US-Präsidentschaftsbewerber Romney Mr. Perfect will es wissen

Zu glatt, zu reich, zu opportunistisch: Viel sprach gegen Mitt Romney bei seiner letzten Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur. Jetzt will es der Multimillionär noch einmal wissen und tritt im Kampf ums Weiße Haus wieder an. Im schwachen Republikaner-Feld hat er beste Chancen.

Republikaner Mitt Romney: Mr. Perfect oder doch zu glatt?
AFP

Republikaner Mitt Romney: Mr. Perfect oder doch zu glatt?


Die Sendung lief im bunten Morgenprogramm, und der Präsidentschaftsbewerber in spe wollte locker erscheinen. Mitt Romney, sonst eher als ernsthafter Geschäftsmann unterwegs, plauderte im Interview mit "NBC Today" über die Beatles, die Musik auf seinem iPad - und "Twilight", das Teenie-Epos mit Vampiren im Liebeswirrwarr. Natürlich habe er das gesehen, sagte Romney. Doch fügte vorsichtig hinzu: "Persönlich mag ich keine Vampire. Ich kenne auch keine."

Die Bemerkung ist durchaus bezeichnend für die Präsidentschaftskandidatur des Willard Mitt Romney, 64, Multimillionär, Harvard-Absolvent, Sohn eines Gouverneurs. Er will es allen recht machen und unter gar keinen Umständen anecken oder unangenehm auffallen. Schon gar nicht als Vampir-Freund.

Gerade diese extreme Vorsicht ist aber vielen Amerikanern eher zuwider. Sie empfinden sie schnell als anbiedernd.

So war es zumindest bei der Wahl 2008, als Romney den Kampf um das Weiße Haus vorzeitig abschreiben musste. Nun will er es noch einmal wissen. Am Donnerstag wird der Ex-Gouverneur von Massachusetts in New Hampshire seine erneute Bewerbung für die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner erklären.

"Ich trete an, weil ich glaube, unsere Wirtschaft wieder in Gang bringen zu können", sagte er NBC vorher. Und äußerte sich durchaus optimistisch zu seinen Chancen: "Ich schätze sie auf mehr als 50 Prozent."

Tatsächlich sind Romneys Aussichten gar nicht übel. Im Republikanerfeld, ausgedünnt durch die Absagen prominenter Namen, liegt er derzeit deutlich vorne. Der Ex-Chef einer Investmentfirma, dessen Privatvermögen auf Hunderte Millionen Dollar geschätzt wird, hat längst ein hochkarätiges Beraterteam versammelt. Spendengelder strömen schon herein, gerade aus dem Finanzsektor. Allein bei einer Veranstaltung in Las Vegas sammelte der Konservative an einem einzigen Tag über zehn Millionen Dollar ein.

Bilderbuch-Familie mit fünf strahlenden Söhnen und Schwiegertöchtern

"Romney führt einen unheimlich disziplinierten Wahlkampf", sagt der republikanische Politstratege Christian Ferry der "Washington Post". Er hat ja auch eine klare Botschaft: Der erfolgreiche Geschäftsmann, einst Mitorganisator der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City, will seine Wirtschaftskompetenz aggressiv vermarkten. Schließlich könnte die US-Arbeitslosenrate am Wahltag 2012 noch immer bei rund neun Prozent liegen, für amerikanische Verhältnisse ausgesprochen hoch. Auch die jüngsten Daten vom amerikanischen Immobilienmarkt sind verheerend, die Konjunktur stottert weiter.

Präsident Obama muss sich gegen den Vorwurf wehren, über seine aufwendigen Reformen den Arbeitsmarkt vernachlässigt zu haben. Das Argument zieht unter linken Wählern und unter rechten Wählern - und Romney weiß das.

"Obama ist einer der ineffektivsten Präsidenten gewesen, die ich je gesehen habe", schimpft er daher. Das wichtigste Thema bei dessen Amtsantritt sei nun einmal der rasante Niedergang der US-Wirtschaft gewesen. Romneys Fazit: "Obama hat diesen nicht verursacht, aber er hat ihn verschlimmert."

