US-Republikaner Rick Santorum: Mit Gott gegen Romney und Obama

Von , Washington

Erzkatholik Rick Santorum gibt das Comeback Kid im republikanischen Rennen um die Präsidentschaftskandidatur, gewinnt drei Staaten an einem Abend. Jetzt hofft der Gottesfürchtige auf die Unterstützung der Tea Party. Hat er eine Chance gegen Favorit Mitt Romney?

Republikaner-Vorwahlen: Triumph für Rechtsaußen Santorum Fotos
REUTERS

Es muss ein Zeichen Gottes gewesen sein. Was sonst? Rick Santorum hat schließlich die Vorwahlen von Missouri, Minnesota und Colorado gewonnen. Am selben Tag, drei auf einen Streich. "Ich danke Gott", sagt also Santorum, "für die Gnade, die harten Tage überstanden zu haben." Schon im Januar hatte das höhere Wesen dem Kandidaten Santorum im Zusammenspiel mit den Republikanern des Mais-und-Kartoffel-Staats Iowa einen Überraschungssieg beschert; dann aber ein paar Wochen lang nichts mehr von sich hören lassen. Die harten Tage.

Und jetzt das Comeback des Sozialkonservativen. Das sei nicht einfach ein Sieg für ihn selbst gewesen, sagt Santorum: "Das war ein Sieg für die Konservativen und die Leute von der Tea Party, die da draußen jeden Tag im Weinberg für die konservative Bewegung im Land arbeiten."

Gottesfurcht, Bibel-Anspielungen, Schmeicheleien für Rechtsaußen: Ist Rick Santorum damit nun der Einheitskandidat der Tea Party, der Konservativen und Evangelikalen? Der lange gesuchte Gegenspieler des moderaten Spitzenreiters Mitt Romney? Also der Anti-Romney?

Klar ist: Der siebenfache Vater und "Jesus-Kandidat" (O-Ton Santorum) passt plötzlich in die Zeit, seine Themen erleben eine Renaissance. Die religiöse Rechte macht Stimmung gegen Abtreibung und sogar Verhütung. Ein Beispiel ist ihr Kampf gegen "Planned Parenthood", der in den letzten Tagen für Aufregung sorgte: Diese Organisation bietet vornehmlich Krebsvorsorge für Frauen an, nimmt aber auch Schwangerschaftsabbrüche vor. Auf Druck einiger Republikaner stoppte eine bedeutende US-Krebsstiftung zwischenzeitlich die Zahlungen an "Planned Parenthood", zuckte aber aufgrund massiven öffentlichen Drucks wieder zurück.

Gegen Schwule. Gegen Abtreibung. Gegen Verhütung.

Es ist paradox. Überall wittern die Rechtsaußen Bedrohungen für eine Welt, die es seit den fünfziger Jahren längst nicht mehr gibt. Präsident Barack Obama, der ihnen wahlweise als Sozialist oder Muslim gilt, führe einen "Krieg gegen die Religion" (Santorum); den Evangelikalen gilt Homosexualität gemeinsam mit dem radikalen Islam als größte Bedrohungen des Landes; Kinder sollen vorzugsweise daheim erzogen und von den Eltern unterrichtet werden.

Keine Frage: Rick Santorum hat das Zeug, der Anführer ins Gestern zu sein. Er kämpft gegen die Homo-Ehe genauso entschieden wie gegen Iran, das ihm als eine Art Staat gewordene al-Qaida erscheint. Schwangerschaften infolge von Vergewaltigungen? Für ihn kein Grund zur Abtreibung. Als Senator von Pennsylvania gehörte Santorum zu den führenden Republikanern im Kongress, kämpfte in Washington gegen die Evolutionstheorie und unterstützte die Kriegspolitik der Bush-Ära. "Join the Fight" heißt sein aktueller Wahlslogan: "Zieh' mit mir in den Kampf."

