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US-Präsidentschaft: Offene Fehde zwischen Clinton und Obama

Harsche Worte, Beleidigungen - und keine Entschuldigung: Barack Obama und Hillary Clinton kämpfen ruppig um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten. Ein prominenter Obama-Gefolgsmann sagt, die Politikerin sei "leicht zu schlagen" - ihr Lager fordert Satisfaktion.

Washington - Die Lager von Obama und Clinton stünden sich zunehmend unversöhnlich gegenüber, berichtet die "Washington Post". Bisher habe die Rivalität allenfalls politische Insider beschäftigt, nun werde der Wettkampf zunehmend öffentlich ausgetragen.

Konkurrenten: Obama und Clinton
AFP

Konkurrenten: Obama und Clinton

Der neueste Dissens zwischen den beiden Lagern entzündete sich laut "Washington Post" an einem Interview, das der prominente Obama-Spender und Hollywood-Mogul David Geffen der "New York Times" gab. Darin sagt Geffen, dass Clinton aus dem gesamten demokratischen Bewerberfeld "am leichtesten zu schlagen" sei.

Geffen griff die Senatorin von New York vor allem dafür an, dass sie sich im Jahr 2002 für einen Militäreinsatz im Irak ausgesprochen habe und diese Einschätzung bislang nicht zurückgenommen habe. "Es wäre ein leichte Sache gewesen, beim Krieg zu sagen 'Ich habe einen Fehler gemacht', aber es ist typisch für Clinton, dass sie das nicht kann", kritisierte Geffen. Er griff auch Bill Clinton in Bezug auf dessen turbulentes Privatleben scharf an: "Ich glaube nicht, dass sich Bill Clinton in den vergangenen sechs Jahren plötzlich geändert hat", so Geffen.

Geffen, der vor ein paar Jahren noch Bill Clinton unterstützt hatte, bezeichnete dessen Frau Hillary als "polarisierende" Figur. Er glaube nicht, dass Hillary Clinton das Land vereinen könne.

Clinton-Lager empört

Das Clinton-Lager verlangte von Obama, dass er sich von Geffens Bemerkungen distanziere und die von ihm bezahlten Spenden zurückweise. Die Bemerkungen liefen der Forderung Obamas zuwider, eine positive Wahlkampagne zu führen. Während Obama die Politik des Angreifens und Verbrennens meide, gäben sich seine Kampagnenführer einer "Politik der Beschmutzung" hin, kritisierte Clintons Kommunikationsdirektor, Phil Singer.

Obama lehnte aber eine solche Entschuldigung ab. "Es ist mir nicht klar, warum ich mich für die Bemerkungen von jemand anderen entschuldigen sollte", sagte der Kandidat. "Meine Auffassung ist, dass Geffen vielleicht Differenzen mit den Clintons haben mag, aber dass das absolut nichts mit meiner Kandidatur zu tun hat."

Obamas Kommunikationsdirektor, Robert Gibbs, griff wiederum das Clinton-Lager dafür an, dass Hillary Clinton jüngst ihre Wertschätzung für den Senatoren Robert Ford aus South Carolina erklärt habe. Dieser hatte gesagt, dass die Demokraten mit einem Kandidaten Obama aufgrund seiner Hautfarbe in ernsthafte Schwierigkeiten geraten würden. Clinton hatte sich allerdings von der Bemerkung distanziert, Ford hatte sich entschuldigt.

Der Wortwechsel zeigt, dass sich die beiden Lager schon früh um eine gute Ausgangsposition für die demokratische Präsidentschaftskandidatur bemühen. Barack Obama hatte sich gerade erfolgreich in Hollywood bemüht, möglichst viel Stars und Spender für seinen Wahlkampf zu gewinnen. Bereits 21 Monate vor dem Wahltag im Jahr 2008 laufen die Wahlkampf-Maschinen auf Hochtouren.

Hillary Clinton ging nicht direkt auf die Angriffe aus dem Obama-Lager ein und bemühte sich, die Wogen zu glätten. "Ich will einen sehr positiven Wahlkampf führen und ich will sicherlich nicht, dass sich Demokraten und ihre Anhänger für eine Politik der persönlichen Zerstörung einsetzen", sagte Clinton.

jaf

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