US-Präsidentschaftswahl: Mit Frauen an die Macht

Barack Obama hat seine Wiederwahl zum US-Präsidenten auch der hohen Wahlbeteiligung bei Frauen zu verdanken. Die Republikaner müssen sich dringend neue Strategien überlegen, um Frauen für sich zu begeistern. Mit ihren ultra-konservativen Ansichten gelingt das nicht. 

Tammy Duckworth, Repräsentantin von Illinois: Frauenbeteiligung auf Rekordhoch Zur Großansicht
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Tammy Duckworth, Repräsentantin von Illinois: Frauenbeteiligung auf Rekordhoch

Die amerikanische Gesellschaft wandelt sich - auch das ist eine Botschaft der Wiederwahl von Barack Obama. Sein Sieg wurde vor allem durch die demografischen Veränderung der USA und seine immense Beliebtheit bei schwarzen und hispanischen Wählergruppen ermöglicht, die einen immer größeren Anteil der US-Bevölkerung stellen. Doch auch die hohe Wahlbeteiligung bei Frauen half dem Präsidenten in eine zweite Amtszeit.

Hinzu kommt, dass die Anzahl der Frauen mit Regierungsverantwortung im Zuge der Präsidentschaftswahl auf ein neues Rekordhoch geklettert ist. 20 der 100 Sitze im amerikanischen Senat haben Politikerinnen erobert, und mindestens 81 der 435 Sitze im amerikanischen Repräsentantenhaus werden an weibliche Abgeordnete gehen. Damit hat sich die Anzahl weiblicher Repräsentanten in der US-Politik nach Angaben der liberalen Politikinitiative Emily's List in den letzten zwanzig Jahren verzehnfacht.

"Diese Wahl war auch die Entscheidung zwischen einer Weiterentwicklung der Gesellschaft oder einer Rolle rückwärts", sagte ein Sprecher der Gruppierung. "Zwischen denen, die fortschrittlich denken und jenen, die Frauen weiterhin Gleichbehandlung bei Gehältern oder Entscheidungsfreiheit bei Familienplanung verwehren wollten."

Mit der Abtreibungsdebatte in den Untergang

Tatsächlich zeigt sich bei genauerer Betrachtung einzelner Wahlergebnisse, dass sich die Republikaner nicht nur überlegen müssen, wie sie in Zukunft die ehemaligen ethnischen Minderheiten, die nun zu Mehrheiten werden, ansprechen. Sondern auch, wie sie die Herzen der Frauen zurückerobern wollen. Mit ultrarechten Ansichten, auch zum Thema Abtreibung, gelingt das offensichtlich nicht.

So hatte beispielsweise der republikanische Anwärter auf den Senatssitz für Missouri, Todd Akin, im Wahlkampf ein Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen nach Vergewaltigungen gefordert. Um seine Position zu rechtfertigen, hatte er in einem Fernsehinterview unter anderem gesagt: "Wenn es sich um eine echte Vergewaltigung handelt, hat der weibliche Körper Möglichkeiten, die ganze Sache abzustellen." Dass eine Frau nach einer Vergewaltigung schwanger werde, sei doch "ziemlich selten". Akin verlor die Wahl, der Senatssitz ging an seine demokratische Konkurrentin Claire McCaskill.

Ähnlich erging es Joe Walsh, bis zur Wahl Repräsentant des Staates Illinois. Er hatte im Wahlkampf behauptet, es gäbe keinerlei medizinische Rechtfertigung für einen Schwangerschaftsabbruch, die moderne Medizin könne jede Gefahr für Leib und Leben einer Frau durch eine Schwangerschaft ausschließen. Das ist erwiesenermaßen falsch. Walsh verlor seinen Sitz an die demokratische Kandidatin Tammy Duckworth. Der republikanische Anwärter auf einen Senatssitz für Indiana verlor gegen seinen demokratischen Gegenspieler, nachdem er behauptet hatte, eine Schwangerschaft nach Vergewaltigung wäre "der Wille Gottes".

Einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zufolge bewerten Frauen eher soziale Themen wie Abtreibung oder gleichgeschlechtlichen Ehen als extrem wichtig, doppelt so häufig wie bei Männern entscheiden die Standpunkte der Kandidaten in diesen Fragen bei Frauen über das Abtimmverhalten.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hatte sich während seines Wahlkampfes in diesen Punkten offensichtlich kein klares Profil verschaffen können.