Mitfühlender Konservativismus? Das war gestern. Rick, knallhart. Während einer Diskussion an einer Universität in New Hampshire brachte er eine für die Homo-Ehe argumentierende Studentin zum Weinen, als er ihr unterstellte, sie habe dann ja offenbar auch nichts gegen eine Hochzeit von drei oder ein paar mehr Männern.

Passt alles für "Rechtsaußen sucht den Superstar". "Ich stehe nicht als konservative Alternative zu Mitt Romney hier", deklamierte Santorum bereits in der Nacht seines Sieges: "Ich stehe hier als konservative Alternative zu Barack Obama."

Tatsächlich aber ist Santorum keineswegs dieser konservative Einheitskandidat, der er gern sein würde. Denn die Tea Party selbst ist gespalten, zersplittert in viele Fraktionen. Sie eint allein der Hass auf Barack Obama und die Suche nach dem Anti-Romney. Gerade haben Tea-Party-Ikone Sarah Palin und Ex-Präsidentschaftsbewerber Herman Cain ihre Unterstützung für Santorums Kontrahenten Newt Gingrich kundgetan. Aber hat es was genutzt? Gingrich hat in Florida und Nevada bitter verloren; und Santorums aktueller Dreier-Sieg ist nicht nur eine Kampfansage an Romney, sondern auch an Gingrich, mit dem er ums "Conservative Vote" rangelt.

Zweikampf wird zum Dreikampf

Genauso wenig hat es Santorum geholfen, als ihn nahezu hundert evangelikale Christen-Anführer vor der Abstimmung in South Carolina Primary Mitte Januar zu ihrem Wunschkandidaten erkoren. Bei der Vorwahl selbst hatte er dann keine Chance gegen Gingrich. Der forderte Santorum seitdem gleich mehrfach und öffentlich zum Verzicht auf die Kandidatur auf, um das gemeinsame Anliegen zu stärken: Romney schlagen und mit einem "wahrhaftig Konservativen" gegen Obama in den Kampf ziehen. Santorum seinerseits setzt auf die Implosion der Gingrich-Kampagne, um dessen Anhänger zu ernten.

Keine Einigkeit, nirgends. Und wie um die Verwirrung komplett zu machen, stimmte die Hälfte der Tea-Party-Anhänger am vergangenen Wochenende in Nevada nicht für Santorum, nicht für Gingrich - sondern für Mitt Romney.

So wird aus dem Zweikampf Romney-Gingrich nach Santorums Triple in Missouri, Minnesota und Colorado ein Dreikampf. Rein statistisch hat der Ex-Senator sogar mehr Staaten gewonnen als die anderen: Während er auf vier kommt, hat Romney drei (New Hampshire, Florida, Nevada) und Gingrich kann nur einen verbuchen (South Carolina). Zwar mögen Santorums letzte drei Siege nur symbolisch sein - weil sie entweder politische Schönheitswettbewerbe waren oder die tatsächlichen Parteitagsdelegierten erst später in den Gremien bestimmt werden - doch sind sie psychologisch trotzdem von großer Bedeutung.

Was noch fehlt, ist Geld

"An diesem Punkt des Rennens geht es um Erwartungen und Schwung - beides hat sich nach Missouri etwas verändert", kommentiert die "Washington Post". Santorum habe drei Dinge bewiesen: "Erstens: Romney kann verlieren. Zweitens: Er kann Romney im Zweikampf schlagen. Drittens: Das Rennen ist noch nicht aus." Die "Huffington Post" titelt in Anspielung auf Romneys Vornamen: "Mittastrophe." Der konservative "Drudge Report" freut sich für Santorum: "Rick rolls."

Romneys größtes Problem könnte die sich wandelnde Themen-Agenda werden: In den letzten Monaten hat sich die Wirtschaftslage leicht verbessert, der selbsterklärte "Businessman" Romney aber will sich den Wählern als "Turnaround Guy" empfehlen, als der Kerl, der die Wirtschaft wieder auf Trab bringt. Was aber, wenn Obama das schon jetzt hinkriegt? Möglicherweise verschiebt sich die republikanische Agenda immer weiter zu sozialkonservativen Themen und - sollte sich die Krise mit Iran zuspitzen - zur Außenpolitik. Beides Polit-Felder, auf denen Santorum schon jetzt klar Position bezogen hat.

