US-Soldat in Afghanistan: 500 Dollar Strafe für Leichenschändung

Das Video von US-Soldaten, die in Afghanistan auf die Leichen von Taliban-Kämpfern urinierten, sorgte weltweit für Entsetzen. Jetzt ist einer der Männer zu einer milden Strafe verurteilt worden: Er muss 500 Dollar Strafe zahlen und verliert einen Dienstrang.

US-Soldaten in Afghanistan: Verdacht auf Leichenschändung (die Echtheit der Aufnahme kann von SPIEGEL ONLINE nicht verifiziert werden) Zur Großansicht
REUTERS/ YouTube

US-Soldaten in Afghanistan: Verdacht auf Leichenschändung (die Echtheit der Aufnahme kann von SPIEGEL ONLINE nicht verifiziert werden)

Washington - Aus Afghanistan und den USA hatte es im Januar scharfe Reaktionen auf ein Skandalvideo gegeben, das US-Marines beim Urinieren auf die Leichen von Taliban-Kämpfern zeigt. Doch die Strafe für einen der Mittäter fällt äußerst mild aus: Der Unteroffizier wurde degradiert und zu einem einmaligen Soldabzug in Höhe von 500 Dollar verurteilt.

Wie die Militärzeitung "Marine Corps Times" am Donnerstag berichtete, hatte ein Kriegsgericht am Mittwoch zunächst eine weitaus schwerere Strafe verhängt, darunter 30 Tage Arrest, eine Geldstrafe in Höhe von 2000 Dollar sowie 500 Dollar Soldabzug für sechs Monate.

Im Vorfeld des Prozesses hatte man sich aber bereits im Gegenzug für ein Schuldeingeständnis des 35-Jährigen auf das geringere Strafmaß verständigt. Neben der einmaligen Soldkürzung wird der Soldat um einen Dienstgrad heruntergestuft.

Dem Zeitungsbericht zufolge hatte der Angeklagte sich am Mittwoch in zwei Anklagepunkten schuldig bekannt. So habe er seine Dienstpflichten verletzt, unter anderem weil er "unrechtmäßigerweise für Bildaufnahmen mit menschlichen Todesopfern posiert und unrechtmäßigerweise auf die Leiche eines verstorbenen feindlichen Kämpfers uriniert hat", sagte ein Sprecher des Marine Corps in Quantico (US-Bundesstaat Virginia) dem Blatt.

Das 39 Sekunden lange Video zeigt den Unteroffizier zusammen mit anderen Marines beim Urinieren auf die blutigen Leichen mehrerer Taliban-Kämpfer in der Provinz Helmand. Es war im Januar dieses Jahres im Internet aufgetaucht, soll aber bereits im Juli 2011 in der Unruheregion entstanden sein.

"Hab noch einen schönen Tag, Kumpel"

Der Clip zeigt vier Marineinfanteristen in Kampfanzügen, die lachend über den Körpern von drei Männern ihre Notdurft verrichten. Einer der Soldaten spottet laut CNN auf dem Band in Richtung eines der getöteten Männer: "Hab noch einen schönen Tag, Kumpel." Ein weiterer Uniformierter fragt, ob die Szene auf Film gebannt sei. "Yeah", tönt es darauf aus dem Off, die Antwort stammt offenbar von dem Kameramann.

Die nun verhängte, vergleichsweise milde Strafe überrascht umso mehr, da die Reaktionen damals recht heftig ausgefallen waren. Pentagon-Sprecher John Kirby hatte das Video "verstörend und ungeheuerlich" genannt. Afghanistans Präsident Hamid Karzai forderte die USA im Januar auf, die Täter so schwer wie möglich zu bestrafen. "Diese Tat amerikanischer Soldaten ist zutiefst unmenschlich", sagte Karzai damals.

jok/dpa/AP

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insgesamt 68 Beiträge
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1. optional
boer640 21.12.2012
die strafe ist lächerlich. was kostet es denn, wenn man tote amerikaner anpisst? da kommt man bestimmt nicht mit 500 usd weg.
2. Wie kann man
braamsery 21.12.2012
wenn das Beweismaterial völlig eindeutig ist, absprechen, dass die Strafe gemildert wird wenn er gesteht?! Wenn jemand bei einem Verbrechen gefilmt wird, braucht der nicht zu gestehen, dann hat er sowieso verloren!
3.
genlok 21.12.2012
Tja, das ist die Realität des Krieges. Alle Gemeinde-Beamten hier die hohe moralische Vorstellungen an den Krieg haben, sollten mal auf den Boden der Tatsachen zurückkommen. Die $500 sind auch Wurscht, der Kerl hat jetzt sein Dienstrang verloren, heisst dass die Karriere vorbei ist. Ich habe kein Respekt vor Menschen die auf andere urinieren, allerdings sollte man auch mal Realitätsnah die Perspektive eines Soldaten einnehmen. Gerade noch versucht jemanden einen zu töten und 10 Minuten später soll der Soldat dann wieder ein moralisch anspruchsvoller Mensch sein.
4. Die Alternative?
fatherted98 21.12.2012
...was wäre denn die Alternative gewesen...10 Jahre Knast?? Ok...der unehrenhafte Abschied...aber letzlich sind diese Situationen Kriegsbedingt...sollen sich mal die Gutmenschen die sich hier aufregen für Monate oder Jahre in solche Situationen gebeben...da macht man sicher manches was man unter normalen Umständen nicht machen würde...außerdem muss man sehen welche Leute in der US Armee dienen...meist die die sonstwo aus gutem Grund keine Chance haben..
5. Titel
huggi 21.12.2012
Zitat von braamserywenn das Beweismaterial völlig eindeutig ist, absprechen, dass die Strafe gemildert wird wenn er gesteht?! Wenn jemand bei einem Verbrechen gefilmt wird, braucht der nicht zu gestehen, dann hat er sowieso verloren!
... bleiben Sie doch bitte auf dem Teppich, wo sehen Sie denn ein Verbrechen? Es handelt sich zweifellos um eine Tat die zu verurteilen ist und es an dem nötigen Respekt gegenüber einem Menschen der zu Tode gekommen ist mangeln lässt. Wie würden Sie sich denn fühlen wenn ein Kamerad neben Ihnen von einem dieser Taliban in die Luft gesprengt wurde? Die Tabilan gehören zu den verachtenswürdigsten Menschen überhaupt, nun so zu tun als solle jeder den gleichen Respekt vor diesen Gesellen haben wie vor Menschen die eine Bereicherung der Menschheit sind kann im Einzelfall schon recht viel verlangt sein. Dennoch ist eine symbolische Strafe gerechtfertigt, mehr aber auch nicht.
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