US-Republikaner Verhextes Bekenntnis

Mit erzkonservativen Ansichten hat die US-Republikanerin Christine O'Donnell die Vorwahlen in Delaware gewonnen. Jetzt ist ein altes Video aufgetaucht, in dem sich die Aktivistin der Tea-Party-Bewegung als Anhängerin der Hexerei outet.

Republikanerin Christine O'Donnell: Erzkatholisch, konservativ, aufgekratzt
AP

Republikanerin Christine O'Donnell: Erzkatholisch, konservativ, aufgekratzt


Pornografie hält sie für Teufelszeug. Die Bekämpfung von Aids sei eine Verschwendung von Steuergeldern. Mit solchen Äußerungen will die Republikanerin Christine O'Donnell den US-Senat erobern. Einen ersten Erfolg kann sie bereits vorweisen: Die Kandidatin der ultrakonservativen Tea-Party-Bewegung setzte sich vergangene Woche bei den Vorwahlen der Republikaner in Delaware überraschend durch. Doch nun ist ein Video aus dem Jahr 1999 aufgetaucht, das ihren Freunden von der religiösen Rechten nicht gefallen dürfte. O'Donnell erzählt darin, "mit Hexerei experimentiert" zu haben.

Der Satiriker Bill Maher hatte den Film für seine Fernsehshow "Real Time" ausgegraben. Der Ausschnitt zeigt eine wesentlich jüngere O'Donnell, die mit ihren langen Locken, den Haarspangen und dem türkisfarbenen Sweatshirt wie ein Schulmädchen aussieht. "Eines meiner ersten Dates hatte ich mit einer Hexe bei einem Satan-Altar", erzählt sie in der Talkshow "Politically Incorrect", die Maher früher moderiert hat, und lacht. "Es gab auch ein wenig Blut dort und solches Zeug."

Peinlich, peinlich: Nach Bekanntwerden des Videos sagte O'Donnell zwei Fernsehauftritte ab. Bei einem Picknick der Republikaner distanzierte sie sich von dem Film. Es sei nicht fair, Kandidaten für die fragwürdigen Typen, mit denen sie in der Schule herumgehangen hätten, verantwortlich zu machen, sagte sie. Erbost äußerte sich daraufhin die Geistliche Selena Fox von der Organisation "Circle Sanctuary", die Heidentum und Naturspiritualität unterstützt, in der "Huffington Post". Jeder Politiker, der Hexerei mit Satanismus gleichsetze, sei schlecht informiert und verdiene keine Unterstützung.

TV-Mann Maher drohte indes, er habe weitere Filme auf Lager, falls die Politikerin nicht wieder in seine Sendung komme. "Ich habe dich erschaffen, Christine", so Maher. "Du musst kommen, sonst zeige ich jede Woche einen Clip. Ich bin der Einzige, der sie hat."

Allerdings hatte die ultrakonservative Katholikin auch bei MTV einen äußerst fragwürdigen Auftritt hingelegt, im Jahr 1996. "Die Bibel sagt, Lust zu empfinden sei Ehebruch. Man kann nicht masturbieren, ohne Lust zu empfinden", erklärte sie damals. Und dass Sex außerhalb der Ehe grundsätzlich falsch sei: "Ein Verstoß gegen das sechste Gebot."

Um doch noch die Kongresswahlen zu gewinnen, wird O'Donnell allerdings fast magische Kräfte brauchen: Umfragen sehen sie derzeit 16 Prozent hinter ihrem demokratischen Gegner Chris Coons. Und nicht nur Maher, auch andere US-Komiker wollen nun mit einem nicht ganz ernst gemeinten "Marsch der Millionen Moderaten" gegen die neuerdings so erfolgreiche Tea Party vorgehen.

afis

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 141 Beiträge
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Seite 1
mullemaus5 21.09.2010
1. hm?
Zitat von sysopMasturbation ist Sünde, Abtreibung gehört verboten: Mit erzkonservativen Ansichten hat*US-Republikanerin Christine O'Donnell die Vorwahlen in Delaware gewonnen. Jetzt ist ein altes Video aufgetaucht, in dem sich die Aktivistin der Tea-Party-Bewegung als Anhängerin der Hexerei outet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,718734,00.html
wir haben auch bekloppte, die sich immer wieder zur wahl stellen.
johndoe2 21.09.2010
2. Katholisch =! Evangelikal
Die Dame ist keine Katholikin, sondern seit ihrer Collegezeit eine "wiedergeborene, evangelikale" Christin. Nicht dass ihre Positionen jetzt weit von denen katholischer Hardliner abweichen, aber richtig ist die Aussage im Artikel nicht.
Roßtäuscher 21.09.2010
3. Sind die USA das Sodom und Gomorrha
Zitat von sysopMasturbation ist Sünde, Abtreibung gehört verboten: Mit erzkonservativen Ansichten hat*US-Republikanerin Christine O'Donnell die Vorwahlen in Delaware gewonnen. Jetzt ist ein altes Video aufgetaucht, in dem sich die Aktivistin der Tea-Party-Bewegung als Anhängerin der Hexerei outet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,718734,00.html
der Neuzeit? Damals vor dem Untergang ist es vielleicht ähnlich zugegangen. Mit Sekten, die irgendwann ihre bekloppten Anhänger in den Freitod treiben, haben die Amis genug Erfahrung. Sitzt die O'Donnell irgendwann anstelle der Clinton im Weißen Haus?
hsg_86 21.09.2010
4. Qualitaet der Artikel
[QUOTE]Und nicht nur Maher, auch andere US-Komiker wollen nun mit einem nicht ganz ernst gemeinten "Marsch der Millionen Moderatoren" gegen die neuerdings so erfolgreiche Tea Party vorgehen.[QUOTE] "Million Moderate March" mit "Marsch der Millionen Moderatoren" zu uebersetzen ist der Hammer. Das sagt mir sehr viel darueber aus, wie gut der Autor sich mit dem Thema auseinander gesetzt hat und sich in der politischen Landschaft der USA auskennt. Ich wunder mich nur zu oft ueber die Qualitaet und Oberflaechlichkeit die Amerika Artikel hier auf Spiegel Online. Gibt es keine gut informierten Autoren die fuer euch aus den USA berichten koennen? Alle 2 Wochen gibts einen Artikel der sich ein Thema oberflaechlich rauspickt, meistens liberale Themen die gegen die Republikaner gehen (nicht dass das auch meine politische Position waere). Wenn man die USA aber politisch verstehen will und darueber berichten muss, dann auch die andere Seite des politischen Spektrums und dann kontinuierlich mit detaillierten Hintergrundinformationen.
dent42 21.09.2010
5. Re
Ich habe die Sendung gesehen, Maher hat übrigens seine persönliche Sympathie für die Frau bekundet, er habe sie schliesslich 22 mal in seine alte Sendung eingeladen und betont sie sei im Gegensatz zu Sarah Palin eine nette Person und nicht im geringsten bösartig. http://www.youtube.com/watch?v=nECxQUi_pr0
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