Amoklauf in Afghanistan: US-Soldat Bales entschuldigt sich für Massaker

US-Soldat Robert Bales 2011 in Afghanistan Zur Großansicht
AP/ DVIDS

US-Soldat Robert Bales 2011 in Afghanistan

Im März 2012 hatte er 16 Afghanen mit einem Sturmgewehr ermordet. Im Juni bekannte sich Robert Bales schuldig. Jetzt sagte der US-Soldat vor einem Militärgericht, es tue ihm leid: "Es war ein feiger Akt."

Washington - Seine Opfer waren unbewaffnet und er tötete sie mitten in der Nacht. Im März vergangenen Jahres hatte US-Soldat Robert Bales sein Lager in der Provinz Kandahar verlassen und ging mit einem Sturmgewehr auf afghanische Zivilisten los. 16 Menschen, unter ihnen neun Kinder, starben. Nun hat sich der 40-Jährige bei einer Anhörung zum Strafmaß vor einem Militärgericht entschuldigt.

Bales bezeichnete seine Tat als einen "feigen Akt hinter einer Maske aus Angst". Er sagte, eine Entschuldigung sei nicht gut genug, aber es tue ihm leid. Der Soldat hatte sich im Juni schuldig bekannt, 16 Menschen erschossen und sechs weitere angegriffen zu haben. Elf der Toten stammen aus einer Familie. Nach dem Blutbad verbrannte Bales die Leichen der Opfer. Mit dem Schuldbekenntnis vermied der Amerikaner einen Prozess, in dem ihm die Todesstrafe gedroht hätte.

Die Jury des Militärgerichtes muss nun entscheiden, ob Bales lebenslänglich für seine Tat ins Gefängnis muss oder nach 20 Jahren auf Bewährung frei kommen könnte. Seit Dienstag laufen die Anhörungen zum Strafmaß auf dem Stützpunkt Lewis-McChord im US-Staat Washington. Die Anhörung dürfte mehrere Tage dauern. CBS News zufolge werden aus Afghanistan eingeflogene Zeugen aussagen.

Die Verteidiger des Soldaten argumentierten, Bales hätte damals unter dem Druck des Afghanistaneinsatzes gelitten. Er hätte eine posttraumatische Belastungsstörung gehabt.

Die Staatsanwälte des Militärs entgegneten, Bales hätte allein und unter eiskaltem Vorsatz gehandelt, als er mit dem Gewehr sein Lager verlassen hatte. Zwei Mal soll er aufgebrochen sein, um das Massaker zu verüben. Einem befreundeten Soldaten soll er damals gesagt haben: "Ich habe gerade ein paar Leute erschossen." Bales' Massaker gilt als eines der schlimmsten Kriegsverbrechen im Afghanistan-Konflikt.

kha/AP/Reuters/dpa

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insgesamt 41 Beiträge
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1. Tippe mal auf 20 Jahre Knast...
hskteddy 22.08.2013
...für 16 Morde. 15 Jahre weniger als Manning für Null Morde. Perverses Rechtssystem bei den Vereinigten Idioten von Amerika.
2. Nach 20 Jahren auf Bewährung?
Einfacher Bürger 23.08.2013
Manning wurde zu 35 Jahren verurteilt. Auch wenn in diesem Fall schon nach 7 Jahren eine Anhörung stattfinden kann sehe ich da keine Verhältnismäßigkeit. - Aber die amerikanische Justiz ist mir eh ein Rätsel. Manchmal glaube ich, die würfeln einfach.
3. Fair ist was anderes
elhelw 23.08.2013
Bales hätte den Afghanen übergeben werden sollen das wäre Gerecht, aber der Ami hat nicht nur seit Vietnam seine Massenmörder geschützt, die er durch seine Menschenverachtende Kriegsführung produziert hat. Der nächste Schritt in der Entmenschlichung des Gegners ist das anonyme töten per Joystick durch Drohnen oder anderen Kriegswaffen.
4. Man könnte die Zahl auch anders schreiben
specialsymbol 23.08.2013
16 Menschen klingt erstmal nicht so schlimm. Aber wenn man bedenkt dass mehr als die Hälfte davon Kinder waren.. da fragt man sich dann doch was in dem Kerl vorgeht. Wäre die Quote andersrum gewesen hätte er auch behaupten können er hätte Terroristen erschossen und die paar Kinder seien Kollateralschäden. Vermutlich wäre er damit durchgekommen.
5. Das Maß der Urteile
Markuz 23.08.2013
Ein Soldat bringt 16 Zivilisten um. Er wird möglicherweise nur zu 20 Jahren Haft verurteilt. Ein anderer veröffentlicht Kriegsverbrechen und soll 35 Jahre verbüßen. Die Welt in der wir leben.
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