Um lange durchzuhalten, braucht er allerdings noch ein bisschen mehr: Geld. Das hat Rivale Romney schon jetzt im Überfluss. Santorums Leute aber müssen seit dem Triple-Sieg wieder mal Klinken putzen bei potentiellen Großspendern.

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1. Wie kann er eine Chance haben?
gandhiforever 08.02.2012
Zitat von sysopAPErzkatholik Rick Santorum gibt das Comeback Kid im republikanischen Rennen um die Präsidentschaftskandidatur, gewinnt drei Staaten an einem Abend. Jetzt hofft der Gottesfürchtige auf die Unterstützung der Tea Party. Hat er eine Chance gegen Favorit Mitt Romney? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814181,00.html
Schliesslich hat Romney auch die Unterstuetzung seines Gottes, und dazu hat er noch mehr Geld zur Verfuegung, selbst wenn Santorum jetzt bei den Spendengeldern auch etwas erhalten hat. Und da Romneys Wahlmaschine weit besser geoelt ist, wird sich an dieser Konstellation nicht viel aendern. Nun, wo Santorum auch einmal sich als sieger sehen darf, wird damit das Ende von Wer-will-noch mal,wer-hat-noch nicht einglaeutet. Denn auch wenn sich viele Republikaner mit dem Mormonen schwer tun, es tun sich auch viele schwer mit Santorum, mit Gingrich, mir Paul.
2.
stevendedalus65 08.02.2012
Zitat von sysopAPErzkatholik Rick Santorum gibt das Comeback Kid im republikanischen Rennen um die Präsidentschaftskandidatur, gewinnt drei Staaten an einem Abend. Jetzt hofft der Gottesfürchtige auf die Unterstützung der Tea Party. Hat er eine Chance gegen Favorit Mitt Romney? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814181,00.html
Insgesamt denke und hoffe ich nicht, daß Santorum eine echte Chance hat. Allerdings hatte man das bei George W "Dumbya" Bush auch nicht geglaubt. Im Gegensatz zu diesem dürfte Santorum, sollte er wirklich wider Erwarten zum Kandidat der GOP gekürt werden, keine Chance gegen Obama haben. Santorum heißt zurück in die Steinzeit, noch vor Bush II, es heißt: unberechenbare Cowboy-Politik, christlich-fundamentalistische Familien- und Bildungspolitik, Kreationismus, Kampf gegen Homosexualität, "family values", "pro life", Kampf gegen Evolutionstheorie, marktradikale Wirtschaftspolitik und jede Menge widerwärtige christliche Sauce.
3. Der wirds nicht, SPON!
Stelzi 08.02.2012
Ihr könnt euch also das halbe Dutzend Artikel sparen. Das Strohfeuerchen geht bald wieder aus. Romney wird derjenige welcher sein, der gegen Obama den Kürzeren ziehen darf.
4.
detrius 08.02.2012
"Mann auf Hund" (Santorum) vs. "Hund auf Auto" (Romney) vs. "Dog Whistle" (Gingrich). Der eine ist zu 100% auf Homosexuelle fixierter ultrareligiöser Fanatiker und hat keine Antworten auf wirklich wichtige Fragen, der andere ist ein seelenloser Roboter, der sein Vermögen gescheffelt hat, indem er Tausende ruinierte... und der dritte ist ein skrupelloser Opportunist, der sich bei Rassisten anbiedert. Die GOP ist wirklich auf den Hund gekommen.
5. Frage
naabaya 08.02.2012
Zitat von StelziIhr könnt euch also das halbe Dutzend Artikel sparen. Das Strohfeuerchen geht bald wieder aus. Romney wird derjenige welcher sein, der gegen Obama den Kürzeren ziehen darf.
In dem Artikel hat mich ein Wort irritiert. S. sei ein Sozialkonservativer. Was bedeutet das in den USA?
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Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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Vorwahl in Florida: Romney nimmt Revanche

US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.