Parteitag der US-Republikaner: Fünf Lehren aus Romneys Rede

Aus Tampa, Florida, berichtet

Mit einer Schlüsselrede auf dem Parteitag wollte der Republikaner Mitt Romney die US-Wähler überzeugen. Fehler machte er dabei nicht, aber es fehlte die Leidenschaft, der zündende Gedanke. Der Mann, der Präsident der Vereinigten Staaten werden will, bleibt vielen ein Rätsel.

AP

Eine Rede vor Millionen-Publikum. Der wichtigste Auftritt seiner politischen Karriere. Die Chance auf ein neues Image. Mitt Romney hatte es selbst in der Hand.

45 Minuten sprach er auf dem Parteitag der Republikaner in Tampa. Seine Anhänger hofften auf nicht weniger als die Neu-Erfindung des Mitt: Weniger steif, weniger kühl, weniger unentschieden, so sollte er bei den Menschen im Land rüberkommen. Stattdessen nahbarer, offener, auch emotionaler wirken.

Dieser Wandel hat nicht stattgefunden.

Mitt Romney hielt eine solide Rede, er gab sich alle Mühe. Aber wenn er tatsächlich für die Politik brennt, dann konnte er genau das nicht vermitteln. Romney redete wie einer, der sich alle Mühe gibt. Echte Stimmung kam dabei nicht auf.

Die fünf zentralen Lehren aus seiner Rede:

  • Erstens: Romney kann einfach nicht raus aus seiner Haut. Der Kandidat hatte die Chance, sich der Nation neu vorzustellen - doch er hat nichts Neues von sich preisgeben wollen. Romney hat die Menschen nicht an sich herangelassen. Seine persönliche Story, die Geschichte seiner Familie? Rattert er herunter: Vater lernte Mutter kennen. Sie gingen nach Detroit. Waren Mormonen, na und, die Jugendfreunde interessierte doch mehr der Sportverein. Und so weiter. Immer wieder flüchtet er sich in Worthülsen, Plattitüden. Das wirkt lahm, steif, kühl. Wen soll das überzeugen? Was ist die Story dahinter? Was will uns Romney sagen? Der Mann bleibt ein Rätsel.
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    Republikaner-Parteitag: "Dieses Land gehört uns"

  • Zweitens: Romney fehlt die politische Leidenschaft. Ein Gradmesser dafür ist Romneys Tonfall, der war stets der gleiche. Egal, ob er über seine Frau sprach oder Wladimir Putin kritisierte. Keine Höhen, keine Tiefen, keine Pausen, keine Dramatik. Romney kommt rüber wie der Polit-Techniker vom Dienst. Für was steht der Mann bloß? Sicher, er präsentiert einen "5-Punkte-Plan", um die Wirtschaft anzukurbeln und zwölf Millionen Jobs zu schaffen. Klingt allerdings reichlich wolkig.

  • Drittens: Romney trifft den Ton im Kampf um Obama-Wähler von 2008. Denn er gesteht zu, dass Obamas "Hope" und "Change" als Botschaften ihren Reiz hatten. Aber: Wer könne schon sagen, dass es ihm heute besser gehe als vor vier Jahren? So wirbt Romney um die Enttäuschten, ohne zu polarisieren. Romney stellt Obama als den Mann der großen, aber leeren Versprechen hin - sich selbst dagegen als einen, der sich um das Naheliegende kümmert: "Obama versprach, das Ansteigen der Ozeane zu verlangsamen und den Planeten zu heilen. Mein Versprechen ist es, euch und euren Familien zu helfen." Das kommt an in der Halle.
  • Viertens: Romney hat die Macht der Frauen erkannt. Weibliche Wähler stellen die Mehrheit unter Amerikas Wählern, ihre Wahlbeteiligung ist höher als die der Männer. Ausgerechnet mit dieser Gruppe hat Romney ein Problem, liegt in Umfragen deutlich hinter Obama. Deshalb muss er das Fünfziger-Jahre-Image loswerden, räumte den Frauen großen Raum ein in seiner Rede. Er zitierte seine Mutter, die sich einst um einen Sitz im US-Senat beworben hatte: "Warum sollten Frauen mit Blick auf die großen Entscheidungen in unserer Nation weniger zu sagen haben als Männer?" Dann zählt Romney erfolgreiche Republikanerinnen auf, darunter die hier am Vortag umjubelte Ex-Außenministerin Condoleezza Rice. Heißt: Romney setzt jetzt nicht mehr nur allein aufs notorische Lob für die Mütter Amerikas.

  • Fünftens: Romney bleibt fixiert auf Wirtschaftspolitik. Der Kandidat hat die Chance verpasst, sich breiter aufzustellen. Außenpolitik? Fehlanzeige, Romney erwähnte sie kaum. Es mag sein, dass die trübe Wirtschaftslage Thema Nummer eins bei den US-Bürgern ist und Romney hier seine Stärken sieht - was Umfragen durchaus belegen. Wenn aber einer Präsident der Supermacht Amerika werden will, sollte er der Nation schon eine Vorstellung davon vermitteln, wie das Land unter einer Romney-Präsidentschaft seine Rolle in der Welt wahrnehmen würde.

