Was kommt da noch?

Donald Trump, Melania Trump
AP

Donald Trump, Melania Trump

Von , Washington


Donald Trump hatte sich wohl auf ein gemütliches Wochenende gefreut. In seinem privaten Golfklub in Bedminster, New Jersey, wollte er sich von den Strapazen seiner Europareise erholen.

Doch nun wird der US-Präsident wieder einmal von seiner Vergangenheit eingeholt: Laut "New York Times" hat sein früherer Anwalt Michael Cohen mindestens ein Telefonat mit Trump zu Schweigegeldzahlungen an ein Ex-Playmate in Teilen aufgezeichnet. Weitere US-Medien berichten sogar über mehrere "Trump Tapes", die es geben soll. Cohen soll zudem Gespräche mit anderen "hochgestellten Persönlichkeiten" mitgeschnitten haben. Der genaue Inhalt: unklar.

Amerika hat sein neues Aufregerthema - und Donald Trump womöglich ein Problem mehr. Mit den jüngsten Enthüllungen wird deutlich, dass Ex-Anwalt Cohen für den Präsidenten zunehmend zu einer ernsten politischen, aber vielleicht auch juristischen Gefahr werden könnte.

Cohen, der jahrelang eng mit Trump zusammenarbeitete, ist seit Monaten Ziel einer umfangreichen FBI-Untersuchung. Die Tonbänder, um die es nun geht, gehören zu einer ganzen Reihe von Beweismitteln, die Fahnder bei Durchsuchungen von Cohens Büros und seinem Hotelzimmer in New York im April sichergestellt hatten. Darunter befinden sich wohl auch Computerfestplatten und Mobiltelefone.

Welche Vorwürfe gegen Cohen konkret erhoben werden, ist bislang offen. Der New Yorker Anwalt soll unter anderem in Betrügereien mit Taxilizenzen verwickelt sein. Zugleich werden ihm Verbindungen zum Organisierten Verbrechen nachgesagt. Auch in der Russlandaffäre, also bei der angeblichen Zusammenarbeit zwischen Trumps Wahlkampfteam und Moskauer Agenten, soll er eine Rolle gespielt haben. Cohen bestreitet die Vorwürfe.

Die Aufzeichnung bricht nach zwei Minuten ab

Fest steht: Für Trump hat sich Cohen vor der Präsidentschaftswahl 2016 wohl vor allem darum gekümmert, Frauen zum Schweigen zu bringen, die behaupteten, mit Trump Affären gehabt zu haben. Cohen war Trumps "Fixer", sein Problemlöser. Er sollte ganz offenkundig mit Macht verhindern, dass Skandalgeschichten über die angeblichen Sexaffären an die Öffentlichkeit kommen.

Karen McDougal
Getty Images

Karen McDougal

Neben einer Schweigegeldzahlung an die Pornodarstellerin Stormy Daniels in Höhe von 130.000 Dollar war Cohen auch in den Fall des Playmates Karen McDougal involviert. McDougal hat angegeben, 2006, kurz nach Trumps Hochzeit mit Melania, eine fast ein Jahr dauernde Affäre mit Trump gehabt zu haben. Wenige Monate vor der Wahl wollte sie die Geschichte in der Boulevardzeitschrift " The National Enquirer" platzieren. Der Verlag des Enquirer, AMI, gab ihr für die Exklusivrechte im August 2016 gut 150.000 Dollar.

Doch die Geschichte wurde nicht veröffentlicht. Offenbar aus Rücksicht auf Trump: AMI steht unter der Kontrolle des langjährigen Trump-Freundes David Pecker. Im US-Medienbetrieb nennt man dieses Verfahren, eine unangenehme Geschichte zu beerdigen "catch and kill".

In der zweiminütigen Aufzeichnung eines Telefonats von Cohen und Trump, das im September 2016 geführt wurde, geht es nun wohl darum, dass die beiden Männer sich darüber beraten, ob sie die Rechte an der McDougal-Geschichte wiederum von AMI aufkaufen sollten. Trump soll dabei gefragt haben, ob er mit einem Scheck oder anders bezahlen solle, berichtete das "Wall Street Journal". Dann bricht die Aufzeichnung ab. Unklar ist, warum. Auch bleibt offen, warum Cohen und Trump die Rechte an der Story am Ende doch nicht von AMI kauften.

