Schuldzuweisung an Europa: Obama fürchtet globale Krise

Die Wirtschaft in den USA kommt nicht so in Gang, wie Barack Obama erhofft. Der Präsident muss deshalb um seine Wiederwahl bangen. Jetzt drängt er die europäischen Regierungschefs, das Finanzsystem und Wachstum der Euro-Zone zu stärken.

US-Präsident Barack Obama: "Verschlimmerung der Lage vorbeugen"Zur Großansicht
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US-Präsident Barack Obama: "Verschlimmerung der Lage vorbeugen"

Washington - US-Präsident Barack Obama steckt mitten im Wahlkampf. Doch der läuft anders als erhofft. Grund ist auch die stockende Konjunktur. Nun hat er die Länder der Euro-Zone aufgerufen, schnell und entschlossen gegen die Schulden- und drohende Konjunkturkrise zu handeln. Nur so könne eine Ausweitung der Krise auf die USA verhindert werden.

"Wir wissen, dass es bestimmte Schritte gibt, die sie jetzt sofort machen können, um einer Verschlimmerung der Lage vorzubeugen", sagte Obama in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz im Weißen Haus in Washington.

Die Konjunktur in den USA springt nach der schwersten Rezession seit den dreißiger Jahren nur langsam an. Die Wirtschaftslage gilt als entscheidend für Obamas Chancen, im November für eine zweite Amtszeit wiedergewählt zu werden.

In den vergangenen Monaten haben die USA immer wieder an Europa appelliert, die Probleme im gemeinsamen Währungsraum in den Griff zu kriegen - und zugleich die Wirtschaft nicht mit zu harten Sparpaketen abzuwürgen.

Gefahr einer "Abwärtsspirale"

Der US-Präsident forderte am Freitag, auf kurze Sicht müsse die Euro-Zone ihr Finanzsystem stabilisieren und schwache Banken mit frischem Kapital versorgen. Zudem müssten die politischen Verantwortlichen in Europa einen "Rahmen und eine Vision" für eine weitergehende Integration in der Haushaltspolitik und bei der Bankenaufsicht vorlegen.

Langfristig müssten überschuldete Euro-Staaten ihre Haushalte in Ordnung bringen. Dabei müsse zugleich aber auch auf die Schaffung von Wachstum und Arbeitsplätzen geachtet werden. Mit einer zu rigiden Sparpolitik bestehe die Gefahr einer "Abwärtsspirale" in Europa.

"Je schneller die Führungen agieren, desto schneller werden sie das Vertrauen der Märkte zurückgewinnen und desto weniger Probleme müssen sie später lösen", sagte der US-Präsident.

Obama lobte, dass europäische Regierungschefs wie die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an einer "Wachstums-Agenda" und an einer weiteren finanziellen Integration Europas arbeiteten. "Sie verstehen die Ernsthaftigkeit der Herausforderung." Die erforderlichen Entscheidungen seien hart, aber Europa habe die Fähigkeit, sie zu machen. Erst am Mittwoch hatte der US-Präsident mit Merkel einem Telefonat über die Lage in der Euro-Zone beraten.

Milliardenschwere Konjunkturprogramme

Die Lage in Europa habe großen Einfluss auf die US-Konjunktur, weil die Gemeinschaft jenseits des Atlantiks der größte Handelspartner seines Landes sei.

Obama hatte bei seinem Amtsantritt Anfang 2009 die schwerste Wirtschaftskrise seit der großen Depression geerbt, in deren Zuge fast neun Millionen Jobs vernichtet worden waren. Mit milliardenschweren Konjunkturprogrammen hatten er und seine Demokraten im US-Kongress versucht, die Wirtschaft nach der Finanzkrise wieder in Schwung zu bringen. Die Republikaner sehen hohe Staatsausgaben dagegen als Hindernis für die Privatwirtschaft und prangern die horrende Staatsverschuldung an.

