US-Präsidentschaft Michelle Obama und das Charisma des Kandidaten

Von , New York

2. Teil: Eine Präsidentin "wäre auch eine tolle Sache"


Während Barack eine Laufbahn in der Sozialarbeit und Kommunalpolitik anstrebte, verfolgte Michelle ihre eigene Karriere. 1990 wechselte sie von der Anwaltskanzlei ins Büro des demokratischen Bürgermeisters von Chicago, Richard Daley. Allerdings unter einer Bedingung: "Sie müssen sich erst mit meinem Verlobten treffen", forderte sie von Daleys Vizestabschefin Valerie Jarrett. "Ich treffe eine schwere Karrierentscheidung. Er ist nervös und will wissen, wer hier auf mich aufpasst."

1992 heirateten sie. Als Barack Obama dann höhere Ämter anpeilte, unterstützte sie ihn, trotz ihrer skeptischen Ansichten über die Politik. Ihre Freunde berichten, sie habe schon früh das Potential ihres Mannes erkannt - und ihn zugleich immer wieder "auf den Teppich zurück" gebracht. "Das amerikanische Volk", sagte sie einmal zu Jarrett, die ihre Vertraute wurde, "beginnt jetzt erst zu sehen, was ich immer wusste. Er ist ein außerordentlicher Mann, der dazu geboren ist zu führen."

Secret-Service-Schutz für die Familie

Seinen Aufstieg in den Senat von Illinois verdankte er unter anderem einflussreichen, politisch engagierten Schwarzen, zu denen ihm Michelle den Kontakt vermittelt hatte. Valerie Jarrett, die Michelle ihren ersten Job gab, wurde als Vorsitzende der Chicago Stock Exchange eine der mächtigsten schwarzen Frauen im Bundesstaat - und arbeitete bald auch für Obamas Wahlkampf, als Finanzchefin.

Trotzdem gab es, so gibt Michelle zu, anfangs "viel Spannungen und Stress" wegen seiner Polit-Karriere, die sie oft mit den Kindern allein zu Hause bleiben ließ. Sie überwand diese schwere Zeit, indem sie sich auf das konzentrierte, "was mich selbst bei Vernunft hält", ohne sich immer nur auf den Mann zu stützen. Ihre eiserne Disziplin kam ihr ebenfalls zupass. Einmal fand eine Reporterin in ihrem Haus eine "To-do-List" für ihre Töchter mit dem peniblen Eintrag: "Spielen."

Ihre zwiespältigen Gefühle zur Politik hielten sich bis vor wenigen Jahren. Noch 2004, als Obama in den US-Senat gewählt wurde, gab sie in der "Chicago Tribune" zu, dass Politik nicht gerade ihre "Leidenschaft" sei. Die Nachteile des Lebens einer Politiker-Gattin wurden ihr wohl auch kürzlich wieder klar, als der Secret Service begann, den Präsidentschaftskandidaten und seine Familie unter Sonderschutz zu stellen - so früh wie noch nie zuvor in einem US-Wahlkampf. Über die Gründe lassen sich die Obamas nicht aus. "Es ist eine gute Sache und etwas, das wir zu schätzen wissen", sagte Michelle dazu nur.

Eine Präsidentin "wäre auch toll"

So will sie denn auch keine First Lady im klassischen Sinn sein. "Backen ist nicht mein Ding", lacht sie in Anspielung auf den alten Streit zwischen Hillary Clinton und Barbara Bush, was die Rolle einer Präsidentengattin sei. Aber auch das frühere Clinton-Motto "Zwei zum Preis von einem" passt auf die Obamas nicht. "Ich will nur mir selbst treu bleiben und so authentisch wie möglich sein", sagt sie.

Und unausweichlich kam dann schnell die Frage: Hat sie als Frau eigentlich nicht auch ein Herz für Hillary Clintons Kandidatur? Würde sie Clinton unterstützen, wäre ihr Mann nicht im Rennen? "Gute Frage", antwortete sie da. "Ich würde mich erst mal darum sorgen, dass wir den richtigen Präsidenten für diese Zeit bekommen. Und wenn das eine Frau wäre - auch das wäre eine tolle Sache."



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