US-Wahlkampf: Romney legt Steuern ein bisschen offen

Strategiewechsel bei Mitt Romney: Der republikanische Präsidentschaftskandidat hat nach herber Kritik Steuerzahlungen offengelegt. Die Demokraten hatten ihm unterstellt, in den vergangenen Jahren keine oder nur wenige Abgaben gezahlt zu haben. Details blieb er allerdings schuldig.

Mitt Romney: Seit 1990 im Durchschnitt 20 Prozent Steuern bezahltZur Großansicht
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Mitt Romney: Seit 1990 im Durchschnitt 20 Prozent Steuern bezahlt

Washington - Mitt Romneys Verschwiegenheit bei seinen Finanzen war einer der zentralen Kritikpunkte der Demokraten um US-Präsident Barack Obama. Nach den jüngsten abfälligen Bemerkung über hilfsbedürftige Amerikaner, hat der republikanische Präsidentschaftskandidat nun seine Steuerzahlungen öffentlich gemacht.

Im vergangenen Jahr habe er rund 13,7 Millionen Dollar verdient und darauf rund 14 Prozent Steuern gezahlt, teilte sein Wahlkampfteam mit. Zudem gab der Gründer und ehemalige Chef einer Private-Equity-Firma bekannt, dass er seit 1990 im Durchschnitt rund 20 Prozent Steuern auf sein Einkommen gezahlt habe. Über diese Zahl war in den USA heftig spekuliert worden.

Die Einnahmen stammen den Angaben zufolge vor allem aus Investments, Dividenden und Zinseinkünften, die in den USA deutlich geringer besteuert werden als Lohn oder Gehalt. Viele Durchschnitts-Amerikaner zahlen eine höhere Rate. Der Spitzensteuersatz liegt sonst bei 35 Prozent. Rund vier Millionen Dollar habe Romney im vergangenen Jahr gespendet.

Detaillierte Steuererklärungen für den gesamten Zeitraum seit 1990 legte er aber - anders als von den Demokraten gefordert - weiterhin nicht vor. Kritiker nannten die Offenlegung kurz vor dem Wochenende ein Ablenkungsmanöver. Der Freitagnachmittag sei in Washington ein guter Zeitpunkt, um unangenehme Mitteilungen ohne großes Medienecho zu veröffentlichen.

US-Präsident Barack Obama hatte seinen Herausforderer zuvor schon mehrfach zu mehr Transparenz aufgefordert. Bisher hatte der Republikaner lediglich die Steuererklärungen für 2009 und 2010 veröffentlicht - viel weniger als für Präsidentschaftskandidaten üblich. Zudem warf Obama seinem Kontrahenten in TV-Wahlkampfspots vor, sein Geld in Steueroasen in der Karibik anzulegen.

Obama und seine Frau Michelle verdienten 2011 laut ihrer Steuererklärung knapp 800 000 Dollar. Etwa die Hälfte davon habe die "First Family" mit Buchhonoraren eingenommen. Gut 160 000 Dollar, also etwas mehr als 20 Prozent ihres Einkommens, hätten sie an den US-Fiskus abgeführt.

2010 hatte Romney noch rund 21 Millionen Dollar verdient, bei gleichem Steuersatz von rund 14 Prozent. Romneys Vermögen wird auf 190 bis 250 Millionen Dollar geschätzt.

Obama und Romney streiten sich auch inhaltlich über die Steuerpolitik. Während der Präsident die Reichen bei der Sanierung des Staatshaushalts stärker zur Kasse bitten möchte, will Romney den Spitzensteuersatz weiter senken.

Harte Woche für den Kandidaten

Romney hat eine ausgesprochen schwierige Woche hinter sich. Er geriet wegen abfälliger Kommentare über Obamas Wähler in die Defensive, manche Medien sprachen ihm schon die Chance auf den Wahlsieg ab. Am Montag war eine heimlich gefilmte Rede des Republikaners vor reichen Spendern im Internet aufgetaucht. Darin spricht er über jene "47 Prozent der Menschen", die im November ohnehin für den Präsidenten stimmen würden, weil sie von staatlichen Leistungen abhingen und sich selbst als "Opfer" betrachteten.