Trumps Anwalt sieht das Band als Entlastung für den Präsidenten

Trumps Anwalt, Rudolph Giuliani, bestätigte die Existenz des Tonbands, beteuerte aber zugleich, der Präsident habe nichts Unrechtes getan. Im Gegenteil: Trump habe in dem Gespräch mit Cohen sogar extra darauf bestanden, einen Scheck zu schreiben, damit die Sache "sauber dokumentiert" werde, sagte Giuliani der "New York Times". Die Aufzeichnung "entlaste" Trump.

Giuliani versucht, die Sache ganz offenkundig zu Trumps Vorteil zu wenden. Schon wird darüber spekuliert, Trump und seinem Team komme die Geschichte sogar gelegen, um von der aktuellen Kritik an Trumps Beziehung zu Russlands Präsident Wladimir Putin abzulenken.

Michael Cohen
AFP

Michael Cohen

Ob die Angelegenheit tatsächlich so simpel ist? Zumindest politisch dürfte die Tonbandaffäre für Trump unvorteilhaft sein: Denn mit dem Bekanntwerden des Mitschnitts muss einmal mehr die Aufrichtigkeit des Präsidenten in Zweifel gezogen werden. Er hatte bislang stets so getan, als habe er mit der Sache rein gar nichts zu tun. Die Affäre mit McDougal bestritt er. Als Medien kurz vor der Wahl erstmals über den Aufkauf der Playmate-Geschichte durch AMI berichteten, hieß es von Trumps damaliger Sprecherin Hope Hicks, man habe darüber "kein Wissen".

Hinzu kommt, dass die Zahlungen an McDougal als illegale Wahlkampfspende betrachtet werden könnten. In den USA müssen die Parteien und ihre Repräsentanten alle größeren Zahlungen, die dazu gedacht sind, den Ausgang der Präsidentenwahl zu beeinflussen, öffentlich machen. Sonst drohen Geldstrafen. In Einzelfällen ist auch eine strafrechtliche Ahndung möglich.

Natürlich stellt sich aber vor allem die Frage, welche möglicherweise brisanten Tonbänder oder Unterlagen über Trump (oder auch andere Prominente) noch von Michael Cohen gehortet wurden - und nun im Besitz des FBI sind.

Cohen soll über Jahre heimlich Telefongespräche mit Klienten aufgezeichnet haben. Der Anwalt der Pornodarstellerin Stormy Daniels, Michael Avenatti, sagt, er wisse sicher, dass es "mehrere Bänder" gebe und forderte deren sofortige Veröffentlichung. Aus dem Umfeld von Trump wird indes gestreut, das Playmate-Band sei die einzige relevante Aufzeichnung, der Rest sei nur Gerede.

Stormy Daniels
REUTERS

Stormy Daniels

Cohen selbst äußert sich dazu bislang nicht konkret. Es gibt jedoch eine ganze Reihe von Hinweisen, dass er dazu bereit sein könnte, sich generell von Trump loszusagen und mit den Ermittlungsbehörden zusammenzuarbeiten. Cohen versucht ganz offenkundig, seine eigene Haut zu retten. Zugleich fühlt er sich wohl von Trump im Stich gelassen. Nach den Durchsuchungen bei Cohen durch das FBI war Trump öffentlich zu seinem "Fixer" auf Distanz gegangen.

Unklar bleibt indes, was Cohen wirklich anzubieten hätte, um für das FBI als Kronzeuge gegen Trump infrage zu kommen. Manch ein Trump-Gegner macht sich Hoffnungen darauf, dass Cohen Sonderermittler Robert Mueller neue Erkenntnisse in der Russlandaffäre liefern könnte. "Meine erste Loyalität gilt meiner Familie und meinem Land", erklärte Cohen unlängst in einem Interview. Das klang wie eine Drohung - in Richtung Trump.

Cohen hat jetzt jedenfalls erst einmal einen neuen Anwalt angeheuert: Lanny Davis, ist ein Topverteidiger aus Washington und gilt als einer der besten Freunde von Bill und Hillary Clinton. Ausgerechnet.

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