US-Präsidentschaftswahlkampf: Trump trommelt für Trump

Von , New York

Er ist reich, charismatisch, in den USA kennt ihn jedes Kind: Mit der ganzen Wucht seiner Prominenz stürzt sich der eitle Immobilienmogul Donald Trump nun in den Wahlkampf. Das größte Hindernis einer Kandidatur für die Republikaner ist er selbst.

Es will schon etwas heißen, wenn selbst der Rechtspolemiker Glenn Beck sich "unbehaglich" fühlt bei solchem Unsinn. "Das Letzte, was das Land braucht, ist ein Großmaul", klagte Beck - selbst eines der größten US-Großmäuler - in der Talkshow seines Fox-News-Kollegen Bill O'Reilly. "Ich würde hoffen, dass wir ernsthafte Kandidaten bekommen, die Leben in die Bude bringen, ohne provokative Sachen zu sagen."

Becks Steinwurf aus dem Glashaus galt Donald Trump, der den Titel "Großmaul" so stolz trägt wie einen Verdienstorden. Der New Yorker Immobilienmogul, Schuldenjongleur und Selbstdarsteller hat sich aufs Neue in eine alte Rolle verliebt: US-Präsidentschaftskandidat.

Trumps jetziges Wahlprogramm besteht freilich bisher nur aus einem Punkt - Zweifel an der Staatsbürgerschaft des Amtsinhabers Barack Obama.

"Warum präsentiert Obama keine Geburtsurkunde?", poltert Trump täglich, obwohl Obama das bekanntlich längst getan hat, als diese absurden Vorwürfe 2008 erstmals hochkochten. "Langsam frage ich mich selbst, ob er wirklich in diesem Land geboren wurde."

Es ist ein klassischer Donald: abstrus, leicht widerlegbar, doch unwiderstehlich für die vielen Verschwörungstheoretiker hierzulande - vor allem für die Medien. Mit deren Unterstützung hat Trump, 64, schon oft mit einer Kandidatur kokettiert, meist nur um Wirbel zu machen und damit seine anderen Geschäfte zu beleben. Doch diesmal scheint er fest entschlossen, wozu auch immer - was sich allein an seiner medialen Omnipräsenz zeigt.

"Ich meine es sehr ernst", sagte er der "New York Times" in einem seiner vielen Interviews. "Ich denke sehr lange und sehr intensiv darüber nach." Bis Juni will sich Trump formal erklären, rechtzeitig zu einem Kandidatendinner im US-Vorwahlstaat Iowa - und zum Finale seiner Reality-TV-Serie "The Celebrity Apprentice", jenem Kuriositätenkabinett abgehalfterter Promis.

Bei Trump verschwimmt sie eben immer schnell, die Trennlinie zwischen Seriösität und Persiflage, Genie und Hybris, Realität und Show. Ist das nur ein weiterer Selbstvermarktungsgag? Ein Warnschuss für die recht komatös wirkenden Vielleicht-Kandidaten der Republikaner? Oder wirklich der Auftakt eines ernstzunehmenden Rennens um das machtvollste Staatsamt der Welt?

"Weltweite Lachnummer"

Synergie ist Trumps Zauberwort. Seine Anläufe auf die Präsidentschaftskandidatur gingen stets mit Geschäftsunternehmungen einher. 1987 flirtete er erstmals mit der Politik, im selben Jahr erschien sein Buch "Trump: The Art of the Deal" - und wurde prompt zum Bestseller. Das Spiel wiederholte sich 1999, diesmal hieß das Buch "The America We Deserve". Die jüngsten Koketterien mit dem Politik-Business holten seine kränkelnde TV-Show aus dem Quotenkeller.

So steht am Ende allein eines fest - sein Lebensmotto: Trump trommelt nur für Trump. Weshalb eine Kandidatur denn auch an einem unvermeidbaren Hindernis scheitern könnte - an Donald Trump.

Sein jüngster Ausflug in die Pseudopolitik begann im Februar mit einer Rede auf der Conservative Political Action Conference (CPAC), einem ersten Schaulaufen potentieller Republikaner-Bewerber in Washington. Newt Gingrich war da, Michelle Bachmann und Mitt Romney kamen auch, und die Testabstimmung gewann Ron Paul, wie schon im Vorjahr. Doch es war Trump, dem die größte Aufmerksamkeit galt.

