US-Schuldspruch Russland will Waffenhändler But zurückholen

Wiktor But wird nach dem US-Schuldspruch wohl für lange Jahre im Gefängnis sitzen, doch die Beweisführung vor dem New Yorker Gericht ist fragwürdig. Das russische Außenministerium protestiert gegen das Urteil - und will den "Händler des Todes" so schnell wie möglich nach Moskau bringen.

Häftling Wiktor But: Waffenlieferungen nannte er "landwirtschaftliches Gerät"
REUTERS

Häftling Wiktor But: Waffenlieferungen nannte er "landwirtschaftliches Gerät"

Von , Moskau


Der Mann, den Hollywood "Händler des Todes" getauft hat, kommt bei Verhandlungen schnell zur Sache. Als der russische Waffenhändler Wiktor But, 44, vor drei Jahren in Thailands Hauptstadt Bangkok seinen Jägern ins Netz ging, wähnte er sich zunächst unter Gleichgesinnten. Auch er wolle "Gringos töten", tat er dort vermeintlichen Kaufinteressenten kund. Waffen an die Feinde Amerikas zu verkaufen sei für ihn "kein Geschäft. Das ist mein Kampf. Ich kämpfe schon 15 Jahre gegen die USA".

Die vermeintlichen Geschäftspartner aber entpuppten sich als Under-Cover-Agenten der US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA, und Wiktor But, einer der berühmtesten und wohl auch gefährlichsten Waffenhändler aller Zeiten, fand sich auf der Anklagebank eines US-Gerichts wieder.

In New York haben die Geschworenen nun ihr Urteil gesprochen. Es lautet schuldig in allen Anklagepunkten. Die Jury sah es als erwiesen an, dass sich But an einer Verschwörung beteiligte, um Raketen zu verkaufen, US-Bürger und US-Militärs zu töten. Zudem habe er eine Terrororganisation unterstützen wollen. Das Strafmaß soll am 8. Februar verkündet werden. Verhängt das Gericht die Höchststrafe, muss But lebenslang in Haft.

Fotostrecke

8  Bilder
Wiktor But: "Lord des Krieges"
"Der Mann, der Krieg möglich macht", so nannten US-Journalisten But, weil er mit seiner Flugzeugflotte Waffen auch in die entlegenen Krisengebiete Afrikas transportieren konnte.

Im Jahr 2000 soll But russischen Medien zufolge mehr als 30 Deals mit Kämpfern in Asien und Afrika abgeschlossen haben. Allein der angolanischen Unita habe er Waffen im Wert von 15 Millionen Dollar geliefert, darunter Boden-Luft-Raketen, lenkbare Panzerabwehrsysteme und Artilleriegeschosse. Brüssel schrieb ihn kurz darauf international zur Fahndung aus, wegen Diamantenschmuggels und Geldwäsche.

Der New Yorker Prozess gegen But gewährte pikante Einblicke in das Business des Waffenschiebers. Über Monate hatten US-Behörden Buts Telefongespräche und E-Mail-Verkehr angezapft. Zudem packte ein ehemaliger Kompagnon des "sanften Schlächters" vor Gericht aus, nachdem er einen Deal mit der Staatsanwaltschaft geschlossen hatte.

So pflegte But von "landwirtschaftlichem Gerät" zu sprechen, wenn er Waffenlieferungen meinte. Geschäftspartnern stellte er Michail Kalaschnikow persönlich vor, den Erfinder des legendären sowjetischen Sturmgewehrs AK-47. Nachdem die als FARC-Rebellen getarnten DEA-Agenten Interesse an tragbaren Boden-Luft-Raketen für den Dschungelkampf bekundeten reichte But offenbar ein Telefonat, um die Verfügbarkeit der heißen Ware zu prüfen: "100 Raketen können sofort abgeholt werden", beschied er.

