US-Sanktionen gegen Russland Washingtons Geschenk für Putin

Die US-Regierung ist überzeugt, dass Moskau sich in den US-Wahlkampf eingemischt hat - und verhängt neue Sanktionen. Für Wladimir Putin könnte der Zeitpunkt nicht besser sein.

Wladimir Putin
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Ein Kommentar von , Moskau


Wladimir Putin lachte auf, als NBC-Moderatorin Megyn Kelly ihn kürzlich nach der Einmischung in die US-Präsidentschaftswahlen fragte: "Wie könnte irgendjemand wirklich glauben, dass Russland Tausende von Kilometern entfernt das Wahlergebnis beeinflusst hat? Klingt das nicht auch für Sie lächerlich?" Der russische Präsident stritt einmal mehr alles ab.

Die US-Regierung hat nun Strafmaßnahmen gegen 19 Russen und fünf Organisationen in Russland verhängt, "für destabilisierende Aktivitäten" und "böswillige russische Cyberaktivitäten". Minutiös hatte US-Sonderermittler Robert Mueller im Februar auf 37 Seiten aufgeführt, wie 13 Russen seit 2014 versuchten, die Abstimmung zu beeinflussen. Im Zentrum steht die berüchtigte "Troll-Fabrik" in Sankt Petersburg des Putin-nahen Oligarchen Jewgenij Prigoschin. Er und einige seiner Unternehmen stehen auf der Sanktionsliste.

So logisch die Strafmaßnahmen nun als Konsequenz des Berichtes erscheinen, so schlecht ist der Zeitpunkt, an dem sie verkündet wurden: ausgerechnet vor der russischen Präsidentschaftswahl am Sonntag. Warum haben die USA nicht bis nach dem 18. März gewartet? Denn jetzt kann der Kreml immer behaupten: Seht her, das hat Washington nur verkündet, um Putin vor der Abstimmung zu schaden.

Eine Verschwörung des Westens?

Die russische Führung kann innenpolitisch aus der US-Ankündigung Kapital schlagen. Nicht nur, dass die Briten russische Diplomaten ausweisen und international weitere Strafmaßnahmen im Fall des vergifteten russischen Ex-Spions Sergej Skripal fordern - jetzt stellen sich auch die USA gegen Moskau. Was braucht es mehr an Beweisen, dass sich die Welt gegen Russland verschworen hat? Im Staatsfernsehen hört man dieser Tage viel von "antirussischen Aktionen" und "Provokationen" gegen das Land.

Dagegen kann natürlich nur einer Widerstand leisten: Wladimir Wladimirowitsch Putin -der starke Präsident für ein starkes Russland, wie es auf den Wahlplakaten heißt. Der Präsident, der neue atomare Waffen bauen lässt, um sein Land beschützen zu können. Der Präsident, der von der Welt Respekt verlangt und die Nation aufruft, sich in diesen schweren Zeiten hinter ihm zu versammeln.

Das Außenministerium hat bereits gleichwertige Vergeltungsmaßnahmen gegen die USA angekündigt.

insgesamt 64 Beiträge
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MartinBrodhag 15.03.2018
1. Wird das Wahlergebniss jetzt annuliert?
... es war ja wohl beeinflusst. (... als ob je ein Wahlergebnis das nicht gewesen wäre ...) Wie stark war die Beeinflussung denn, weil das Ergebnis war ja sehr knapp. Und in welche Richtung wurde es denn beeinflusst? Wollten die Russen Donald oder Hillary? Fragen über Fragen ....
zeisig 15.03.2018
2. Es ist ein Skandal.
Es ist ein Skandal, wie gegen Russland gehetzt wird. Ich hoffe, daß wenigstens Deutschland langsam aufwacht, sich seiner Verantwortung bewußt wird und mit Moskau diplomatische Beziehungen auf Augenhöhe pflegt. Allerdings fürchte ich, daß dies alles mit unserem neuen Außenminister Heiko Maas noch schlimmer wird als es eh schon ist.
anja-boettcher1 15.03.2018
3. Habe aktuell mich mit russischen Bekannten ausgetauscht
Die Gerüchteküche hier geht wieder einmal gegen alle Realität und keiner der Autoren scheint die Ausrichtung des russichen Wahlkampf zu kennen. Aus Sicht der Russen hat gerade Putin, der damit geworben hat, wieder wirtschaftliche Öffnung zum Westen hinzubekommen, mit dieser haltlosen Anschuldigung der Briten einen Schlag vor das Kontor bekommen. Und das war wohl auch Sinn der Sache. Denn der ehemalige britische Botschafter in Usbekistan, wo ein ähnliches Gift zu SU-Zeiten produziert wurde, hat diese Anschuldigungswelle als Neauflage von "Sadam's Weapons of Mass Destruction" bezeichnet. Bösen Zungen fällt auch Gleiwitz ein. Wenn mit diesem billigen Schauspiel Druch auf die russischen Wahlen ausgeübt werden soll, dann wollen die entsprechenden Leuten in Russland wohl antiwestliche Hardliner haben. Ich habe langsam den Eindruck, in den Schaltzentralen von Nato-Staaten sitzen Leute, die so geschichtsvergessen sind, dass sie Krieg wollen. Da ist nicht die geringste Verantwortlichkeit für die eigenen Bevölkerungen mehr. Mir kommt wirklich inzwischen das Grausen.
smokiebrandy 15.03.2018
4. ... bei aller Diskussion um die Personalie Putin...
...ich weiß nicht recht, ob den Politikern und Journalisten im Westen klar ist, was nach Putin folgen könnte...? Manchmal habe ich die Vermutung, dass die westlichen Geheimdienste keine Ahnung davon haben, dass es auch radikalere Kräfte gibt, die im Gegensatz zu Putin einen ganz anderen Ton anschlagen wollen... Putin ist im Gegensatz zu vielen anderen Politikern in Russland berechenbar und kontinuierlich...was er will, ist eine Behandlung Russlands auf Augenhöhe mit allen anderen Playern ... eine Berücksichtigung der Interessen des russischen Staates in seinem direkten Umfeld...eine Zusammenarbeit auf wirtschaftlichen Gebiet. Resultiert diese Diskussion um Putin vielleicht aus dem Umstand, dass einige der Vertreter sich dem starken Mann in Russland nicht gewachsen fühlen?
cdm.stern 15.03.2018
5. Überraschung!
wenn man die Ironie übersieht, hat Frau Hebel sogar einmal ein bisschen Wahrheit geschrieben. Danke! Und ganz besonders toll, weil der Westen im Moment gerade wieder einmal versucht, irakische Massenvernichtungsaffen zu finden. Diesmal sucht die Engländerin May diese in Russland. Und alle sind sich wieder sicher, dort sind sie. Wie viele Menschen wird dieser Unsinn diesmal das Leben kosten?
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