US-Republikaner Cindy McCain geht auf Distanz zu Palin

Traditionelle Werte ja, aber ein Verbot von Abtreibung oder Sexualkunde? Nicht mit Cindy McCain, der möglichen nächsten First Lady. Deutlich lehnte sie die radikalen Positionen der Vize-Kandidatin Palin ab - ein Signal an die politische Mitte.


Berlin - Auf dem Republikaner-Parteitag begeisterte Sarah Palin mit ihren konservativen Ansichten zu Sex und Familie die religiös befeuerte Basis. Nun erntet sie Widerspruch - nicht nur von Liberalen und Demokraten, sondern auch von der nächsten möglichen First Lady, Cindy McCain.

Cindy McCain, Ehefrau des Präsidentschaftskandidaten John McCain: Für sexuelle Aufklärung an Schulen und Abtreibung
REUTERS

Cindy McCain, Ehefrau des Präsidentschaftskandidaten John McCain: Für sexuelle Aufklärung an Schulen und Abtreibung

Wenn Sarah Palin Abtreibung ablehne und nur noch bei Vergewaltigung und Inzest zulassen wolle, unterstütze sie das nicht, sagte Cindy McCain jetzt dem Fernsehsender ABC. "Ich stimme ihr in dieser Frage nicht zu, aber ich respektiere ihre Ansichten", sagte die Frau des Präsidentschaftskandidaten der Republikaner John McCain.

Ihr Mann und sie seien nicht für eine Verfassungsänderung, um Abtreibung zu verbieten. "Wir beide glauben, dass das die Sache der einzelnen Bundesstaaten ist und die Bundesstaaten ihre Entscheidung individuell fällen müssen", sagte Cindy McCain. Die 54-Jährige hatte sich in der Vergangenheit nur selten politisch geäußert.

Damit vertritt die Ehefrau von McCain in der Frage der Abtreibung eine wesentlich liberalere Haltung als die Vizepräsidentschaftskandidatin der US-Republikaner, Sarah Palin. Diese hat sich als Vertreterin traditioneller Familienwerte einen Namen gemacht und genießt großes Ansehen gerade bei der religiös-konservativen Basis der Partei. Die 44-Jährige ist eine strikte Abtreibungsgegnerin und bekommt dafür viel Applaus - auch dafür, dass ihre 17-jährigen Tochter ihr Kind austragen wird.

Cindy McCain ist für Aufklärungsunterricht an Schulen

Die Schwangerschaft von Palins minderjähriger Tochter hatte für große Aufregung gesorgt, denn die Gouverneurin von Alaska lehnt Sexualaufklärung an Schulen ab und befürwortet stattdessen Programme, die sexuelle Enthaltsamkeit von Teenagern fördern sollen.

Cindy McCain sagte in dem Fernsehinterview, sie sei für den Aufklärungsunterricht an den Schulen. Die Schule ihrer Kinder hätte Sexualerziehung angeboten. "Dafür habe ich mich eingesetzt." Der Aufklärungsunterricht solle auch das Thema Enthaltsamkeit von Kindern beinhalten. "Ich denke, dass sind zweierlei Dinge und alles davon sollte gelehrt werden", sagte die mögliche First Lady.

Die Republikaner propagieren in ihrem Wahlprogramm die "Abstinenz von sexueller Aktivität" als das beste Mittel gegen HIV und ungewollte Teenager-Schwangerschaften. Zudem will die Partei Abtreibung per Verfassungsänderung abschaffen.

Abtreibung ist eine menschliche Tragödie

John McCain hatte sich in der Vergangenheit immer wieder gegen Abtreibungen und für den Schutz des ungeborenen Lebens eingesetzt, allerdings im Ton gemäßigter als seine Vize Palin. "Im Kern ist Abtreibung eine menschliche Tragödie", sagt McCain. Er werde alles in seiner Macht stehende tun, um diese fürchterliche Maßnahme zu verhindern. "Diejenigen von uns, die an den Wert des ungeborenen Lebens glauben, müssen alles daran setzen, dass nicht nur hier in Amerika, sondern in der ganzen Welt dieses Töten von menschlichem Leben nicht erlaubt wird", sagte er im Januar in South Carolina. Abtreibung dürfe nicht von Juristen entschieden werden.

John McCain ist seit 1980 mit seiner Frau Cindy verheiratet. Es ist seine zweite Ehe. Die beiden haben vier Kinder, unter ihnen die Adoptivtochter Bridget aus Bangladesch. Aus seiner ersten Ehe hat er eine Tochter und zwei Adoptivsöhne.

cheb



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