Damals lamentierte er, die USA seien zur "weltweiten Lachnummer" geworden und schwor: "Falls ich kandidiere und falls ich gewinne, wird dieses Land wieder respektiert werden."

Seither jedoch beschränken sich Trumps Auftritte und Aussagen auf ein obskures, doch schlagzeilenträchtiges Thema: Obamas Staatsbürgerschaft, die einer aktuellen Umfrage zufolge inzwischen 51 Prozent der Republikaner anzweifeln. In diesen "Birthers" - den Anhängern der These, dass Obama in Wahrheit in Kenia oder anderswo geboren sei und das vertusche - wittert Trump wohl seine Basis.

Die rassistisch unterfütterte "Birther"-Bewegung ist so alt wie Obamas Kandidatenkarriere. Sie brodelte im letzten Präsidentschaftswahlkampf 2008 hoch, zunächst propagiert in anonymen Ketten-E-Mails, dann durch Wirrköpfe wie die kalifornische Aktivistin Orly Taitz.

Universum aus Kitsch und Kommerz

Nach Obamas Wahl versickerte die künstliche Kontroverse. Bis sie Trump - dessen Mutter ironischerweise in Schottland geboren wurde - jetzt wieder aus der Kiste holte. Seit Wochen tingelt er dazu durch die Talkshows: CNN, MSNBC, Fox News - wer auch immer ihm ein Mikrofon vor den Mund hält.

Whoopi Goldberg, Co-Moderatorin des TV-Kaffeeklatsches "The View" auf ABC, explodierte angesichts des Vorwurfs, Obama verschweige seinen Geburtsort und halte seine Geburtsturkunde geheim: "Das ist der größte Mist, von dem ich je gehört habe", bellte sie Trump an. "Ein weißer Präsident hat seine Geburtsurkunde noch nie zeigen müssen!"

Warum Trump ausgerechnet diese abseitige Strategie wählt, darüber rätseln tatsächlich viele. "Ist Donald Trump verrückt?", fragt selbst der Konservative David Frum, ein Ex-Ghostwriter für George W. Bush. "Oder hat er einfach nur eine sehr sehr schlechte Meinung von den republikanischen Vorwählern?"

Der Grund mag ein anderer, einfacherer sein: Bei allen ernsteren Sachthemen zieht Trump den Kürzeren, selbst gegen die verrücktesten seiner potentiellen Republikaner-Wahlrivalen.

Sicher, einiges spricht für ihn. Er ist auf seine eigene Weise charismatisch, reich und fast jedem Amerikaner ein Begriff, auch dank seiner NBC-Show "The Apprentice" und der VIP-Version "The Celebrity Apprentice". Deren Kandidaten rackern sich ab, einen der Sponsoren der Sendung als "Geschäftsperson" zu vertreten - ein Symbol für das Universum aus Kitsch und Kommerz, dem Trump vorsteht.

600 Millionen Dollar Eigenbeteiligung

Doch was spricht gegen ihn? Die "Washington Post" ist überzeugt: "So gut wie alles andere."

Das fängt schon in Iowa an, dem ländlichen Schlüsselstaat, der die Weichen für den US-Vorwahlkampf stellt. An Iowa kommt keiner vorbei, weshalb sich Trump für den 10. Juni beim Lincoln Day Dinner der Republikaner, einer traditionellen Kandidatenvorschau, als Ehrengast angesagt hat. Hauptrednerin im vergangenen Jahr war Sarah Palin. Es wird Trumps erste Reise nach Iowa sein, zwei Monate vor einer wichtigen Testwahl und acht Monate vor den Vorwahl-Caucussen in 2012.

Doch Trump hat bereits angekündigt, dass er sich mit der üblichen Kandidatenpflicht (Babys herzen, Ferkel streicheln, die "Butterkuh" auf der Iowa State Fair bewundern) nicht abgeben werde - dazu sei er ja viel zu berühmt. Das dürften ihm die recht empfindlichen Wähler sicher übelnehmen, zumal sie ohnehin weniger auf Glamour, Geld und Gold stehen als auf knorrige Bodenständigkeit.

Trumps vermeintlicher Finanzvorteil könnte ebenfalls nach hinten losgehen. Er will bis zu 600 Millionen Dollar aus eigener Tasche in einen Wahlkampf stecken, eine Rekordsumme. Der Nachteil: Er müsste die Bücher seiner oft obskuren Unternehmen offenlegen, bei denen Kritiker unlautere Machenschaften wähnen.