Die Anwälte suchten die Geschworenen davon zu überzeugen, dass But - angeblich so gut wie Bankrott - nur vorgegaukelt habe, er könne Waffen besorgen. In Wahrheit habe er den vermeintlichen FARC-Leuten nur einige seiner alten sowjetischen Flugzeuge verkaufen wollen, um Kasse zu machen und dann den Waffendeal platzen zu lassen. Das ist eine merkwürdige Verteidigungsstrategie für einen Mann, der seit Jahren behauptete, in Afrika vor allem Gladiolen und Lebensmittel transportiert zu haben.

Der schnelle, harte Schuldspruch von New York ist in Wahrheit eine verpasste Chance: Die US-Justiz hat nie versucht, But jene Waffenschiebereien aus den neunziger Jahren nachzuweisen, die Uno-Ermittler in Angola und andernorts in Afrika erst auf seine Fährte gebracht hatten.

"Der Gringo siegt nur dank seiner Stärke", hat But bei den Verhandlungen mit den angeblichen FARC-Befehlshabern gesagt. "Lasst uns einen Krieg beginnen."

Verurteilt hat das US-Gericht den "Händler des Todes" nun für Planungen zu einem Deal, den sich US-Ermittler selbst ausgedacht haben. Vor diesem Hintergrund wirkt die Beweisführung zumindest fragwürdig.

Mit dem schnellen Schuldspruch von New York hat die US-Justiz auch die Chance verpasst, die Machenschaften von But, Rebellen und Regierungen zu durchleuchten. Auch die Frage, warum die Regierung von US-Präsident Bush noch während des Irak-Kriegs Maschinen charterte, die zum But-Imperium gehörten, bleibt unbeantwortet.

Moskau reagiert mit harscher Kritik auf die Verurteilung des Waffenhändlers, dem beste Verbindungen zu Russlands Geheimdiensten nachgesagt werden. Das Urteil sei offenbar "politisch bestellt worden", schimpft etwa Andrej Klimow, Vize-Chef des Parlamentsausschusses für internationale Angelegenheiten.

Das Moskauer Außenministerium hegt ebenfalls "Zweifel, ob das Urteil gerecht ist", so Sprecher Alexander Lukaschewitsch. Die russische Regierung will sich nun um Buts "Rückführung nach Hause" bemühen.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hyperlord1337 03.11.2011
1. Rechtschreibung
Mal im Ernst, lest ihr die Artikel auch durch, bevor ihr sie veröffentlicht? Ich behalte die Fehler, sucht selbst.
michael2273 03.11.2011
2. Russische Empörung
selbst sperrt man politische Gegner auf unbestimmte Dauer ein: http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/10/15/deutsche-behorden-dienen-putins-rechtsstaat/ aber regt sich über die US-Justiz auf...
Methados 03.11.2011
3. russland
hoffentlich wird es einmal einen ähnlichen waffendealer geben der zb mini nukes an tschetschenise freiheitskämpfer liefert. mal schaun ob die dann solche menschen immer noch gutheissen.
OvErDrIvE, 03.11.2011
4. not their buisnezz!!!
Zitat von michael2273selbst sperrt man politische Gegner auf unbestimmte Dauer ein: http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/10/15/deutsche-behorden-dienen-putins-rechtsstaat/ aber regt sich über die US-Justiz auf...
Und was haben die Amis damit zu tun? Der wurde unrechtmässig aus Thailand extrahiert, und hat RUSSISCHE Staatsangehörigkeit, die Amis soll das ein Dreck angehen. Stattdessen wollen sie den Gott spielen. Lächelich, einfach lächerlich.
moscow_online 03.11.2011
5. ......
Zitat von Methadoshoffentlich wird es einmal einen ähnlichen waffendealer geben der zb mini nukes an tschetschenise freiheitskämpfer liefert. mal schaun ob die dann solche menschen immer noch gutheissen.
Gab es schon. Inzwischen sitzen sie in London. Was sie tun? Weiss ich nicht. Vielleicht basteln an Bomben fuer die IRA oder Schotten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.