US-Repräsentantenhaus Anti-Belästigungs-Training soll Pflicht werden

Auch alle Mitarbeiter des US-Repräsentantenhauses sollen künftig an Schulungen zur Prävention von Belästigung und Diskriminierung teilnehmen. Abgeordnete hatten zuvor von Übergriffen im Plenarsaal berichtet.

Paul Ryan
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Im US-Kongress soll es mehrere Fälle von sexuellen Übergriffen gegeben haben. Die Abgeordnete Jackie Speier von den US-Demokraten sagte am Dienstag bei einer Anhörung im Repräsentantenhaus in Washington, in zahlreichen Telefonaten und Treffen hätten ihr frühere und aktuelle Mitarbeiter von derartigen Vorfällen berichtet. Manchen Opfern sei beispielsweise mitten im Plenarsaal zwischen die Beine gefasst worden.

Speier sagte, nach ihren Informationen hätten sich mindestens zwei Parlamentarier sexueller Belästigung schuldig gemacht. Die Namen wollte sie nicht nennen. Einer der beiden gehöre ihrer eigenen Partei an, der andere sei Republikaner.

Speier hatte Ende Oktober berichtet, dass ihr selbst einst als Kongressmitarbeiterin von einem Vorgesetzten ein Kuss aufgezwungen worden sei. Unter dem Stichwort #MeTooCongress forderte sie frühere und aktuelle Kongressmitarbeiter auf, ebenfalls derartige Vorfälle publik zu machen.

Die republikanische Abgeordnete Barbara Comstock erzählte bei der Anhörung von der jungen Mitarbeiterin eines Parlamentariers, die ihrem Chef Dokumente nach Hause gebracht habe und von diesem lediglich mit einem Handtuch bedeckt empfangen worden sei. Er habe sich dann vor ihr entblößt. Die Frau sei daraufhin umgekehrt und habe ihren Job gekündigt. Auch Comstock wollte keine Namen nennen.

In der Ausschussanhörung am Dienstag ging es um Reformen im Repräsentantenhaus, mit denen es den Opfern erleichtert werden soll, sexuelle Übergriffe zu melden. Auch die Einführung von obligatorischen Seminaren für Abgeordnete, Mitarbeiter und Praktikanten zur Vermeidung solcher Übergriffe wurde geprüft.

Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, kündigte nun an, dass Schulungen zur Prävention von Belästigung und Diskriminierung künftig verpflichtend sein sollen. Der Senat hatte ein solches verbindliches Training bereits in der vergangenen Woche beschlossen. "Unser Ziel ist nicht nur, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, sondern auch eindeutig klarzumachen, dass Belästigung jeglicher Art keinen Platz in dieser Institution hat", sagte Ryan.

In der US-Politik sorgt derzeit der Fall des ultrakonservativen Roy Moore für Schlagzeilen. Fünf Frauen beschuldigen den Republikaner inzwischen, sie als Teenager belästigt zu haben. Trotz der Aufforderung des Republikaner-Chefs im Senat, Mitch McConnell, weigert sich Moore, seine Senatskandidatur bei einer Nachwahl im Dezember zurückzuziehen. Er weist die Anschuldigungen kategorisch zurück.

aar/dpa/AFP

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wiesenflitzer 15.11.2017
1. 1. - April-Meldung?
Das darf doch wirklich nicht wahr sein, oder doch? Ein "Ich-darf-andere-nicht-sexuell-belästigen-Seminar" für Politiker? Echt jetzt? Einfach irre. Aber bei den "Belästigern" sind bestimmt auch zur Hälfte erzkonservative Vertreter dabei, die drei mal am Tag in die Kirche laufen und für -Frau in die Küche und an den Herd- plädieren und streng katholisch und gläubig und...... Was für ein kranke Welt. Und das Schlimme daran ist, wahrscheinlich haben es etliche auch tatsächlich dringend nötig, dass kleine Einmaleins des Gentlemans zu lernen. Ein Anzug alleine macht den nämlich nicht aus!
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