Auch was die Reizthemen des Tages angeht, etwa die Wirtschaft und das militärische Engagement der USA im Nahen Osten, bietet Trump bisher nur plumpe Parolen. Er will keine Steuern erhöhen. Er droht China mit 25-prozentigen Strafzöllen. Er behauptet unter Berufung auf "ziemliche gute Informationen", dass die libyschen Rebellen "eng mit Iran und al-Qaida verbandelt" seien.

Macht alles nichts. Trump stößt in ein Vakuum, da bisher nur ein Republikaner formell in den Ring getreten ist, Minnesotas Ex-Gouverneur Tim Pawlenty. Kein Wunder also, dass die US-Medien seine täglichen Bonmots aufsaugen.

Um die Kontroverse um Obamas Herkunft weiter zu verschärfen, präsentierte Trump jetzt, was er als seine eigene Geburtsurkunde bezeichnet. Das per Hand ausgefüllte Papier mit Siegel, das Trumps Geburt am 14. Juni 1946 im Jamaica Hospital im New Yorker Stadtteil Queens belegt, entpuppte sich jedoch bald, wie die Behörden klarstellten, als nichts anderes als nur ein Andenken-Zertifikat.

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1. Titel? Ja genau, Titel muss sein!
unterländer 05.04.2011
Zitat von sysopEr ist reich, charismatisch, in den USA kennt ihn jedes Kind: Mit der ganzen Wucht seiner Prominenz stürzt sich der eitle Immobilienmogul Donald Trump nun in den Wahlkampf. Das größte Hindernis für eine Kandidatur für die Republikaner ist er selbst. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,755028,00.html
Der Donald Trump der Republikaner ist der Marc Pitzke der Demokraten. Leider kann Herr Pitzke als in Solingen Geborener sich nicht um das Präsidentenamt in den USA bewerben. Einmal mehr ein Bericht über die USA und deren Politiker, der sich durch das Fehlen von Informationen aber Meinung im Überfluss auszeichnet. Wenn ich Pitzke in der Nähe der Überschrift lese, ist mein Tag gerettet.
2.
loncaros 05.04.2011
Es ist so ziemlich jedem klar, warum Obama das Original seiner Geburtsurkunde nicht zeigt (Er hat die Kopie gezeigt, wohlgemerkt das Dokument dass auch Trump vorzeigen kann, denn die Originale werden von der Behörde nicht ausgegeben. Zweifelt Trump auch an seiner eigenen Staatsbürgerschaft?), selbst wenn er es kann: Die "Birther" Zugehörigkeit ist ein perfekter Idiotenfilter. Gemäßigte, unentschlossene Wähler wenden sich angewidert von dieser dümmlichen Anschuldigung ab und laufen den Demokraten zu. Wie jemand der wohl so intelligent wie Trump sein müsste dies nicht begreift ist mir unverständlich. Die ganze Birtherdebatte bedeutet geschenkte Wähler für Obama.
3. Es waere
Dylan14 05.04.2011
ja mal schoen die ernsthaften Kanidaten zu nennen. Ron Paul hat in sehr vielen Umfragen,die Nummer 1 Position in den Presidential Straw Polls. Aber ja,klar gegen den kann man nicht so schoen gegen die Republikaner wettern.Ernsthafte Republikaner die eine gute, sehr gute Chance haben,erwaehnt man wohl in der deutschen Presse nicht so gerne. Ron Paul 2012!
4. 2. Italien ?
H.D. 05.04.2011
..irgendwie erinnert mich das an Berlusconi, der seine Macht nur zum eigenen Verteil nutzt.
5. Ron Paul
Layer_8 05.04.2011
Zitat von Dylan14ja mal schoen die ernsthaften Kanidaten zu nennen. Ron Paul hat in sehr vielen Umfragen,die Nummer 1 Position in den Presidential Straw Polls. Aber ja,klar gegen den kann man nicht so schoen gegen die Republikaner wettern.Ernsthafte Republikaner die eine gute, sehr gute Chance haben,erwaehnt man wohl in der deutschen Presse nicht so gerne. Ron Paul 2012!
ist der leider nicht schon zu alt?
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