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US-Präsidentschaft: Obama erringt historischen Wahlsieg

Historischer Triumph für Barack Obama: Der Demokrat wird der 44. Präsident der Vereinigten Staaten und zieht als erster Afroamerikaner ins Weiße Haus ein. John McCain verlor deutlich, gratulierte - und bot dem einstigen Rivalen seine Hilfe an.

New York/Washington - Frenetischer Jubel in Chicago: Barack Obama hat die Präsidentschaftswahlen in den USA mit deutlichem Vorsprung gewonnen. Der 47-Jährige wird damit der erste schwarze Staats- und Regierungschef der USA.

Der Hoffnungsträger der Demokratischen Partei sicherte sich die erforderliche Mehrheit der mindestens 270 Wahlmännerstimmen vor allem mit Siegen in den umkämpften Bundesstaaten Florida, Ohio und Virginia. Eine riesige Menschenmenge im Grant Park in Chicago brach bei der Entscheidung in Jubel aus.

Knapp eine Stunde nach Verkündung des Wahlergebnisses wandte sich Obama an Hunderttausende jubelnde Anhänger, die sich im Grant Park in Chicago versammelt hatten: "Wenn noch irgendjemand daran zweifelt, dass Amerika ein Land ist, in dem alles möglich ist - der bekommt den heutigen Abend als Antwort."

Obama appellierte an das Gemeinsamkeitsgefühl aller Amerikaner. "Wir sind keine Ansammlung von blauen oder roten Staaten, wir sind die Vereinigten Staaten von Amerika, und wir werden es immer sein."

Der Wandel, den er im Wahlkampf immer wieder versprochen hatte, sei bereits da, rief er der begeisterten Menge zu. Seinem Kontrahenten John McCain zollte er Respekt und kündigte an, mit ihm in Zukunft zusammenarbeiten zu wollen. Details dazu nannte er allerdings nicht.

Viele der Menschen in Chicago hatten angesichts des historischen Moments Tränen in den Augen. Die Anspannung löste Obama mit einem Versprechen an seine beiden Töchter: "Ihr habt euch einen kleinen Hund verdient", sagte er - einen neuen First Dog fürs Weiße Haus.

Obama dankte seinen Anhängern für die Unterstützung in den vergangenen Monaten. "Das ist euer Sieg", sagte er unter überwältigendem Jubel.

Finanzkrise, schwächelnde Wirtschaft, Krieg gegen den Terror - Obama sprach auch die Herausforderungen seiner kommenden Amtszeit an und mahnte zur Geduld. "Der Weg ist lang, aber wir werden das schaffen, wir als Volk, das verspreche ich euch, werden das schaffen", rief er.

McCain gratuliert, Bush wünscht "viel Spaß"

Der republikanische Kandidat John McCain rief Obama an und gestand seine Niederlage ein, auch Bush gratulierte dem Demokraten nach Angaben des Präsidialamtes: "Sie sind im Begriff, eine der größten Reisen des Lebens anzutreten. Herzlichen Glückwunsch und viel Spaß", wird Bush zitiert.

McCain sagte vor seinen enttäuschten Anhänger in Phoenix: "Das amerikanische Volk hat gesprochen und es hat klar gesprochen". Die Rede wurde unterbrochen von Buhrufen, daraufhin sagte McCain, er selbst hätte sich natürlich ebenfalls ein anderes Ergebnis gewünscht. Er habe Obama seine Hilfe angeboten, sagte McCain weiter.

Nach Angaben seines Sprechers Robert Gibbs hat Obama das Angebot McCains zur Mithilfe bereits angenommen. "Ich brauche Ihre Hilfe", wird er zitiert, "Sie sind eine wichtige Führungspersönlichkeit in vielerlei Hinsicht."

Obama und der designierte Vizepräsident Joe Biden werden am 20. Januar 2009 in Washington den Amtseid ablegen. Dann endet auch die achtjährige Regierungszeit des Republikaners George W. Bush. Dieser rief wie McCain den Wahlsieger Obama umgehend an und gratulierte.

Obama sicherte sich zunächst die erwarteten Siege im Nordosten, einer traditionell liberalen Region, und im Mittleren Westen. Der Senator von Illinois gewann in seinem Heimatstaat und war auch in dem heftig umkämpften Pennsylvania erfolgreich. Dort hatte McCain einen besonders intensiven Wahlkampf geführt, um die erwarteten Verluste in anderen Staaten auszugleichen. Obama siegte auch in Ohio und Iowa, wo vor vier Jahren noch der Republikaner George W. Bush die Wahlmännerstimmen holte.

McCain war vor allem im konservativen Süden der USA erfolgreich. Er gewann wie erwartet in Staaten wie Utah, Arkansas, Kansas, Kentucky und Tennessee. Der 72-Jährige verfolgte die Auszählung in seinem Heimatstaat Arizona.

Die Demokratische Partei konnte auch die absolute Mehrheit im Senat erringen. Bei der Wahl von 35 der 100 Sitze in dieser Parlamentskammer eroberten die Demokraten entscheidende Mandate, die bisher von den Republikanern gehalten wurden. Im bisherigen Senat hatten Demokraten und Republikaner jeweils 49 Sitze. Zwei Mandate wurden von parteilosen Politikern gehalten, die bei Abstimmungen meist auf Seiten der Demokraten waren.

Neu gewählt wurden am Dienstag auch alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses. Bei der Auszählung der Stimmen für diese Parlamentskammer lagen die Demokraten ebenfalls in Führung.

Vermutlich haben noch nie so viele Amerikaner an einer Präsidentschaftswahl teilgenommen wie diesmal. Allein in Virginia schätzten die Behörden die Wahlbeteiligung am Dienstag auf 75 Prozent. Von den 213 Millionen Wahlberechtigten haben sich 187 Millionen für die Wahl registrieren lassen. Von ihnen machten rund 40 Millionen von der Möglichkeit der vorzeitigen Stimmabgabe Gebrauch. Bei der letzten Präsidentschaftswahl 2004 betrug die Beteiligung 60,7 Prozent - das war der höchste Wert seit 1968.

Die Stimmung in den jeweiligen Lagern stellte sich schon vor der Entscheidung äußerst unterschiedlich dar. Auf Fernsehbildern waren Zehntausende jubelnde Obama-Anhänger bei einer gigantischen Party unter freiem Himmel in Chicago im Bundesstaat Illinois zu sehen - in Phoenix, Arizona, hingegen ging es deutlich ruhiger zu. McCains Unterstützer sahen dort geduldig unterschiedlichen Bühnendarbietungen zu, einem Kinderchor etwa oder einem Gitarre spielenden Countrysänger.

Obama gehörte in seinem Stimmbezirk in Chicago zu den ersten Wählern. Zusammen mit seiner Ehefrau Michelle und den zehn- und siebenjährigen Töchtern Malia und Sasha erschien er bereits kurz nach 7.30 Uhr (Ortszeit) im Wahllokal in einer Grundschule. "Die Reise ist zu Ende", sagte er anschließend mit Blick auf den langen und mit harten Bandagen geführten Wahlkampf.

ffr/AP/Reuters/dpa

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