Vorsitzender des Repräsentantenhauses Republikaner Paul Ryan will nicht erneut kandidieren

Der mächtigste Republikaner im US-Kongress hört auf. Nur wenige Monate vor den Zwischenwahlen ließ der Abgeordnete Paul Ryan aus dem Bundesstaat Wisconsin durchsickern, er trete nicht wieder an.

Paul Ryan
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Paul Ryan


Als Vorsitzender des Repräsentantenhauses gilt Paul Ryan als mächtigster Abgeordneter im US-Parlament. Der frühere Vizepräsidentschaftskandidat Mitt Romneys arbeitet nun aber überraschend an seinem Rückzug aus dem US-Kongress. Ryans bestätigte entsprechende Aussagen seines Vertrauten Brendan Buck.

Mit dieser Entscheidung müssen die Republikaner vor den US-Zwischenwahlen am 6. November 2018 einen prominenten personellen Rückschlag verkraften. Dutzende weitere republikanische Abgeordnete hatten zuvor bereits angekündigt, in den Ruhestand zu gehen, ein anderes Amt anzustreben oder aufzuhören.

Die Partei steht angesichts der Unpopularität von US-Präsident Donald Trump bereits stark unter Druck - und droht so, im Herbst die Macht an die oppositionellen Demokraten zu verlieren.

Trump lobt Kontrahenten Ryan

Über die Gründe für den Rückzug des 48-Jährigen ist bislang nur wenig bekannt. "Wenn ich weitermachen würde, würden mich meine Kinder nur als Wochenend-Vater kennen", sagte Ryan. Er hat drei Kinder.

Ryan war 1998 das erste Mal ins Repräsentantenhaus eingezogen und gilt als Verfechter des Freihandels. Zuletzt hatte er sich öffentlich gegen die von US-Präsident Donald Trump angekündigten und teils bereits verhängten Strafzölle positioniert. Er warnte vor einem Handelskrieg mit unabsehbaren Folgen und fürchte um das Wirtschaftswachstum der USA.

Auch Trumps Umgang mit rechtsextremer Gewalt in der Stadt Charlottesville hatte Ryan scharf kritisiert - und verlangte eine eindeutige Verurteilung des abstoßenden Rassismus. Eine 32-jährige Frau war in der Stadt getötet worden, als ein mutmaßlicher Neonazi sein Auto in eine Gruppe Demonstranten steuerte.

Nach Ryans Ankündigung hob Trump die Leistungen seines parteiinternen Kontrahenten hervor. Dieser hinterlasse ein "Erbe der Errungenschaften", twitterte der US-Präsident. Ryan sei ein "wirklich guter Mann".

Ryan ist seit 2015 Vorsitzender des Repräsentantenhauses (Speaker of the United States House of Representatives) - und steht damit in der Nachfolge des Präsidenten direkt hinter dem Vizepräsidenten. Er kann Debatten ansetzen und Gesetze zur Abstimmung freigeben. Ryan gilt als einer der Köpfe hinter der größten US-Steuerreformen seit Jahrzehnten. Besonders US-Multis und Wohlhabende profitieren davon.

Nachdem Ryan seinem Büro am Morgen von seinem Ausscheiden berichtet hatte, hätten die Mitarbeiter dem Abgeordneten aus Janesville im US-Bundesstaat Wisconsin applaudiert, berichtete die "Washington Post".

apr/AP/Reuters/AFP



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