Doch das Thema ist für Romney selbst nicht ungefährlich. Als Mitgründer von Bain Capital war er auch an Transaktionen beteiligt, bei denen Arbeitsplätze verloren gingen. Gerade Wählern aus der Unterschicht erscheint er oft zu glatt, zu reich, zu gutaussehend - genau wie seine Bilderbuch-Familie mit Gattin, fünf strahlenden Söhnen und ebenso strahlenden Schwiegertöchtern.

Viele Wähler sind zudem skeptisch, weil Romney über 40 Millionen Dollar aus seinem eigenen Vermögen in seine letzte Bewerbung um den Platz im Weißen Haus pumpte.

Selbst innerhalb der republikanischen Elite ist Romney so umstritten, dass ihn das Meinungsforschungsinstitut Gallup zum "schwächsten Spitzenreiter" der jüngeren Parteigeschichte kürte. Viele Konservative nahmen schon im letzten Wahlkampf Anstoß daran, dass er auf einmal gegen Abtreibung wetterte - um die rechte Basis zu umwerben. Als er noch in der Liberalenhochburg Massachusetts lebte, hatte Romney dagegen nämlich wenig einzuwenden gehabt.

Glaubwürdigkeitsproblem Gesundheitsreform

Diesmal ist sein Glaubwürdigkeitsproblem noch ernster. Denn Romneys größte Leistung als Gouverneur war die Verabschiedung einer Gesundheitsreform, die der von Präsident Obama erstaunlich ähnelt. "Obamacare" ist aber gerade beim rechten Flügel der Konservativen - der Tea-Party-Bewegung - längst ein Schimpfwort.

Romney gelobt nun: "Wenn ich Präsident werde, mache ich Obamacare rückgängig." Sein eigenes Gesetz in Massachusetts sei 70 Seiten lang gewesen, Obamas aber umfasse 2700. "Auf den zusätzlichen 2630 Seiten fügt er dem Gesundheitssystem in unserem Land ungeheuren Schaden zu."

Dennoch fragen sich Experten, ob dem Ex-Gouverneur der Kurswechsel so leicht gelingen wird. "Seine Botschaft darf sich nicht mehr nur um Gesundheitsreform, Positionswechsel und fehlende Nähe zu Wählern drehen", sagt "Time"-Wahlkampfexperte Mark Halperin.

Allerdings neigen US-Republikaner dazu, einen Bewerber zu küren, der nach vorherigen Niederlagen "diesmal dran ist". 2008 war dies John McCain, nun könnte Romney von dieser Neigung profitieren. Sollten exzentrische republikanische Kandidaten wie Ex-Vizepräsidentschaftsbewerberin Sarah Palin oder die Tea-Party-Galionsfigur Michele Bachmann antreten, fiele ihm die Rolle als wählbare Stimme der Vernunft noch leichter.

Also muss Romney in den kommenden Monaten vor allem eins machen: Ruhe bewahren. Hier kommt ihm seine Erfahrung aus dem letzten Wahlkampf zugute. Damals waren Schwachstellen - etwa Romneys mormonischer Glaube, der vielen Amerikanern suspekt ist - bereits Thema. Wichtige aktuelle Rivalen wie Tim Pawlenty, ehemaliger Gouverneur von Minnesota, haben sich hingegen einer solchen Durchleuchtung noch nie stellen müssen.

