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US-Republikaner Lange Messer, kurze Beine

Die Debatte verkam zur Gruselshow der Absurditäten: In Florida haben sich die Republikaner, kurz vor der wohl entscheidenden Vorwahl, über Themen wie Einwanderung und Mond-Kolonien gestritten. Gewonnen hat Mitt Romney. Verloren haben die Zuschauer, die Wahrheit und die politische Kultur.

Die jüngste TV-Debatte der US-Republikaner in Florida beginnt mit einem derart überkandidelten Intro, dass man um das leibliche Wohl der Kandidaten bangt: "Der Staat, der den Wahl-Cliffhanger erfunden hat!", bebt der CNN-Ansager zu Posaunenklängen und Bildern vom Florida-Auszähldebakel nach der Wahl 2000. "Erwarten Sie das Unerwartete!" Und: "Dies wird die wichtigste Debatte bisher!"

In der Tat steht wirklich viel auf dem Spiel an diesem Abend. Viel mehr als nur die 55 Delegierten, die der US-Sonnenstaat beim Wahlparteitag im August zu vergeben hat.

Es geht darum, ob Mitt Romney sich die Nominierung schon jetzt sichern kann oder eine lange, teure und demontierende Vorwahl-Odyssee ausfechten muss. Es geht darum, ob sein Erzrivale Newt Gingrich mehr als nur eine Eintagsfliege ist, die in den Sümpfen South Carolinas Blut geleckt hat. Es geht um nicht weniger als die Seele der Partei, um die immer tiefere Kluft zwischen den Granden in Washington und den wütenden Basis-Rebellen.

"Diese Debatte", prophezeit das Magazin "Atlantic" schon vorab über das Duell Romney-Gingrich, "wird einen von ihnen brechen."

Lügen und Augenwischereien

Also doch genug Stoff für einen heißen Abend, selbst wenn es der achtzehnte dieser Art ist? Nein, die Vorfreude trügt. Zwar gibt es kräftige Scharmützel und gut einstudierte Attacken zwischen den zwei Top-Kandidaten und den beiden anderen auf der Bühne, Rick Santorum und Ron Paul - dafür aber auch umso mehr Lügen, Halbwahrheiten und Augenwischereien.

Dies ist, so stellt sich ziemlich schnell heraus, die Nacht der langen Messer und kurzen Beine.

Ja, das mag gutes Fernsehen sein. Auf der Strecke bleibt jedoch - der Wähler. Um den Spannungsfaktor zu steigern, provoziert CNN-Moderator Wolf Blitzer mit absurden Fragen - nach US-Kolonien auf dem Mond, nach Konten in der Schweiz, nach der Gleichberechtigung Puerto Ricos und danach, welche der vier Gattinnen denn wohl die beste First Lady wäre.

120 Minuten lang "debattieren" sie über diese "Reizthemen", die Quoten bringen, aber keine Erleuchtung darüber, wie diese Herren die enormen Herausforderungen der USA meistern würden. Über die Wirtschaft - Hauptthema für die meisten Wähler - fällt kein einziges Wort.

Absurde Vorstellrituale

Am Ende rufen die Kommentatoren Romney zum Sieger aus (weil er am geiferndsten beißt), Gingrich zum Verlierer (weil er weniger geifernd zurückbeißt), Santorum zum "neuen" Aufsteiger (weil er alle beißt) - und Paul zum lustigen Onkel. Der wahre Verlierer aber ist das politische System.

Wer dieses Rennen täglich begleitet, mag diese Absurdität längst nicht mehr sehen. Doch schon das Ritual, mit dem sich die Kandidaten zu Beginn der Debatte "vorstellen", als seien sie Unbekannte, offenbart das wahre Niveau.

"Ich heiße Rick Santorum, und ich bin begeistert, hier zu sein", sagt Rick Santorum und präsentiert seine 93-jährige Mutter (obligatorisches "Oooh"). Gingrich schmeichelt Jacksonville als "Ort der nächsten nuklearen Flugzeugträgergruppe" (obligatorischer Jubel). Romney spricht wie immer von seinen "fünf Söhnen, fünf Schwiegertöchtern und 16 Enkelkindern", als sei dies ein Fruchtbarkeitswettbewerb (lobender Applaus). Und Paul verirrt sich sofort wieder in einem seiner Traktate gegen die Währungsordnung (konsterniertes Klatschen).

"Aufhetzerisch" und "abstoßend"

Die ersten Fetzen fliegen beim Thema Immigration, das CNN-Moderator Blitzer offenbar wählt, weil das in Florida besonders gut zieht. Gingrich hat Romney in einem TV-Spot als "einwanderungsfeindlich" tituliert. Was er davon halte, fragt Blitzer den Titulierten. "Das ist unentschuldbar", faucht der, die Hände geballt, das Gesicht zu einem harten Grinsen gefroren. Sein Vater sei doch aus Mexiko gekommen! Weitere Anschuldigungen, die er Gingrich entgegenschleudert: "Aufhetzerisch", "abstoßend", "einfach zu viel des Guten".

Dann dreht Blitzer den Spieß um. Romney hat Gingrich in einem Radiospot beschuldigt, Spanisch als "die Sprache des Ghettos" verunglimpft zu haben. "Ich bezweifle, dass das mein Spot war", lügt Romney - während die Twitter-Kommentatoren binnen Sekunden besagten Spot aus dem Netz fischen, den Romney sogar in gebrochenem Spanisch absegnet: "Soy Mitt Romney, estoy postulado para presidente y apruebo este mensaje."