Der Republikaner erklärte später, er habe sich "nicht elegant" ausgedrückt. An seiner umstrittenen Aussage hält er aber fest und versucht nun, die Wahl zu einer Abstimmung über zwei unterschiedliche Visionen über die Rolle der Regierung zu machen. Obama wirft er vor, die Erholung der Wirtschaft mit zu viel Staatseinfluss und einer Umverteilungspolitik zu blockieren. In Umfragen war Romney zuletzt hinter Obama zurückgefallen.

lei/dpa/AFP

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insgesamt 25 Beiträge
Junkyman 21.09.2012
Ich glaube, dass dieses Thema mittlerweile bei all den Pannen das kleinste von ihm ist. Ob der gute Herr nun wirklich (fairerweise) seine Steuern ordentlich zahlt, wird die von ihm verumglimpften 47% der Amerikaner herzlich wenig [...]
Ich glaube, dass dieses Thema mittlerweile bei all den Pannen das kleinste von ihm ist. Ob der gute Herr nun wirklich (fairerweise) seine Steuern ordentlich zahlt, wird die von ihm verumglimpften 47% der Amerikaner herzlich wenig interessieren.
gandhiforever 21.09.2012
wenn er nun seine Steuererklaerung publik macht, um von den Pannen dieser Woche abzulenken, nachdem er sich vorher standhaft dagegen gewehrt hat. Nun wird also wieder die Frage im vordergrund stehen, wie viel Steuern [...]
Zitat von sysopStrategiewechsel bei Mitt Romney: Der republikanische Präsidentschaftskandidat hat nach herber Kritik um Steuergebaren nun seine Finanzen offengelegt. Die Demokraten hatten ihm unterstellt, in den vergangenen Jahren keine oder nur wenige Abgaben gezahlt zu haben. US-Präsidentschaftskandidat: Romney legt Steuerzahlungen offen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,857307,00.html)
wenn er nun seine Steuererklaerung publik macht, um von den Pannen dieser Woche abzulenken, nachdem er sich vorher standhaft dagegen gewehrt hat. Nun wird also wieder die Frage im vordergrund stehen, wie viel Steuern Romney wirklich zahlt, die Zahlen fuer ein Jahr sind ja leicht manipulierbar, hingegen gewinnt die Aussagekraft, je mehr Jahre veroeffentlicht werden.
ajf00 21.09.2012
Nichts Strategiewechsel, dass die Steuererklaerung fuer 2011 noch veroeffentlicht wird, war lange angekuendigt. Die Demokraten wuerden gerne die aelteren Steuererklaerungen sehen, welche Romney noch nicht fuer seine [...]
Nichts Strategiewechsel, dass die Steuererklaerung fuer 2011 noch veroeffentlicht wird, war lange angekuendigt. Die Demokraten wuerden gerne die aelteren Steuererklaerungen sehen, welche Romney noch nicht fuer seine Praesidentschaftsbewerbung optimiert hat. Also keine echte Neuigkeit.
cm1 21.09.2012
Sehr gut, Mitch, bei dem Steuersatz kann keiner meckern, vor allem nicht die knapp 50% Looser unter deinen Landsleuten.
Sehr gut, Mitch, bei dem Steuersatz kann keiner meckern, vor allem nicht die knapp 50% Looser unter deinen Landsleuten.
abominog 21.09.2012
14 Prozent Steuern. Also quasi 14 Cent pro Dollar, den er eingesackt hat. Jeder (!) zahlt mehr.
14 Prozent Steuern. Also quasi 14 Cent pro Dollar, den er eingesackt hat. Jeder (!) zahlt mehr.
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  • Freitag, 21.09.2012 – 22:18 Uhr
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Twitter zu Romney

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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US-Wahl
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).


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