US-Strafzölle Sagt den G7-Gipfel ab!

Donald Trump behandelt die wichtigsten Verbündeten der USA wie Gegner. Es ist an der Zeit, in der Beziehung zu dieser Regierung reinen Tisch zu machen.

Angela Merkel, Emmanuel Macron, Donald Trump
AFP

Angela Merkel, Emmanuel Macron, Donald Trump

Ein Kommentar von , Washington


Was für ein Zufall: Donald Trump ist dabei, mit seinen neuen Handelszöllen und mit seiner Iran-Politik das westliche Bündnis zu sprengen. Und just in der kommenden Woche soll in Kanada das G7-Treffen beginnen. Das ist der Klub, in dem die führenden sieben westlichen Industrienationen seit den Siebzigerjahren gemeinsame Ziele, aber auch Probleme besprechen. Amerika ist natürlich mit dabei, genauso wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Helmut Schmidt hatte das Format einst miterfunden.

Üblicherweise sind G7-Treffen dazu da, den Zusammenhalt des Westens zu demonstrieren. Es geht darum, der Welt zu zeigen, dass man trotz aller Streitigkeiten zusammenhält. Man posiert gemeinsam vor schöner Kulisse, danach erscheinen nette Fotos.

Es wäre an der Zeit, diese Heuchelei zu beenden. Denn Donald Trump zeigt mit seiner Handelspolitik und mit seiner Iran-Entscheidung, dass ihm das westliche Bündnis herzlich egal ist. Die Europäer und Kanadier sollten diesen Bruch deutlich kenntlich machen. Es reicht nicht, nur "Bedauern" über Trumps aggressive Politik zu äußern. Die Absage des Gipfels aus Protest gegen Trump, gegen diese ganze US-Regierung, wäre eine symbolträchtige, wichtige Botschaft - vor allem an den US-Präsidenten, aber auch an den Teil Amerikas, der seine rücksichtslose Politik unterstützt.

Video: USA verhängen Strafzölle gegen EU-Länder

Reden bringt derzeit nichts

Angela Merkel und ihre Berater argumentieren, man müsse mit den Amerikanern reden, im Gespräch bleiben. Nur so könne man Dinge bewegen. Aber diese Haltung hat bislang erkennbar nichts gebracht.

Sie stärkt nur Trump. Er wird auch den G7-Gipfel wieder nutzen, um seine One-Man-Show abzuziehen. Der US-Präsident kann sich vor dem Publikum als derjenige inszenieren, der anderen das Kommando gibt, als Chef im Ring. Er wird sich anhören, was Angela Merkel, Emmanuel Macron und die anderen "Verbündeten" ihm zu sagen haben. Vielleicht wird er auch ein bisschen nett tun. Und dann wird er doch nur wieder entscheiden, was er will. Es wird so sein wie bei all den anderen Treffen mit Europäern in den vergangenen Monaten.

Dieses lächerliche Schauspiel, diese Demütigung sollten die Anführer der Europäer und Kanadier uns allen ersparen. Sie sollten sich nicht länger als Staffage für Trumps populistische Inszenierungen missbrauchen lassen. Warum sollte man zu einem Treffen gehen, bei dem man doch in Wahrheit ignoriert wird? Was bringt es, sich auf offener Bühne vorführen zu lassen?

Trump, seine Berater, auch seine Anhänger betonen stets, wie wichtig ihnen das Bündnis mit Europa und den anderen Staaten angeblich sei. Spätestens seit dieser Woche wissen wir: Das ist leeres Geschwätz.

Wenn das wirklich so ist, sollten sie auch danach handeln, wirklich auf die Partner zugehen. Erst dann sind Gespräche wieder sinnvoll. Eine "Freundschaft" besteht nicht darin, dass man droht und bestraft, um anderen seinen Willen aufzuzwingen.

Große Gipfel, Staatsbesuche, Verhandlungen, all das bringt nur etwas, wenn beide Seiten auch ernsthaft zum Dialog und vor allem zum Kompromiss bereit sind. Andernfalls muss die Pause-Taste gedrückt werden.

insgesamt 297 Beiträge
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quatermain4000 01.06.2018
1. Erstaunlich
Ich dachte nie dass es dazu kommt, aber, dies hier ist der erste sinnvolle Beitrag des Herrn Nelles zum Thema Trump's Amerika. Recht hat er: was Trump am Meisten trifft, ist wenn ihm die Buehne zur Selbstdarstellung entzogen wird.
joG 01.06.2018
2. Es ist ein Symptom ...
...des Problèmes, wenn man sagt die G7 Treffen wären dazu da den Zusammenhalt des Westens zu demonstrieren. Hauptsächlich sollten sie dazu da sein, Probleme zu besprechen und zwischen Lösungsansätzen zu wählen. Das sollten nicht Veranstaltungen zur Effekthascherei sein und wer es glaubt schwächt den Westen. Das ist ja auch ein grundlegendes Problem der EU.
grain 01.06.2018
3. Nicht radikal
Sicherlich wäre es ein Zeichen auf den G 7 zu verzichten. Allerdings ein falsches. Denn letztlich zeigt es doch nur, dass der US Kasper es wieder geschafft hat, alles durcheinander zu bringen. Viel schlauer wäre es, ihn auf dieser Veranstaltung spüren zu lassen, wie isoliert er mit seiner Chaos "Politik" dasteht. Am besten nicht beachten und nicht wie immer, sklavisch hinterhereilen und sich stets verneigen, um ja nicht das Wohlwollen zu verlieren. Bündnisse sind immer auf Zeit angelegt und niemals für die Ewigkeit. Das Bündnis mit den USA hat sich überholt, man sollte sich nach anderen "Freunden" umsehen. Insbesondere sollte man endlich den blinden Russenhass aufgeben, denn Russland wäre über lange Zeit ein wesentlich besserer und zuverlässigerer Partner als die USA. Lasst den Policlown vor sich hinwursteln...... in jedem Falle ist er so dämlich, dass er nicht einmal merkt wie sehr er den USA schadet. Und besinnt euch auf Europa ! Wie haben ein klasse Land mit vielen verschiedenen Facetten und diese können wir gut spielen.
frankfurtbeat 01.06.2018
4. das ...
das wäre der einzige sinnvolle Schritt ... lasst Trump den Gipfel alleine bestreiten und zeigt den USA die kalte Schulter! Doch so stark sind Merkel&Co nicht - zu viele Politiker sind transatlantisch gesteuert und werden sich daher weiter dem WIllen der möchtegernSupermacht beugen.
rambazamba1968 01.06.2018
5. G6 Gipfel
mann muss den G6-Gipfel nicht so nennen, aber man sollte anfangen die USA zu isolieren
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