US-Präsident zu Putin und Nordkorea Trump widerspricht Trump

Einerseits, andererseits: Trump glaubt Putin, dass Moskau die US-Wahl nicht beeinflusst hat. Und der US-Präsident vertraut seinen Geheimdiensten, die das Gegenteil sagen. Bei Nordkorea sind die Widersprüche genauso frappant.

US-Präsident Donald Trump in Hanoi, Vietnam
AFP

US-Präsident Donald Trump in Hanoi, Vietnam


US-Präsident Donald Trump hat in der Frage einer russischen Beeinflussung der US-Wahl erneut die Position gewechselt. Bei einer Pressekonferenz in Hanoi mit Vietnams Präsident Tran Quai Dang sagte Trump am Sonntag, er schließe sich nun den Erkenntnissen der Geheimdienste an. Noch am Vortag hatte Trump gesagt, er glaube Russlands Präsident Wladimir Putin, wenn dieser sage, Russland habe die Wahl nicht beeinflusst.

Vier US-Geheimdienste gehen von einer Einflussnahme seitens Russlands aus. Die Russland-Affäre beschäftigt Trump seit seinem Amtsantritt. Am 11. November sagte der US-Präsident zunächst, er glaube Putin, dass er keinen Einfluss genommen habe: "Jedes Mal, wenn er mich sieht, sagt er 'Ich habe das nicht gemacht', und ich glaube ihm wirklich, wenn er das sagt, er meint das so."

Schon einen Tag später folgte allerdings eine Kehrtwende. Am Sonntag verkündete Trump, er "glaube sehr an die Geheimdienste". Sie würden von ausgezeichneten Leuten geführt.

Dennoch sei es wichtig, mit Russland zurechtzukommen. Das Land sei unter anderem für eine Lösung des Konflikts mit Nordkorea wichtig. "Wenn wir mit anderen Ländern zurechtkommen, ist das eine gute Sache, keine schlechte", sagte Trump.

Beleidigungsduell mit Kim

Auch im Konflikt mit Nordkorea ist keine einheitliche Linie erkennbar. Während Trump einerseits sagte, Provokationen meiden zu wollen, setzte er andererseits herausfordernde Tweets ab:

"Warum sollte Kim Jong Un mich beleidigen, indem er mich 'alt' nennt, während ich ihn NIEMALS 'klein und fett' nennen würde? Ich versuche so sehr, sein Freund zu werden - vielleicht wird das sogar eines Tages passieren!"

Wenige Stunden später sagte Trump auf einer Pressekonferenz in Hanoi: "Wir wollen Fortschritt, keine Provokationen. Wir sind provoziert worden, die Welt ist provoziert worden - wir wollen das nicht."

Nordkorea hat in den vergangenen Monaten mit wiederholten Raketen- und Atomwaffentests die Weltgemeinschaft und insbesondere die USA herausgefordert. Trump und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un lieferten sich schon zahlreiche, heftige Verbalgefechte. Noch am Samstag hatte Nordkorea den US-Präsidenten als "Kriegshetzer" bezeichnet, der förmlich darum "bettele", dass es zu einem Atomkrieg komme.

Suche nach Verbündeten

Auf der Suche nach Verbündeten im Konflikt mit Nordkorea baut Trump auf Chinas Staatschef Xi Jinping, der lange zögerte, konsequent gegen Kim Jong Un vorzugehen. Bevor er nach Vietnam geflogen war, hatte Trump einen Zwischenstopp in Peking eingelegt und dort die Hoffnung geäußert, dass China im Atomkonflikt mit Nordkorea "schneller und effektiver als sonst irgendwer mit diesem Problem umgehen" werde. Die Zeit gehe zur Neige, fügte er hinzu.

"Präsident Xi von China hat gesagt, dass er die Sanktionen gegen Nordkorea ausweitet", twitterte Trump am Sonntag.

Trump bietet sich als Vermittler an

Bei der Pressekonferenz in Hanoi äußerte sich Trump auch zu wichtigen Handelsverbindungen. Die USA seien offenen See- und Handelswegen verpflichtet, sagt er auf der Pressekonferenz in Hanoi. Am Vorabend hatte er Vietnam angeboten, sich in den Streit um das Südchinesische Meer einzuschalten, weil er ein sehr guter Vermittler sei, so Trump.

Zum Thema Handel wiederholte der US-Präsident seine Positionen, die USA wollten faire und gegenseitige Abkommen. "Wir wollen keine Stellvertreter oder Satelliten, sondern souveräne und freie Staaten", sagte er. Er begrüße, dass Vietnam seine Märkte für US-Produkte öffne.

Der US-Präsident sagte, bilaterale Handelsbeziehungen zwischen den USA und Vietnam würden "Milliarden über Milliarden" US-Dollar bringen. Beide Länder unterzeichneten mehrere Wirtschaftsabkommen, das meiste davon sind Absichtserklärungen.

Trump beendet am frühen Nachmittag seinen Besuch in Vietnam und reist weiter auf die Philippinen. In Manila nimmt er am Abend an einem Galadinner der Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten teil. Die Philippinen sind der letzte Stopp seiner Asienreise.

hei/AFP/dpa

insgesamt 24 Beiträge
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Atheist_Crusader 12.11.2017
1.
Trump widerspricht sich selbst? Ist doch ne schöne Abwechslung. Sonst widerspricht er nur der Realität, dem gesunden Menschenverstand und den Konzepten des Anstands und der Fairness.
peter-11 12.11.2017
2. keine Kehrtwende
Trump denkt tatsächlich so. Die russischen Geheimdienste haben sich schon eingemischt, aber Putin wusste nichts davon. Ziemlich abstrus, aber so tickt Trump nun mal. wie dem auch sei, ein besseres Verhältnis zwischen Russland und den USA würde der Welt gut tun.
kuac 12.11.2017
3.
Trump übernimmt keine Verantwortung für das bereits Gesagte. Es gilt jeweils das zuletzt Gesagte. Adenauer hatte auch ähnliche Meinung. Dennoch nicht mit Trump vergleichbar, weil Trump heute das Gegenteil von dem behaupten kann, was er gestern gesagt hatte.
erwin9 12.11.2017
4. Der eigentliche Widerspruch
Da es offenbar keinen Zweifel mehr daran gibt, dass Russland zumindest mittelbar über die sozialen Medien in fast schon kriegerisch zu nennender Absicht in die US Wahl eingegriffen hat, und zwar in einem alarmierenden Ausmaß, wenn zudem ein direkter mit Trumps Team orchestrierter manipulierender Eingriff als höchst wahrscheinlich anzusehen ist, wenn gleichzeitig bei den Demokraten intern die Vorwahlen manipuliert wurden, um Sanders aus dem Rennen zu nehmen, worauf basiert dann um Himmels willen überhaupt die Legitimation der derzeitigen Regierung? Diese Wahl war doch eine totale Farce. Ich verstehe nicht, auf welcher Basis da weitergemacht wird. Nicht einmal die Entfernung von Trump aus dem Amt wäre da eigentlich noch eine angemessene Lösung zur Behebung dieses Misstands.
vitalik 12.11.2017
5.
Dafür, dass die Geheimdienste eigentlich geheim agieren, bekommt man letzten Monat sehr viele Informationen , "Beweise" und sogar Stellungnahmen von den Geheimdiensten. Ob die CIA bei ihren anderen Operationen auch so mitteilungsbedürftig ist, ich glaube nicht.
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