mhe/reuters

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Manipulativer Artikel
Esib 08.11.2012
Der Artikel besteht hauptsächlich aus unbewiesenen Behauptungen, die geschickt in Worte verpackt wurden und als deren einzige Beweise die Wiederwahl Obamas und ein paar republikanische Spinner angeführt wurden (wobei nicht klar ist, ob diese nicht auch ohne diese strunzdummen Aüßerungen gescheitert wären). Mir fehlen in dem Artikel die Vergleichswerte: Wie viele Frauen und wie viele Männer gingen wählen und wie sah das prozentuale Stimmverhalten für die Kandidaten aus. Möglicherweise könnte man auch zu der Einschätzung kommen, dass die Republikaner mehr die Männer ansprechen müssen, um deren Wahlbeteiligung zu erhöhen. Wie viel Prozent der ehemaligen Minderheiten haben für Obama und wie viel für seinen Konkurrenten gestimmt und bei welchen Themen gab es in diesen Gruppen wieviel Zustimmung zu den einzelnen Kandidaten. Hinzu kommt, dass das US-Wahlrecht kein Verhältniswahlrecht ist, so dass man genau hinsehen muss, in welchen Bundesstaaten wie welche Mehrheiten erreicht werden. Das alles liefert der Artikel nicht, sondern er setzt eine These, die als einzige Erklärung herhalten muss. Objektive Berichterstattung sieht anders aus.
2. Inkl.
horstmoik 08.11.2012
Mountain und Hawaian Standard Time waren es bislang 7 Zeitzonen in den USA. Jetzt sind es derer 8: Die 50er Jahre kommen nun dazu! Wenn wenigstens die Autos so schön wären wie damals ...
3. Krieg den Hütten, Krieg den Palästen
spontifex 08.11.2012
Zitat von sysopBarack Obama hat seine Wiederwahl zum US-Präsidenten auch der hohen Wahlbeteiligung bei Frauen zu verdanken. Die Republikaner müssen sich dringend neue Strategien überlegen, um Frauen für sich zu begeistern. Mit ihren ultra-konservativen Ansichten gelingt das nicht. US-Präsidentschaftswahl: Frauenbeteiligung auf Rekordniveau - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-praesidentschaftswahl-frauenbeteiligung-auf-rekordniveau-a-865993.html)
Genau. Wenn die nicht endlich kapieren, dass Rechtsstaat und Rechtsstaatlichkeit bzw. rule of law frauenfeindlich (http://forum.spiegel.de/f22/neuer-bundespraesident-merkel-muss-nachsitzen-54617-13.html#post9659729) sind, und dass sie WählerInnenstimmen nur gewinnen können, wenn sie "sich neu erfinden" (http://forum.spiegel.de/f4/us-wahl-bedeutet-der-ausgang-fuer-amerika-und-die-welt-74929-3.html#post11294058), dann wird das nichts. Mit dem letzten NDAA könnte man / frau die Reps, diese üblichen Verdächtigen, aber eigentlich auch alle ohne due process of law und ähnlichen Blödsinn in Guantanamo wegsperren, am besten für immer. Problem gelöst. Im Übrigen fühlen sich Eure alleinerziehende Mutti (http://static.twoday.net/lachnummer/images/merkel_wahldebakel.jpg) und das Chicago Kid (http://sphotos-e.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-ash4/304365_10151211537674350_1983054080_n.jpg), das schon aus biographischen Gründen alleinerziehende Muttis besonders lieb hat, durch ihre Programme zur Förderung von Verelendung und Radikalisierung der Massen, von sex wars, Generalverdacht, Exekutivismus und zur Abschaffung von Rechtsstaat, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit doch sehr verbunden. Die scheinen ihren Marx und Engels (http://www.youtube.com/watch?v=TTdBTPcoao8) ganz gut verinnerlicht (http://de.statista.com/statistik/daten/studie/12982/umfrage/inobhutnahmen-minderjaehriger-durch-jugendaemter/) zu haben. Und die Todesstrafe (http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-wahlkampf-obama-fordert-todesstrafe-fuer-kinderschaender-a-562135.html) ist ja auch nicht (http://forum.spiegel.de/f22/rechtsextremismus-bka-warnt-vor-neonazi-terror-gegen-prominente-70316-4.html#post10918377) so schlecht. (http://www.youtube.com/watch?v=3iuPA48VwIM) Mutti freut sich schon auf Omama. (http://www.bz-berlin.de/aktuell/berlin/wann-kommt-barack-obama-nach-berlin-article1578312.html)
4. Ayn Rand
menschzweiterklasse 08.11.2012
Vielleicht sollten die Repuplikaner ihre Ikone Ayn Rand vor sich hertragen ;-)
5. Nicht nur soziale Rechte
caecilia_metella 08.11.2012
Bei Themen wie dem, das die Republikaner in den Vordergrund gerückt haben, geht es nicht nur darum, wie sich Menschen in Gesellschaften zu verhalten haben. Es geht um Rechte über die Person. Diese Rechte gehen Männer einfach nichts an, wenn es sich bei jenen Personen um Frauen handelt. Vor allem dann nicht, wenn Männer sich nicht entsprechend oder sogar entgegengesetzt verhalten, so hehre Ziele zu erreichen. "Einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zufolge bewerten Frauen eher soziale Themen wie Abtreibung oder gleichgeschlechtlichen Ehen als extrem wichtig..." Gleichgeschlechtliche Ehe ist kein Thema, das für Frauen bzw. Mütter relevant ist. In den nächsten vier Jahren werden auch in Amerika noch mehr Frauen merken, dass sie selbst entscheiden können. Guter Rat an Konservative: "Nicht nur Verdienst, auch Treue wahrt uns die Person." (Goethe) Wer an Gott denkt, der darf zuerst an Treue denken.
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