Seit gut zwei Jahren nimmt die Zahl neuer Stellen zwar stetig zu, doch insgesamt wurden erst 4,3 Millionen wieder aufgebaut.

heb/dpa/AFP/Reuters

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insgesamt 39 Beiträge
jewgeni rose 08.06.2012
... findet man halt einen Dummen außerhalb. Die Amerikaner stehen ohnehin drauf andere anzuprangern, ohne selbst allzu viel (richtig) zu machen.
... findet man halt einen Dummen außerhalb. Die Amerikaner stehen ohnehin drauf andere anzuprangern, ohne selbst allzu viel (richtig) zu machen.
Buerger2010 08.06.2012
zitat: Langfristig müssten überschuldete Euro-Staaten ihre Haushalte in Ordnung bringen achso, klar, wenn wir das geschafft haben koennen sich logischerweise weitere US-Staaten hemmungslos verschulden. ich persoenlich bin weder [...]
zitat: Langfristig müssten überschuldete Euro-Staaten ihre Haushalte in Ordnung bringen achso, klar, wenn wir das geschafft haben koennen sich logischerweise weitere US-Staaten hemmungslos verschulden. ich persoenlich bin weder motiviert fuer den Wohlstand von Griechen, Spaniern, und ganz besonders nicht Amerikanern zu schuften ;-)
zins-bürger 08.06.2012
also noch mehr Schulden, noch mehr Zinsleistungen, möglichst hohe Zinsen, an die Millionäre, Milliardäre und Super-Reichen, damit die ihren schönen Himmel hier auf Erden noch toller ausbauen können. Das Volk kann dabei ruhig [...]
also noch mehr Schulden, noch mehr Zinsleistungen, möglichst hohe Zinsen, an die Millionäre, Milliardäre und Super-Reichen, damit die ihren schönen Himmel hier auf Erden noch toller ausbauen können. Das Volk kann dabei ruhig drauf-gehen. In jedem Produkt, jeder Leistung sollen ca. 30 % vom Preis Zinsen sein, bei der Miete 70 Prozent.
elikey01 08.06.2012
gilt nichts mehr im eigenen Lande und erklärt mit erhobenem Zeigefinger, wie es die anderen machen sollen, was offenbar im eigenen Land nicht wirkungsvoll umgesetzt wird od. umzusetzen ist. Dito Mr. Cameron, dessen Nation [...]
Zitat von sysopDie Wirtschaft in den USA kommt nicht so in Gang, wie Barack Obama erhofft. Der Präsident muss deshalb um seine Wiederwahl bangen. Jetzt setzt Europa unter Druck und fordert von den Regierungschefs, das Finanzsystem und Wachstum der Euro-Zone zu stärken. US-Präsident Obama warnt Europa vor neuer Rezession - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,837811,00.html)
gilt nichts mehr im eigenen Lande und erklärt mit erhobenem Zeigefinger, wie es die anderen machen sollen, was offenbar im eigenen Land nicht wirkungsvoll umgesetzt wird od. umzusetzen ist. Dito Mr. Cameron, dessen Nation nicht mal €uro-Mitgliedsland ist. Das hat was von einem Paradoxon.
Herr Hold 08.06.2012
"Obama lobte, dass europäische Regierungschefs wie die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an einer "Wachstums-Agenda" und an einer weiteren finanziellen Integration Europas arbeiteten. "Sie verstehen die [...]
Zitat von jewgeni rose... findet man halt einen Dummen außerhalb. Die Amerikaner stehen ohnehin drauf andere anzuprangern, ohne selbst allzu viel (richtig) zu machen.
"Obama lobte, dass europäische Regierungschefs wie die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an einer "Wachstums-Agenda" und an einer weiteren finanziellen Integration Europas arbeiteten. "Sie verstehen die Ernsthaftigkeit der Herausforderung" Da kommt die Gnade über uns und nun heisst es "jewgenirose kritisiert die Amerikaner und prangert die Richtigkeit der Entscheidungen an" Langsam kann es da nur noch heißen: "Herr Hold mahnt alle Politiker diesseits und jenseits des Atlantik: oft hilft es, die Bevölkerung zu befragen, was denn nun der Mehrheit Wille ist." Er versteht auch die Ernsthaftigkeit.Ehrlich.
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  • Freitag, 08.06.2012 – 18:08 Uhr
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US-Wahl
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).





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