US-Präsidentschaftswahl: Mit Frauen an die Macht
Barack Obama hat seine Wiederwahl zum US-Präsidenten auch der hohen Wahlbeteiligung bei Frauen zu verdanken. Die Republikaner müssen sich dringend neue Strategien überlegen, um Frauen für sich zu begeistern. Mit ihren ultra-konservativen Ansichten gelingt das nicht.
Die amerikanische Gesellschaft wandelt sich - auch das ist eine Botschaft der Wiederwahl von Barack Obama. Sein Sieg wurde vor allem durch die demografischen Veränderung der USA und seine immense Beliebtheit bei schwarzen und hispanischen Wählergruppen ermöglicht, die einen immer größeren Anteil der US-Bevölkerung stellen. Doch auch die hohe Wahlbeteiligung bei Frauen half dem Präsidenten in eine zweite Amtszeit.
Hinzu kommt, dass die Anzahl der Frauen mit Regierungsverantwortung im Zuge der Präsidentschaftswahl auf ein neues Rekordhoch geklettert ist. 20 der 100 Sitze im amerikanischen Senat haben Politikerinnen erobert, und mindestens 81 der 435 Sitze im amerikanischen Repräsentantenhaus werden an weibliche Abgeordnete gehen. Damit hat sich die Anzahl weiblicher Repräsentanten in der US-Politik nach Angaben der liberalen Politikinitiative Emily's List in den letzten zwanzig Jahren verzehnfacht.
"Diese Wahl war auch die Entscheidung zwischen einer Weiterentwicklung der Gesellschaft oder einer Rolle rückwärts", sagte ein Sprecher der Gruppierung. "Zwischen denen, die fortschrittlich denken und jenen, die Frauen weiterhin Gleichbehandlung bei Gehältern oder Entscheidungsfreiheit bei Familienplanung verwehren wollten."
Mit der Abtreibungsdebatte in den Untergang
Tatsächlich zeigt sich bei genauerer Betrachtung einzelner Wahlergebnisse, dass sich die Republikaner nicht nur überlegen müssen, wie sie in Zukunft die ehemaligen ethnischen Minderheiten, die nun zu Mehrheiten werden, ansprechen. Sondern auch, wie sie die Herzen der Frauen zurückerobern wollen. Mit ultrarechten Ansichten, auch zum Thema Abtreibung, gelingt das offensichtlich nicht.
So hatte beispielsweise der republikanische Anwärter auf den Senatssitz für Missouri, Todd Akin, im Wahlkampf ein Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen nach Vergewaltigungen gefordert. Um seine Position zu rechtfertigen, hatte er in einem Fernsehinterview unter anderem gesagt: "Wenn es sich um eine echte Vergewaltigung handelt, hat der weibliche Körper Möglichkeiten, die ganze Sache abzustellen." Dass eine Frau nach einer Vergewaltigung schwanger werde, sei doch "ziemlich selten". Akin verlor die Wahl, der Senatssitz ging an seine demokratische Konkurrentin Claire McCaskill.
Ähnlich erging es Joe Walsh, bis zur Wahl Repräsentant des Staates Illinois. Er hatte im Wahlkampf behauptet, es gäbe keinerlei medizinische Rechtfertigung für einen Schwangerschaftsabbruch, die moderne Medizin könne jede Gefahr für Leib und Leben einer Frau durch eine Schwangerschaft ausschließen. Das ist erwiesenermaßen falsch. Walsh verlor seinen Sitz an die demokratische Kandidatin Tammy Duckworth. Der republikanische Anwärter auf einen Senatssitz für Indiana verlor gegen seinen demokratischen Gegenspieler, nachdem er behauptet hatte, eine Schwangerschaft nach Vergewaltigung wäre "der Wille Gottes".
Einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zufolge bewerten Frauen eher soziale Themen wie Abtreibung oder gleichgeschlechtlichen Ehen als extrem wichtig, doppelt so häufig wie bei Männern entscheiden die Standpunkte der Kandidaten in diesen Fragen bei Frauen über das Abtimmverhalten.
Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hatte sich während seines Wahlkampfes in diesen Punkten offensichtlich kein klares Profil verschaffen können.
mhe/reuters
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Hauptstadt: Washington, D.C.
Staats- und Regierungschef: Barack Obama
Vizepräsident: Joseph R. Biden
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