Politischer Druck: Regisseur sagt CNN-Doku über Hillary Clinton ab
Der politische Druck ist immens. Ein kritisches Doku-Projekt über die mögliche Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton trifft weder bei Demokraten noch Republikanern auf Gegenliebe. Jetzt hat der Regisseur die Dreharbeiten abgesagt - und wettert: "ein Sieg für die Clintons".
New York - Als Regisseur war kein Geringerer als Oscar-Preisträger Charles Ferguson vorgesehen. Doch der Filmemacher, der für den US-Sender CNN eine Dokumentation über die frühere Außenministerin und mögliche künftige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton drehen sollte, hat sein Engagement vorzeitig beendet. Der Sender bestätigt, dass sich Ferguson aus dem Projekt zurückgezogen habe. Die Doku werde nicht mehr gedreht.
Zur Begründung schreibt Ferguson in einer Kolumne für die "Huffington Post", dass sich von 100 Leuten, die er für die Doku angesprochen habe, nur zwei vor der Kamera äußern wollten. Auch Hillary Clinton habe sich nicht zu einem Interview für die Doku bereit erklärt, so Ferguson. Die Demokraten seien rundheraus dagegen, dass er den Film drehe. "Niemand, und ich meine wirklich niemand, hatte ein Interesse daran, mir bei dem Film zu helfen", erklärt der Regisseur und beschreibt, wie eine ganze Reihe von politischen Akteuren - darunter Clinton-Sprecher Nick Merrill - wegen des Filmprojekts immer stärkeren Druck auf ihn ausgeübt hätten. In der Doku wollte Ferguson die politischen und finanziellen Aktivitäten der Clintons einer kritischen Betrachtung unterziehen.
"Ein Sieg für die Clintons"
Politischer Gegenwind kommt auch von den Republikanern. Wegen des Projekts hatte sich die Partei dafür ausgesprochen, den Sender CNN als Gastgeber für republikanische Debatten im Vorwahlkampf für die Präsidentschaft 2016 zu boykottieren.
Dass die Dreharbeiten geplatzt sind, "ist ein Sieg für die Clintons" wettert Ferguson in der Kolumne - "und für die Geldmaschinen, zu denen beide politischen Parteien geworden sind". "Aber", betont der Regisseur," ich denke nicht, dass dies ein Sieg für die Medien oder das amerikanische Volk ist. Ich glaube immer noch, dass Frau Clinton viele Tugenden hat", fügt Ferguson hinzu. Dies aber sei nicht eine ihrer besten Stunden.
Auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AP reagierte Clinton-Sprecher Nick Merrill auf die Absage des Filmemachers - allerdings äußerst schmallippig: "Licht, Kamera, keine Reaktion" - mehr sagte der Sprecher dazu nicht.
Der Regisseur Charles Ferguson gewann im Jahr 2011 einen Oscar für den Film "Inside Job" über die globale Finanzkrise im Jahr 2008. Die brillant-beklemmende Doku zeigt, wie Wall Street und Regierung kurze Zeit später schon wieder gemeinsame Sache machen.
bos/AP/Reuters
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