Abzug vom Hindukusch US-Soldaten könnten bis 2024 in Afghanistan bleiben

Was passiert nach dem Abzug der US-Kampftruppen in Afghanistan? Washington und Kabul haben sich jetzt auf ein Abkommen verständigt, die afghanische Ratsversammlung muss noch zustimmen. Tausende Soldaten könnten für Training und Anti-Terror-Missionen im Land bleiben, mindestens bis 2024.


Kabul - US-Außenminister John Kerry hat sich mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai auf ein beiderseitiges Sicherheitsabkommen geeinigt, das die US-Truppenpräsenz am Hindukusch nach 2014 regeln soll.

Offiziell sollen 75.000 US-Soldaten bis Ende 2014 aus Afghanistan abziehen. Doch wie viele Truppen bleiben, um die dortigen Sicherheitskräfte weiter auszubilden und zu beraten? Kerry versicherte, es gehe künftig lediglich um eine "sehr begrenzte Rolle" von US-Militärs in Afghanistan. Es werde keine Kampftruppen geben, es gehe nur um Ausbildung und Unterstützung bei Anti-Terror-Missionen.

Laut "New York Times" könnten in den den kommenden zehn Jahren aber geschätzte 8000 bis 12.000 internationale Soldaten in Afghanistan eingesetzt werden müssen, vor allem Amerikaner. Weitere Milliarden Dollar könnten demnach an die Regierung in Kabul fließen. Laut Präsident Karsai könnten sogar bis zu 15.000 ausländische Soldaten als Ausbilder und Unterstützer im Land bleiben.

Vorgesehen ist, dass das Abkommen bis ins Jahr 2024 "und darüber hinaus" gilt, falls es von keiner Seite aufgekündigt wird, so Kerry. Die US-Armee, die bereits seit zwölf Jahren am Hindukusch präsent ist, könnte also weitere zehn Jahre bleiben - bereits jetzt ist der Afghanistan-Konflikt der längste Krieg in der amerikanischen Geschichte.

Umstrittene Forderung nach Immunität

Als heikel galt die amerikanische Forderung, dass US-Soldaten vor der örtlichen Justiz Immunität bekommen sollen. Auf der Webseite des afghanischen Außenministeriums wurde ein Entwurf veröffentlicht, demzufolge sich US-Truppenangehörige allenfalls in der Heimat vor Gericht verantworten müssen, nicht aber in Afghanistan. Demnach behalten die Vereinigten Staaten das "exklusive Recht zur Jurisdiktion" über ihre Soldaten im Auslandseinsatz. Die Immunitätsregel war eine Voraussetzung für den Pakt.

Im Irak hatte die Immunitätsfrage ein ähnliches Abkommen vor Jahren zum Scheitern gebracht, woraufhin Washington alle Truppen abzog und das Land weitgehend sich selbst überließ.

Kerry machte am Mittwoch darüber hinaus klar, dass es keine Entschuldigung der USA für getötete afghanische Zivilisten geben wird. "Karzai hat keine Entschuldigung verlangt", sagte er. US-Medien hatten berichtet, Kabul habe eine solche Entschuldigung etwa in einem Brief der USA an Afghanistan verlangt.

Afghanische Ratsversammlung muss entscheiden

Über das Sicherheitsabkommen muss nun die afghanische Stammesversammlung, die Loya Jirga, entscheiden. Sie ist am Donnerstag zusammengekommen, rund 2500 Stammesälteste, Geistliche und Politiker gehören ihr an. Nach der Ratsversammlung soll auch das afghanische Parlament beraten.

Der amtierende Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat hohe Erwartungen an die Versammlung. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte er, die internationalen Kampftruppen seien beim Abzug aus dem Land auf der Zielgeraden. Von den Beratungen der Loya Jirga werde "auch abhängen, in welcher Weise sich Deutschland und die internationale Gemeinschaft nach 2014 in Afghanistan engagieren können".

Die islamistischen Taliban nehmen an der schwer gesicherten Stammesberatungen nicht teil. Sie drohten den Delegierten damit, jeden "Verräter" für die Zustimmung zum Truppenstatut zu bestrafen. Bereits wenige Tage vor dem Beginn der Beratungen haben Radikale in Kabul ein blutiges Zeichen gesetzt: Ein Selbstmordattentäter riss am Samstag mindestens sechs Menschen mit in den Tod. Mindestens 22 weitere wurden verletzt.

Ausländische Truppen waren in Afghanistan als Antwort auf die Terroranschläge von Qaida-Terroristen vom 11. September 2001 einmarschiert. Sie hatten die Taliban-Regierung aus Kabul vertrieben, weil diese Qaida-Terroristen unterstützte.

mia/AFP/dpa/kgp



insgesamt 52 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
cjbrummer 21.11.2013
1. Die lernen es nicht mehr ...
Die hatten und haben dort nichts zu suchen - diese Angriffskrieger. Jetzt brauchen sie halt noch ein paar mehr Flaggen zum bedecken der Särge. Selbst Schuld. Hoffe nur das wir bei dem Schwachsinn nicht mehr dabei sind.
spon-facebook-10000104591 21.11.2013
2. Uranangereicherte Waffen? Ein Thema?
Eh .. sehr lobenswert alles. Ich hoffe die beiden haben auch darüber geredet wie man afghanischen Familien helfen will, die Opfer von uran-angereicherten Waffen wurden die die Amerikaner dort grosszügig einsetzen und damit vor allem Zivilisten vergiften und verstrahlen. Es gibt unzählige Berichte von deformierten Föten und verstrahlten Menschen. Warum redet keiner darüber?
joG 21.11.2013
3. Da haben die Amis wieder einen Obama gemacht....
....und wurden weich. Die sollten die Sicherheit der Afghanen den Afghanen und der Weltgemeinschaft überlassen. Man hat ihnen die Chance gegeben frei und in Frieden zu leben. Wenn sie sie nicht ergreifen ist das nicht mehr Sache der Amis und sie sollten kein Geld und keine Soldaten mehr einsetzen.
Milchbub 21.11.2013
4. Hört doch bitte auf
Mit dieser traurigen Komödie! Warum sollte ein Land zig Milliarden investieren, um am anderen Ende der Welt eben diese "zu retten"?? Es geht doch im Leben nicht um Terrorabwehr, Horst Köhler hat es ausgesprochen und musste dafür gehen. Die Terrorristencamps sind doch längst nicht mehr in Afghanistan sondern beispielsweise im verbündeten Pakistan zu finden. Außerdem dank Totalüberwachung und weltweiten Drohneneinsätzen auch ohne ständige militärische Präsenz auszuschalten. Also bitte das alles ist so verlogen. Russland und England hatten auch schon immer Interesse an Afghanistan, allerdings lange vor "9/11".
nick999 21.11.2013
5. Nein
Irgendwann dürfte es dem letzten klarwerden. Die afghanische Regierung will neben dem ungestörten Mohnanbau nur Bargeld von den USA und Europa.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.