Von Christoph Titz
Eine Schmutzkampagne, die nicht über Vorzüge eines Kandidaten informiert, sondern über dessen Gegner im politischen Rennen Unrat ausgießt oder beim Wähler Ängste schürt, gehört zum Handwerkszeug jedes US-Wahlkampfs. Mit einer rassistischen Kampagne gegen den moderaten, republikanischen Kandidaten Jon Huntsman allerdings hat der Primaries-Wahlkampf der Republikaner wenige Tage vor der wichtigen Abstimmung im US-Bundesstaat New Hampshire seinen ersten handfesten Skandal.
"Wer ist dieser Jon Huntsman?", raunt eine Stimme in dem gut eine Minute langen Wahlkampf-Spot unheilvoll, unterlegt mit chinesisch anmutenden Klängen. "Was versteckt der 'Mandchurian Candidate'? Amerikanische oder chinesische Werte?" Es folgen Bilder, auf denen Huntsman sich mit einem chinesischen Kleinkind unterhält, das er auf dem Arm hat - denn Huntsman war Botschafter der USA in China und spricht die Landessprache fließend. Hier das Video:
Jon Huntsman, der von 2005 bis 2009 Gouverneur von Utah war, kommt im Präsidentschaftswahlkampf der Republikaner bislang nicht recht vom Fleck. Dabei ist der Politiker kein polternder Populist, sondern ein weltgewandter Mann, der sich vor allem in Sachen Außenpolitik gut auskennt: Er beriet die US-Präsidenten Ronald Reagan sowie Bush junior und senior. Zuletzt diente er als Obamas Botschafter in Peking, woraus ihm die rassistische Kampagne nun einen Strick zu drehen versucht.
Huntsman - zu weich, wenn es um China geht?
Huntsmans Dienstzeit in Peking und seine Mandarin-Kenntnisse sind es, die mutmaßlichen Anhängern des aus Texas stammenden republikanischen Hardliners Ron Paul verdächtig vorkommen. NHLiberty4Paul nennt sich die Gruppe, die das Video bei YouTube hochgeladen hat, am Ende des Videos folgt die Aufforderung "Vote Ron Paul".
Der Kandidat Paul, der in den Neunzigern selbst mit rassistischen Einlassungen aufgefallen war, sagte in einem CNN-Interview am Freitag, er kenne das Video nicht. In Wahlkämpfen sei so etwas allerdings üblich, Anhänger aller Kampagnen täten solche Dinge. Eine Sprecherin der Paul-Kampagne sagte, niemand, der Paul wirklich unterstütze, würde einen solchen Film erstellen.
Der attackierte Kandidat Huntsman sagte bei einem Wahlkampfauftritt in Concord im US-Bundesstaat New Hampshire, das Filmchen sei "dumm" und "politischer Kampagnen-Schwachsinn". Verärgert habe ihn besonders, dass in dem Video seine zwei aus China und Indien adoptierten Töchter gezeigt würden und so versucht werde, "etwas Finsteres" zu suggerieren. Eine Sequenz des Videos zeigt Huntsman, dort "China-Jon" genannt, zusammen mit seinen asiatischen Adoptivtöchtern Gracie und Asha und stellt dazu die Behauptung auf, Huntsman sei zu nachgiebig und weich in China-Fragen. Huntsman hat insgesamt sieben Kinder.
Showdown in New Hampshire - um Rang zwei
Die Republikaner ringen derzeit erbittert darum, wer den Demokraten Barack Obama im Herbst 2012 bei der US-Präsidentschaftswahl herausfordern darf. Nach der ersten Vorwahl in Iowa, die Mitt Romney knapp gewann, und kurz vor der nächsten Abstimmung in New Hampshire geht es schon jetzt ums Ganze - der Wettstreit der republikanischen Bewerber um die Kandidatur nimmt deshalb an Schärfe zu.
Ron Paul, dessen Anhänger hinter dem Video stecken sollen, wurde in Iowa nur Dritter, Umfragen für die Vorwahl am Dienstag in New Hampshire sehen ihn bislang auf Rang zwei, allerdings weit abgeschlagen hinter Romney. Huntsman liegt in den Umfragen meist hinter Paul, könnte den republikanischen Hardliner aber noch überholen. Ob das rassistische Filmchen Paul eher helfen oder schaden wird, zeigt wohl erst der Vorwahltag.
Dass republikanische Anhänger vor rassistischen Anleihen nicht zurückschrecken, hatte bereits der Wahlkampf im Jahr 2000 gezeigt. Als der Republikaner John McCain damals mit seinen Parteifreunden um die Kandidatur rang, versuchten Unbekannte mit automatisierten Telefonanrufen, Stimmung gegen McCain zu machen. Die Behauptung, der Politiker habe ein uneheliches schwarzes Baby, war allerdings frei erfunden. Gemünzt waren sie wohl auf McCains adoptierte Tochter aus Bangladesch.
mit Material von REUTERS
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