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Präsidentschaftsanwärter: US-Republikaner Christie steckt im "Bridgegate"-Skandal

US-Gouverneur Chris Christie: Dicker Patzer Fotos
REUTERS

Wegen seiner Bürgernähe ist Chris Christie in den USA extrem beliebt. Doch jetzt steckt der Republikaner tief im Schlamassel: Offenbar hat einer seiner Mitarbeiter absichtlich einen Verkehrsinfarkt in einer Kleinstadt herbeigeführt - weil der dortige Bürgermeister bei der letzten Wahl nicht für Christie gestimmt hatte.

New York - Es sind Methoden wie im Wilden Westen: Im vergangenen Herbst hatte ein Verkehrschaos die Stadt Fort Lee in New Jersey lahmgelegt - nun sind E-Mails aufgetaucht, die den Verdacht nahe legen, dass die Straßensperrung eine direkte Racheaktion aus dem Umfeld des Gouverneurs Chris Christie war.

"Es ist Zeit für Verkehrsprobleme in Fort Lee", lautet der Text einer der Nachrichten vom 13. August 2013. Die Absenderin: Bridget Anne Kelly, stellvertretende Bürochefin in Christies Wahlkampfteam. Gerichtet war die Anweisung an David Wildstein, einen Mitarbeiter der Hafenbehörde für New York und New Jersey. Diese ist auch für die betroffene Brücke zuständig. "Verstanden", schickte Wildstein als Antwort zurück. Und ließ offenbar Taten folgen.

Einen Monat später waren zwei von drei Spuren auf der George Washington Bridge zwischen New York und New Jersey dicht. Mehr als 300.000 Autos nutzen die wichtige Verkehrsader an normalen Tagen. Für Fort Lee hatte das dramatische Folgen. In der ersten Schulwoche nach den Sommerferien war die Stadt teilweise kaum noch erreichbar. Kilometerlange Staus und schier endlose Wartezeiten an den Mautstellen belasteten die Bürger über mehrere Tage.

Entsprechend rasch wandte sich Fort Lees Bürgermeister Mark Sokolich an die Verkehrsbehörden. "Wir brauchen Hilfe, es ist zum aus der Haut fahren hier", schrieb er in einer Mail an Bill Baroni, ebenfalls hochrangiger Mitarbeiter der Verkehrsbehörden. Genützt hat ihm der Hilferuf wenig. Im Gegenteil: Teile des nun veröffentlichten Mail-Verkehrs legen nahe, dass sich die Offiziellen über die missliche Lage in der Stadt lustig gemacht hatten. "Ist es falsch, dass mich das ganze zum Lächeln bringt?", lautet eine der Nachrichten, bei der sich allerdings der Absender nicht eindeutig zuordnen lässt. "Nein", kommt als Antwort zurück, offenbar von Wildstein.

Dass durch den Verkehrsinfarkt viele Kinder zu spät zur Schule kamen, wird in dem Mail-Verkehr mit einem Satz abgetan: "Das sind die Kinder von Buono-Wählern." Die Demokratin Barbara Buono war in der Gouverneurswahl gegen Christie angetreten - und wurde dabei von Fort Lees Bürgermeister Sokolich unterstützt.

Erste Verantwortliche mussten gehen

Für Christie, der den Vorwurf der Wildwest-Methoden bisher stets als Stimmungsmache des politischen Gegners abgetan hatte, wird es nun ernst. Der Republikaner, der als möglicher Präsidentschaftskandidat 2016 gehandelt wird, sieht sich von seinem Stab hinters Licht geführt. "Ich bin traurig, dass eine Mitarbeiterin mich so getäuscht und dieses inakzeptable Vorgehen ohne mein Wissen autorisiert hat", sagte der Politiker am Mittwoch.

Bis zur Veröffentlichung des Mail-Verkehrs hatte er beharrt, nichts mit dem Vorfall zu tun gehabt zu haben. Die Sperrungen hätten einer kurzfristig angesetzten Verkehrsstudie gedient. Diese Variante scheint nun kaum noch glaubhaft.

Erste personelle Folgen hat "Bridgegate" bereits gehabt: Die Verkehrsbeamten Wildstein und Baroni mussten ihre Posten räumen, auch für Kelly dürfte es ungemütlich werden. Vor allem gerät der Top-Politiker Christie, dem ohnehin ein Image als Polterer und "harter Hund" anhängt, immer weiter in Erklärungsnot.

jok/Reuters/AP

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insgesamt 47 Beiträge
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1. So ein Depp
Bad_Species 09.01.2014
Das ist warscheinlich der dümmste politische Selbstmord seit "dann sollen sie doch Kuchen essen".
2.
kumi-ori 09.01.2014
Das sind die Leute, die auch den Irakkrieg angezettelt haben.
3. Wildstein, Weinstein?
contextual_dissent 09.01.2014
...die Anweisung geht an Wildstein, und geantwortet hat Weinstein? Ja, was denn nun? Bitte mit den Namen etwas sorgfältiger umgehen! ZITAT: "... Gerichtet war die Anweisung an David Wildstein, einen Mitarbeiter der Verkehrsbehörde für New York und New Jersey. "Verstanden", schickte Weinstein als Antwort zurück. ..."
4. Da regen wir uns darüber auf .....
egal 09.01.2014
.... wenn unser Staatsoberhaupt evtl. oder auch nevtl. nicht ganze 720 Euro "Vorteilsnahme" gewährt wurde. Wie peinlich wir doch sind, aber wahrscheinlich deshalb, da wir so richtige Dampfköpfe, die in USA normal sind nicht haben. Wäre vielleicht ganz lustig diese religiös verblendeten, dieser Welt völlig entrückten und unterm Strich unterbelichteten Cowboys hier zu haben. Wir müssen ja mit Veggie Days schon unseren Adrenalinspiegel aufrecht erhalten.
5. Was ist daran so schlimm?
clearmind 09.01.2014
Nein, die Überschrift ist nicht ganz ernst gemeint. Andererseits ist das künstliche Ausbremsen des Verkehrs durch Politiker in meinem Wohnort (eine Kleinstadt) gang und gäbe: Völlig schwachsinninge Ampelphasen, Fußgängerampeln, die früh morgens um drei automatisch auf Rot springen, Straßenverengungen, 30er-Zonen, Bumper auf Straßen, an denen keine Häuser stehen und maximal 20 Leute pro Tag herlaufen, keine Park & Ride-Parkplätze am Bahnhof, die man ad-hoc nutzen kann. Ideologie vor Effektivität.
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