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insgesamt 92 Beiträge
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1. Blass ist der Spiegel Kommentar
NilsCA 31.08.2012
Zitat von sysopAFPKeine Leidenschaft, keine Story - aber auch keine gravierenden Fehler: Auf dem Republikaner-Parteitag hält Mitt Romney eine blasse Rede, es fehlen die zündenden Gedanken. Der Mann bleibt vielen Wählern ein Rätsel. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853075,00.html
Ich habe eine andere Rede gesehen - ist nicht meine politische Linie, aber die Abgrenzung zu Obama und dabei positiv zu bleiben hat er klar geleistet. Fuer Moderates und Rechte in den USA had das locker gereicht. Politik ist eben auch about "Yes, we can" :)
2. Romney hat
Jay's 31.08.2012
in seiner Rede und der Wahl des VP klare Fronten gesetzt: 1. Er will 12,000,000 Jobs schaffen, aber was fuer Jobs sind das, minimum wage ohne Gewerkschaft? Und wie will er die schaffen? Die Antworten waren ganz vage. 2. Er betont die Religionsfreiheit. Ist diese denn bedroht in den USA? Das sagt mir, dass er Religion mit Politik mingelt, sehr gefaehrlich wie in einigen Islamischen Laendern. 3. Er will schwer aufruesten und erwaegt einen Krieg gegen Iran. 4. Er stellt sich zwar als guten Familienvater dar und ich zweifele nicht daran, dass er das ist. Das reicht aber nicht, Praesident zu werden. 5. Er ist Unternehmer aber ein Unternehmen zu fuehren ist nicht das Gleiche wie einen Staat zu fuehren. 6. Romney macht die besonnene Umweltpolitik von Obama schlecht und setzt voll auf Oel und Gasfoerderung. Das sagt was ueber seine Meinung zum Klima- und Umweltschutz. FAZIT: Romney strebt eine aehnliche Politik wie Sohn Bush an. Wer das moechte, der sollte ihn dann natuerlich auch waehlen.
3. Für welche Lobby steht Romney?
ren1622 31.08.2012
Wer Romney wählt, wählt einen neue gespaltene Welt. Keine Gesungheitsreform in USA, keine neuen zukunftsweisenden Jobs, nur ein neuer KALTER KRIEG! Harte Worte gegen Russland können Europa spalten und die Vision vom geeinten Europa für immer zerstören. In seiner Lobby sitzen ganz sicher alte geldgierige Männer die sich einen Dreck um den Rest der Welt kümmern. Demokratisch gewählte Diktatur für mindestens 4 Jahre.
4. ...
deus-Lo-vult 31.08.2012
Zitat von sysopAFPKeine Leidenschaft, keine Story - aber auch keine gravierenden Fehler: Auf dem Republikaner-Parteitag hält Mitt Romney eine blasse Rede, es fehlen die zündenden Gedanken. Der Mann bleibt vielen Wählern ein Rätsel. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853075,00.html
Komisch, im Frühstücksfernsehen lautete die Meldung genau konträr... Fakt ist doch, dass auch Romney niemals 12 Millionen neue Arbeitsplätze schafft.
5. Die Proklamation der Plutocracy als Regierungsform
rabula_raser 31.08.2012
Zitat von sysopAFPKeine Leidenschaft, keine Story - aber auch keine gravierenden Fehler: Auf dem Republikaner-Parteitag hält Mitt Romney eine blasse Rede, es fehlen die zündenden Gedanken. Der Mann bleibt vielen Wählern ein Rätsel. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853075,00.html
Wer sich die im Jahre 2005 bei der Citigroup Corp. entwickelte neue globale Wirtschafts- und Gesellschaftskonzeption der "Plutonomy" einmal gründlich durchgelesen hat, dem wir wie mir wohl Angst und Bange werden, denn mit der Etablierung der globalen Herrschaft der Plutocrats werden wir eine historisch neue Gewaltherrschaft einer winzigen Minderheit von neuen Potentaten erleben. Das Vorbild dieser neuen Willkürdiktatur sehen wir heute schon in der sogen. Volksrepublik China, die mit totalitären Herrschaft der Herrscher über das Volksvermögen von 1.300.000.000 Menschen ein ganz tolles Ergebnis erzielt, auch wenn die dafür hinter dem schwarzen Medienmanipulationsvorhang still und leise verreckenden 2.000.000 bis 2.500.000 neuen Arbeitssklaven von niemandem von uns zur Kenntnis genommen werden. Die Neuen Nazis steigen ja nicht nur in den USA auf ihre Neuen Herrenmenschenthrone, sondern auch in Deutschland, wo die Neue Soziale Marktwirtschaft ganz genau das System darstellt, in dem der neue Besitzstandstotalitarismus und das Neuen Herrenmenschenwillkürjustizsystem schon Realität ist. Nur haben wir Dumpfbacken und Tagträumer das noch nicht richtig realisiert.
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