Fünf Jahre Geiselhaft in Afghanistan Befreiter US-Soldat wird nach Deutschland geflogen

Bowe Bergdahl ist frei, und Amerika feiert. Fünf Jahre lang saß ein Sergeant der US-Armee in Geiselhaft, nun wurde er in Afghanistan befreit - im Tausch gegen Guantanamo-Insassen. Vor der Heimkehr soll er zum medizinischen Check nach Landstuhl kommen.

AP/IntelCenter

Washington - Ein US-Soldat ist nach fast fünf Jahren Gefangenschaft in Afghanistan wieder frei. Sergeant Bowe Bergdahl sei auf Vermittlung des Emirats Katar freigekommen, erklärte US-Präsident Barack Obama am Samstag. Im Gegenzug haben die USA nach Regierungsangaben fünf Taliban, die im US-Gefangenenlager Guantanamo festgehalten wurden, in die Obhut Katars übergeben. Eine US-Spezialeinheit habe anschließend im Osten Afghanistans Bergdahl in Empfang genommen. Es gehe dem Soldaten gut. Vorausgegangen seien monatelange, indirekte Verhandlungen zwischen den USA und den Taliban unter Einbeziehung Katars als Vermittler.

Bergdahl war der einzige offiziell vermisste US-Soldat aus dem Krieg in Afghanistan. Er war unter nicht näher bekannten Umständen am 30. Juni 2009 von Militanten gefangen genommen worden, die den islamistischen Taliban-Rebellen nahestehen. Die Taliban verbreiteten daraufhin mehrere Propaganda-Videos, in denen Bergdahl die USA aufrief, seine Freilassung zu erreichen.

Obama informierte die Eltern des Soldaten im US-Staat Idaho persönlich per Telefon über den gelungenen Austausch. Die Eltern Bergdahls äußerten in einer Erklärung Freude, Erleichterung und Dankbarkeit. "Wir können es nicht abwarten, unseren einzigen Sohn in die Arme zu schließen", teilten Bob und Jani Bergdahl mit. Am Samstagabend sagte Obama bei einer Feier im Rosengarten des Weißen Hauses, an der auch Bergdahls Eltern teilnahmen: "Während Bowe fort war, haben wir ihn nie vergessen."

Aus dem US-Verteidigungsministerium hieß es, dass Bergdahl nun voraussichtlich für medizinische Untersuchungen zum US-Stützpunkt Bagram in Afghanistan gebracht werde, bevor er in die USA weiterfliegen könne. Eine Zwischenstation soll laut dem Sender CNN Deutschland sein: Im rheinland-pfälzischen Landstuhl soll Bergdahl nach den ersten medizinischen Untersuchungen weiter betreut werden. Sein Gesundheitszustand scheine aber gut zu sein.

Befreiung durch Spezialkräfte

Den Quellen im Verteidigungsministerium zufolge waren mehrere Dutzend Soldaten von US-Spezialeinheiten im Einsatz, um Bergdahl per Helikopter an einem mit den Taliban vereinbarten Treffpunkt in Afghanistan abzuholen. Dem Vernehmen nach soll Bergdahl dabei in den lauten Helikopter geklettert sein und auf einen Zettel "SF?" geschrieben haben. Die Buchstaben stehen im US-Armeejargon für "Special Forces", also Spezialeinheiten. Die Soldaten hätten dann über den Lärm der Rotoren hinweggeschrien: "Ja, wir haben schon lange nach Dir gesucht." Daraufhin sei Bowe zusammengebrochen.

Der heute 28-jährige Bergdahl war 2009 nur zwei Monate nach seiner Ankunft in Afghanistan im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet verschleppt worden. Seitdem soll er sich in Gefangenschaft der islamistischen Taliban befunden haben, vermutlich in Pakistan.

Zu den ausgetauschten Guantanamo-Gefangenen hieß es, sie würden in Katar strikt überwacht. US-Verteidigungsminister Chuck Hagel teilte mit, dass die USA sich eng mit der dortigen Führung über die Sicherheitsmaßnahmen abgestimmt hätten, "um zu gewährleisten, dass die nationale Sicherheit der USA nicht gefährdet wird". Bei den fünf ausgetauschten Häftlingen soll es sich um ehemals hochrangige Taliban-Funktionäre handeln, darunter den stellvertretenden Geheimdienstchef der früheren Taliban-Regierung in Afghanistan und den ehemaligen Innenminister. Zu den Auflagen für die Freilassung der Fünf soll gehören, dass sie Katar für mindestens ein Jahr nicht verlassen dürfen.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, Bergdahl komme nach Landstuhl in Bayern - tatsächlich liegt das Regional Medical Center der US Army natürlich in Rheinland-Pfalz. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

ric/mxw/AP/dpa/Reuters



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insgesamt 104 Beiträge
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Seite 1
Neinsowas 31.05.2014
1. nach "fast 5 Jahren"?
Die Guantanamo-Häftlinge sitzen ca. 12 Jahre und sicher unschuldig (weil sonst hätte man sie nicht ausgetauscht) im Käfig.... Es ist immer wieder interessant, wie im 21. Jahrhundert immer noch Menschen mehr zählen, als andere, nur, weil sie zu bestimmten Regionen gehören, weil sie ein anderes Aussehen haben, eine andere Sprache und Kultur ...und das in Mittel-Europa!
hobbyleser 31.05.2014
2. Homeland in Real Life
Es wäre mal interessant, zu erfahren, ob die Haftbedingungen bei den Taliban oder in Guantanamo menschlicher sind.
losfrailes27 31.05.2014
3. Super
Die Freude der Eltern muss unermeßlich sein.
vitamim-c 31.05.2014
4. Gelungene Friedensaktion, sowohl in Afghanistan als auch in Guantanamo
ich ziehe den Hut vor den USA, ein kleiner Beigeschmack bleibt. Es sind Menschen abgeknallt und gefoldert worden.
hatomune 31.05.2014
5. Aber doch: So was!
Zitat von NeinsowasDie Guantanamo-Häftlinge sitzen ca. 12 Jahre und sicher unschuldig (weil sonst hätte man sie nicht ausgetauscht) im Käfig.... Es ist immer wieder interessant, wie im 21. Jahrhundert immer noch Menschen mehr zählen, als andere, nur, weil sie zu bestimmten Regionen gehören, weil sie ein anderes Aussehen haben, eine andere Sprache und Kultur ...und das in Mittel-Europa!
Guantanamo ist kein Glanzlicht, das der USA-Verfassung gerecht wird. Die Taliban aber haben noch nicht einmal das. Wenn die Kerle fünfe freikriegen wollen, dann sind das keine Unschuldigen! Die Drohnen warten schon.
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