Obama beim Pressedinner: Yes, we grin

Mitt Romney, Donald Trump, der Secret Service - beim alljährlichen Pressedinner des Weißen Hauses machte sich Barack Obama so ziemlich über jeden lustig. Doch auch der US-Präsident musste einstecken - Scherze über seine Essgewohnheiten inklusive.

REUTERS

Washington - Präsident Obama teilte kräftig aus, musste ordentlich einstecken - und die High Society hörte amüsiert zu: Beim Dinner der Vereinigung der Pressekorrespondenten im Weißen Haus bewies der US-Präsident seine Entertainer-Qualitäten. Die opulente Veranstaltung gehört zu den gesellschaftlichen Höhepunkten des Jahres in Washington. Seit Jahrzehnten bietet sie Präsidenten eine Gelegenheit, sich einmal von ihrer witzigen Seite zu zeigen.

Das gelang Obama. "Ich werde keinen Republikaner angreifen. Nehmen Sie Mitt Romney: Er und ich haben viel gemeinsam." Er und sein wahrscheinlicher Gegner bei der Präsidentschaftswahl im Herbst seien in Umfragen unbeliebter als ihre Ehefrauen.

Obamas Hinweis, der luxuriöse Saal im Washingtoner Hilton-Hotel sei wohl das, was Romney eine Bruchbude nenne, war ein kaum verhohlener Seitenhieb auf den manchmal unbeholfenen Umgang des vielfachen Millionärs Romney mit Geld.

"Wir haben beide einen Harvard-Abschluss. Ich habe einen, er hat zwei. Was für ein Snob" - für diesen Seitenhieb Richtung Romney bekam Obama sogar vom ehemaligen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Rick Santorum einen "Daumen hoch". Santorum hatte Obama als Snob bezeichnet, weil dieser junge Amerikaner ermutigt hatte, zu studieren.

Fotostrecke

15  Bilder
Gala in Washington: Obama witzelt über politische Gegner
Unter den Gästen waren Regisseur Steven Spielberg sowie viele Schauspieler: George Clooney, Sigourney Weaver, Claire Danes, Kevin Spacey, Eva Longoria, Goldie Hawn und Reese Witherspoon. Auch Reality-TV-Sternchen Kim Kardashian und Lindsay Lohan waren der Einladung gefolgt. Moderator des Abends war Late-Night-Talker Jimmy Kimmel.

Von ihm musste Obama kräftig einstecken. In Bezug auf das Eingeständnis des Präsidenten, als Kind in Indonesien Hundefleisch gegessen zu haben, fragte Kimmel: "Wenn Sie auf eine Hundewiese gehen, ist das dann so wie wenn wir ein Aquarium voller Hummer ansehen?" Kimmel wollte von Obama auch wissen, ob dieser sich noch erinnere, wie das Land, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, hinter ihm gestanden habe? "Das war wahnsinnig komisch", sagte Kimmel.

Kimmel nahm sich ebenfalls des Skandals um Prostituiertenbesuche von Secret-Service-Mitarbeitern an. "Wenn das unter Präsident Clinton passiert wäre, können Sie darauf wetten, dass diese Agenten mit einem sehr ernsten High Five bestraft worden wären", sagte er. Er selbst, so Kimmel, habe dem Secret Service angeboten, keine Witze zu dem Thema zu machen, wenn er 800 Dollar bekomme. "Aber sie haben nur 30 geboten" - eine Anspielung auf den Umstand, dass ein Secret-Service-Mitarbeiter einer Prostituierten nicht den vereinbarten Preis bezahlen wollte.

Tradition seit 1914

Den Secret-Service-Skandal nahm auch Obama auf die Schippe, indem er auf neue, strengere Verhaltensregeln anspielte. "Ich habe noch viel mehr Material vorbereitet, aber ich muss den Secret Service rechtzeitig zur neuen Sperrstunde nach Hause bringen."

Obama nahm auch das Parlament aufs Korn. "Der Kongress und ich hatten sicherlich unsere Meinungsverschiedenheiten", sagte er. "Aber ich habe trotzdem versucht, höflich zu sein und keine miesen Tricks anzuwenden. Deshalb will ich all den Abgeordneten danken, die sich eine Auszeit vom Nicht-Verabschieden von Gesetzen genommen haben, um heute hier zu sein."

Obama hatte auch für ein Mitglied seines Kabinetts einen Seitenhieb übrig. In den vergangenen vier Jahren habe sich viel verändert. Damals sei er in einem harten Vorwahlkampf mit Hillary Clinton um die demokratische Präsidentschaftskandidatur gewesen. Jetzt "hört sie nicht auf, mir betrunken SMS zu schicken".

Das Correspondents Dinner hatte im vergangenen Jahr stattgefunden, als eine Spezialeinheit losgeschickt worden war, um Osama Bin Laden zu töten. "Letztes Jahr um diese Zeit haben wir endlich einem der berüchtigtsten Individuen Gerechtigkeit widerfahren lassen", sagte Obama. Dann erschien ein Bild von Milliardär Donald Trump auf einem großen Bildschirm, über den sich Obama im vergangenen Jahr lustig gemacht hatte. Trump hatte eine Präsidentschaftskandidatur für die Republikaner erwogen.

Die Erlöse der Veranstaltung gehen an Nachwuchsjournalisten; zudem werden herausragende journalistische Leistungen geehrt. Die Korrespondentenvereinigung wurde 1914 gegründet. Jeder Präsident seit Calvin Coolidge, von 1923 bis 1929 im Amt, war bei dem alljährlichen Dinner zu Gast.

ulz/Reuters/AP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
j.breitinger 29.04.2012
das gibt's doch sicher im Netz als komplettes Video, ganz legal, oder? Wenn ja, warum verlinkt ihr sowas nicht zusätzlich im Artikel?
2.
gothatch 29.04.2012
Zitat von j.breitingerdas gibt's doch sicher im Netz als komplettes Video, ganz legal, oder? Wenn ja, warum verlinkt ihr sowas nicht zusätzlich im Artikel?
ja, gibt's hier: 2012 White House Correspondents' Dinner | C-SPAN (http://www.c-span.org/WHCD/)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Barack Obama
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 2 Kommentare

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | USA-Reiseseite



US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.