Dick Morris, Ex-Berater von Präsident Bill Clinton, schreibt in "The Hill": "Wer sagt, dass seine weniger bekannten Konkurrenten sich auch als weitgehend skandalfrei herausstellen? Romneys großer Vorteil ist, dass er bereits getestet wurde. Er wäre für die Konservativen eine sichere Wahl."

insgesamt 42 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
metbaer 02.06.2011
1. ...
... und ständig lese ich Tea Party. Die Tea Party ist eine Splittergruppe, deren Einfluss noch immer klein ist und klein bleiben wird in der Republikanischen Partei. Man sollte nicht permanent den Einfluss der Tea Party überschätzen.
RyuHayabusa 02.06.2011
2. Einheitsbrei
Obama, Romney, Bachmann, Palin... völlig egal, wer da gewinnt. Der einzige der echten "Change" zum Positiven bringen könnte ist Ron Paul. Aber der wird offensichtlich nicht nur in den amerikanischen Medien bekämpft (idR mit absolut unbelegbaren Diffamierungen, fachliche Diskussionen gewinnt er schließlich jedes Mal mit wehenden Fahnen), sondern inzwischen auch von den Deutschen, bzw. halten einige Qualitätsmedien die deutsche Leserschaft offensichtlich für zu uninformiert bzw. dumm, um über den US-Präsidentschaftswahlkampf angemessen informiert zu sein, als dass man ihn nicht kennt und dabei will man es dann wohl auch besser belassen... Ron Paul steht nämlich der originären Tea-Party vor, also dem libertären Teil und nicht diesem pervertierten Neocon-Lager, die von Palin und Bachmann vereinnahmt wurden.
TeaRex 02.06.2011
3. Situs villa tengis essa bernet
Zitat von RyuHayabusaObama, Romney, Bachmann, Palin... völlig egal, wer da gewinnt. Der einzige der echten "Change" zum Positiven bringen könnte ist Ron Paul. Aber der wird offensichtlich nicht nur in den amerikanischen Medien bekämpft (idR mit absolut unbelegbaren Diffamierungen, fachliche Diskussionen gewinnt er schließlich jedes Mal mit wehenden Fahnen), sondern inzwischen auch von den Deutschen, bzw. halten einige Qualitätsmedien die deutsche Leserschaft offensichtlich für zu uninformiert bzw. dumm, um über den US-Präsidentschaftswahlkampf angemessen informiert zu sein, als dass man ihn nicht kennt und dabei will man es dann wohl auch besser belassen... Ron Paul steht nämlich der originären Tea-Party vor, also dem libertären Teil und nicht diesem pervertierten Neocon-Lager, die von Palin und Bachmann vereinnahmt wurden.
Ron Paul ist ein kluger und unkonventionell denkender Mann, aber auch ziemlich alt, recht Guru-haft und ziemlich weit vom amerikanischen Mainstream entfernt. Seine extrem treuen Anhänger haben Züge einer Sekte, ähnlich wie damals 1992 bei Ross Perot. Sein Sohn Rand Paul ist außerdem genauso ein unangenehmer Neocon wie die, über die Sie schimpfen, wodurch die Glaubwürdigkeit des Vaters nicht gerade steigt. Romney könnte sogar gegen Obama eine kleine Chance haben, als so ziemlich einziger der jetzigen Kandidaten. So glatt ist er nämlich gar nicht, als Diaspora-Mormone (die Mormonen sind immer noch die umstrittenste größere Religionsgemeinschaft der USA) und ehemaliger rechter Governeur des linkesten Staates der USA ist er schon auch eine ungewöhnliche Persönlichkeit. Und außerdem hat er einmal seinen Hund aufs Autodach geschnallt und ist so nach Kanada gefahren, welcher Präsident kann das schon von sich behaupten? ;-)
Gandhi, 02.06.2011
4. Egal was Romney sagt,
die Evangelikalen werden in ihrer Mehrheit nie (jedenfalls nicht jetzt) einem Mormormen ihre Stimme geben.
lakechamplainer 02.06.2011
5. Nicht Meine Stimme
Ich wuerde nie fuer Romney stimmen. Mit seine Romneycare kostet ihn mir tausenden von Dollars. Romney geschaffen andere Probleme für die Menschen in Massachusetts, mit seinem ungezügelten Opportunismus. Bringen Sie uns Ron Paul!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.