Eine Rede vor Millionen-Publikum. Der wichtigste Auftritt seiner politischen Karriere. Die Chance auf ein neues Image. Mitt Romney hatte es selbst in der Hand.
45 Minuten sprach er auf dem Parteitag der Republikaner in Tampa. Seine Anhänger hofften auf nicht weniger als die Neu-Erfindung des Mitt: Weniger steif, weniger kühl, weniger unentschieden, so sollte er bei den Menschen im Land rüberkommen. Stattdessen nahbarer, offener, auch emotionaler wirken.
Dieser Wandel hat nicht stattgefunden.
Mitt Romney hielt eine solide Rede, er gab sich alle Mühe. Aber wenn er tatsächlich für die Politik brennt, dann konnte er genau das nicht vermitteln. Romney redete wie einer, der sich alle Mühe gibt. Echte Stimmung kam dabei nicht auf.
Die fünf zentralen Lehren aus seiner Rede:
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Erstens: Romney kann einfach nicht raus aus seiner Haut. Der Kandidat hatte die Chance, sich der Nation neu vorzustellen - doch er hat nichts Neues von sich preisgeben wollen. Romney hat die Menschen nicht an sich herangelassen. Seine persönliche Story, die Geschichte seiner Familie? Rattert er herunter: Vater lernte Mutter kennen. Sie gingen nach Detroit. Waren Mormonen, na und, die Jugendfreunde interessierte doch mehr der Sportverein. Und so weiter. Immer wieder flüchtet er sich in Worthülsen, Plattitüden. Das wirkt lahm, steif, kühl. Wen soll das überzeugen? Was ist die Story dahinter? Was will uns Romney sagen? Der Mann bleibt ein Rätsel.
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Zweitens: Romney fehlt die politische Leidenschaft. Ein Gradmesser dafür ist Romneys Tonfall, der war stets der gleiche. Egal, ob er über seine Frau sprach oder Wladimir Putin kritisierte. Keine Höhen, keine Tiefen, keine Pausen, keine Dramatik. Romney kommt rüber wie der Polit-Techniker vom Dienst. Für was steht der Mann bloß? Sicher, er präsentiert einen "5-Punkte-Plan", um die Wirtschaft anzukurbeln und zwölf Millionen Jobs zu schaffen. Klingt allerdings reichlich wolkig.
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Drittens: Romney trifft den Ton im Kampf um Obama-Wähler von 2008. Denn er gesteht zu, dass Obamas "Hope" und "Change" als Botschaften ihren Reiz hatten. Aber: Wer könne schon sagen, dass es ihm heute besser gehe als vor vier Jahren? So wirbt Romney um die Enttäuschten, ohne zu polarisieren. Romney stellt Obama als den Mann der großen, aber leeren Versprechen hin - sich selbst dagegen als einen, der sich um das Naheliegende kümmert: "Obama versprach, das Ansteigen der Ozeane zu verlangsamen und den Planeten zu heilen. Mein Versprechen ist es, euch und euren Familien zu helfen." Das kommt an in der Halle.
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Viertens: Romney hat die Macht der Frauen erkannt. Weibliche Wähler stellen die Mehrheit unter Amerikas Wählern, ihre Wahlbeteiligung ist höher als die der Männer. Ausgerechnet mit dieser Gruppe hat Romney ein Problem, liegt in Umfragen deutlich hinter Obama. Deshalb muss er das Fünfziger-Jahre-Image loswerden, räumte den Frauen großen Raum ein in seiner Rede. Er zitierte seine Mutter, die sich einst um einen Sitz im US-Senat beworben hatte: "Warum sollten Frauen mit Blick auf die großen Entscheidungen in unserer Nation weniger zu sagen haben als Männer?" Dann zählt Romney erfolgreiche Republikanerinnen auf, darunter die hier am Vortag umjubelte Ex-Außenministerin Condoleezza Rice. Heißt: Romney setzt jetzt nicht mehr nur allein aufs notorische Lob für die Mütter Amerikas.
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Fünftens: Romney bleibt fixiert auf Wirtschaftspolitik. Der Kandidat hat die Chance verpasst, sich breiter aufzustellen. Außenpolitik? Fehlanzeige, Romney erwähnte sie kaum. Es mag sein, dass die trübe Wirtschaftslage Thema Nummer eins bei den US-Bürgern ist und Romney hier seine Stärken sieht - was Umfragen durchaus belegen. Wenn aber einer Präsident der Supermacht Amerika werden will, sollte er der Nation schon eine Vorstellung davon vermitteln, wie das Land unter einer Romney-Präsidentschaft seine Rolle in der Welt wahrnehmen würde.
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