Ach ja, die Latinos: In Florida kommt keiner ohne sie ins Weiße Haus. Vor allem nicht ohne die Exilkubaner. Doch sind die nun für oder gegen eine Öffnung zum sich wandelnden Kuba? Keiner scheint's zu wissen. Santorum will das Kuba-Embargo wieder voll aufrüsten und beschimpft US-Präsident Barack Obama außerdem als einen, der mit den "Marxisten" Lateinamerikas gemeinsame Sache mache. Paul dagegen regt "Freundschaft und Handel mit Kuba" an: "Der kalte Krieg ist vorbei!" Romney und Gingrich reden sich heraus.

Über das Thema Raumfahrt behakeln sie sich fast eine halbe Stunde - Schuld ist Gingrich, der den Wählern neulich eine Kolonie auf dem Mond versprochen hat, inklusive eines lunaren US-Bundesstaats. "Ich will keine Kolonie auf dem Mond", widerspricht ihm Romney. "Ich will hier in den USA Häuser wiederaufbauen." Die beste Antwort kommt von Ron Paul: "Ich finde nicht, dass wir zum Mond fliegen sollten. Aber vielleicht sollten wir einige Politiker dorthin schicken."

Was wissen wir nun mehr? Jeder Kandidat liebt Marco Rubio, den Tea-Party-Senator aus Florida, der sich bisher noch auf keine Seite geschlagen hat und hoffentlich gut zugehört hat. Jeder Kandidat liebt Israel. Jeder Kandidat liebt Ronald Reagan. Jeder Kandidat liebt seine Ehefrau, eine geborene First Lady, aus etlichen Gründen: "Sie ist die Autorin eines sehr berühmten Kochbuchs" (Paul); "sie hat ein Buch über Benimm geschrieben" (Santorum); "sie spielt das Waldhorn" (Gingrich).

Anschließend lungern die Kandidaten noch etwas verloren auf der Bühne herum. "Oh, ich finde, das war fantastisch", sagt Romney zu CNN-Reporter John King. "Das wird mir den nötigen Schub geben." In der Tat: Die Wettbörse Intrade schraubt seine Chancen auf einen Sieg am Dienstag nach der Debatte auf 87 Prozent hoch. Er hat den Abend gewonnen.

Verloren haben dabei ganz andere.

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founder 27.01.2012
In Deutschland kann man zu Gefängnis verurteilt werden, wenn man das politische System in Detuschland von 1933 bis 1945 verherrlicht. Das nennt man Wiederbetätigung. In China kann man zu Gefängnis verurteilt werden, wenn man [...]
In Deutschland kann man zu Gefängnis verurteilt werden, wenn man das politische System in Detuschland von 1933 bis 1945 verherrlicht. Das nennt man Wiederbetätigung. In China kann man zu Gefängnis verurteilt werden, wenn man das politische System der USA verherrlicht. Ich denke nach dem Wahlkampf kann jeder verstehen warum das so ist.
Glanzlos 27.01.2012
Mir wird wirklich Angst und Bange, wenn einer von denen zum Präsidenten wird........
Zitat von sysopDie Debatte verkam zur Gruselshow der Absurditäten: In Florida haben sich die Republikaner, kurz vor der wohl entscheidenden Vorwahl, über Themen wie Einwanderung und Mond-Kolonien gestritten. Gewonnen hat Mitt Romney. Verloren haben die Zuschauer, die Wahrheit und die politische Kultur. US-Republikaner: Lange Messer, kurze Beine - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,811707,00.html)
Mir wird wirklich Angst und Bange, wenn einer von denen zum Präsidenten wird........
durin89 27.01.2012
Eigentlich ist es doch vollkommen egal wer von den Republikanern gewinnt - ein Armutszeugnis wäre es defenitiv!
Zitat von sysopDie Debatte verkam zur Gruselshow der Absurditäten: In Florida haben sich die Republikaner, kurz vor der wohl entscheidenden Vorwahl, über Themen wie Einwanderung und Mond-Kolonien gestritten. Gewonnen hat Mitt Romney. Verloren haben die Zuschauer, die Wahrheit und die politische Kultur. US-Republikaner: Lange Messer, kurze Beine - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,811707,00.html)
Eigentlich ist es doch vollkommen egal wer von den Republikanern gewinnt - ein Armutszeugnis wäre es defenitiv!
tollted 27.01.2012
In D könnte der garantiert kein politisches Amt mehr annehmen. Bei uns langen schon Werbegeschenke von dreieinhalb Tausend Euro oder das Abnutzen von Wohnräumen in Ferienhäusern von Freunden um politisch untragbar zu sein...
In D könnte der garantiert kein politisches Amt mehr annehmen. Bei uns langen schon Werbegeschenke von dreieinhalb Tausend Euro oder das Abnutzen von Wohnräumen in Ferienhäusern von Freunden um politisch untragbar zu sein...
Stelzi 27.01.2012
Tatsächlich ein Gruselkabinett sondergleichen! Aber finden wir Trost in der Tatsache, dass keiner dieser Suppenkasper gegen Obama eine echte Chance hat. Da muss schon noch fürchterliches passieren (kollektiver IQ Einbruch auf [...]
Tatsächlich ein Gruselkabinett sondergleichen! Aber finden wir Trost in der Tatsache, dass keiner dieser Suppenkasper gegen Obama eine echte Chance hat. Da muss schon noch fürchterliches passieren (kollektiver IQ Einbruch auf tiefe, zweistellige Werte der gesamten wahlberechtigten US-Bürger, zum Beispiel), damit das schief gehen kann. Obama 2012!
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Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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US-Präsidentschaftswahl
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).




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