Umfrage: Weltweit schwindet Vertrauen in den Kapitalismus

Von Gregor Peter Schmitz, Washington

Rund um den Globus leiden Bürger unter der Krise, sie verlieren den Glauben an ihre Regierungen und die freie Marktwirtschaft. Das belegt eine neue Studie der renommierten US-Denkfabrik Pew Research Center. Große Ausnahme sind die Chinesen - und die Deutschen.

Kapitalismus-Studie: Wem geht's gut? Wem fehlt Mut? Fotos
Getty Images

Rund um den Globus sorgen sich Bürger um den Zustand ihrer Volkswirtschaft, besagt eine neue weltweite Umfrage des renommierten Pew Research Center in Washington. Von rund 26.000 Befragten in 21 Staaten gibt lediglich rund jeder vierte (27 Prozent) an, mit der Wirtschaftslage in seiner Heimat zufrieden zu sein.

Nur vier Nationen scheren aus, allen voran China (83 Prozent Zufriedenheit) und Deutschland (73). Auch in Brasilien (65 Prozent) und der Türkei (57) herrscht Optimismus vor.

Im Vergleich zu einer ähnlichen Pew-Umfrage im Jahr 2008 - also vor dem Beginn der weltweiten Finanzkrise - ist der Vertrauensschwund frappierend. Dieser führt auch zu einer Krise des Kapitalismus-Modells. In elf der 21 untersuchten Staaten glaubt höchstens noch die Hälfte der Befragten, freie Marktwirtschaft führe zu mehr allgemeinem Wohlstand.

Besonders ausgeprägt ist dieser Vertrauensverlust in Nationen, die von der Euro-Krise stark betroffen sind - wie Italien (minus 23 Prozent) oder Spanien (minus 20). Dort ist auch der Rückhalt für die These, durch harte Arbeit lasse sich mehr Wohlstand erreichen, deutlich gesunken.

So ergibt sich ein scharfer Gegensatz zwischen der eher optimistischen Stimmung in aufstrebenden Staaten wie China, Brasilien, Indien oder der Türkei - und einer pessimistischen Grundhaltung in den USA, Europa oder Japan. Weniger als ein Drittel der Amerikaner geben an, ihrer Volkswirtschaft ginge es derzeit gut. In Europa liegt dieser Wert im Schnitt nur bei 16 Prozent - in Japan ist er gar auf sieben Prozent gesunken.

Lediglich rund jeder zehnte Europäer oder Japaner glaubt zudem noch, dass es seinen Nachkommen leichtfallen werde, größeren Wohlstand oder besseren Verdienst zu erreichen. Zum Vergleich: 57 Prozent der Chinesen sind überzeugt, dass ihren Kindern sozialer Aufstieg ohne Probleme gelingen werde.

Enttäuschte Bürger rund um den Globus verlieren in der Krise auch den Glauben an ihre Regierungen: In 16 der 21 an der Pew-Studie beteiligten Staaten macht die Mehrheit der Befragten ihre Politiker maßgeblich für die aktuelle wirtschaftliche Misere verantwortlich.

Die komplette Studie finden Sie unter: http://pewglobal.org/

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 310 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. natürlich
wander 12.07.2012
Für die Menschen ist es de facto irrelevant, welches Etikett die Ideologie trägt, mit der sie verarmt und gequält werden. In Deutschland hingegen gab es schon immer die Tradition, dass jede Ideologie bis über die Grenze zur Menschenfeindlichleit gehen muss. Und was die Ergebnisse im totalitären China wert sind möge jeder für sich entscheiden.
2. nein
inx_1 12.07.2012
Zitat von sysopGroße Ausnahme sind ...... - und die Deutschen.
Das ist aber weit hergeholt. Komme mit sehr vielen Leuten, unterschiedlicher Herkunft und Couleur, in Deutschland in Berührung, und gefühlte 99% würden sich der Message auf dem gezeigten Bild anschliessen: DIE, SYSTEM, DIE !
3. Ein System
carletto 12.07.2012
das im laufe der Zeit immer mehr Reichtum bei immer weniger Menschen anhäuft, und bei dem Staaten irgendwann nicht mehr in der Lage sind die elementarsten sozialen Bedürfnisse zu befriedigen kann auch nicht das richtige sein. Die Wirtschaftskriege die dieses System mit sich bringt lass ich jetzt mal ganz außen vor. Der endlose Wachstumsirrsin hat ausgedient, und das betrügerische Geldsystem ist durchschaut. Zeit für was neues, fortschrittliches. Vorher gilt es aber erst einmal echte Demokratien zu errichten und keine diktatorischen Superstaaten.
4.
garfield 12.07.2012
Zitat von wanderFür die Menschen ist es de facto irrelevant, welches Etikett die Ideologie trägt, mit der sie verarmt und gequält werden.
Faktisch ja, ansichtsmäßig wohl leider noch nicht. Denn anders kann ich mir nicht erklären, wieso diese Herde der Kanzlerdarstellerin solche Traumnoten gibt und es hierzulande so eine hysterische Angst vor "Kommunismus" und Terroristen gibt, dass sogar eine NSU-Truppe in aller Seelenruhe 10 Menschen umbringen kann. Leider, leider! Gerade eben sagte ich zu einem Kollegen, dass die erste Kopfnuss runde 20 Jahre anhielt, bis man seiner Regierung wieder besoffen in den Untergang nachrannte; inzwischen sind runde 65 Jahre vergangen und es scheint Zeit zu sein für die nächste Auffrischung, die uns anschließend wieder etwas Demut und Mitmenschlichkeit beibringt.
5. .
frubi 12.07.2012
Zitat von inx_1Das ist aber weit hergeholt. Komme mit sehr vielen Leuten, unterschiedlicher Herkunft und Couleur, in Deutschland in Berührung, und gefühlte 99% würden sich der Message auf dem gezeigten Bild anschliessen: DIE, SYSTEM, DIE !
Mir persönlich geht es gar nicht darum, das jetzige System zu vernichten. Es müsste nur massiv reformiert werden. Eliten müssen zersprengt und die Armut bekämpft werden und das wäre in einem Land wie Deutschland sehr wohl möglich. Die Eliten, die zweifelsohne an ihrem Wohlstand fest halten wollen, verhindern das natürlich mit jedem Wort, das ihren Mund verlässt. Solange es keine massiven, gesellschaftsübergreifende Bewegung gibt, die für härtere Steuern für Reiche und einen stärkeren Sozialsstaat eintreten, wird es so weiter gehen wie bisher und dann knallt es irgendwann richtig und die Riots in London werden aussehen wie ein Kindergeburtstag. Das Schlimme an uns Deutschen ist, dass wir zwar meckern aber aktzeptieren. Jeder 2te beschwert sich über die aktuelle Lage und zu Demos gehen maximal 10.000. Merkel kriegt die besten Umfragewerte und der Glaube in die Handlungsfähigkeit der Politik schwindet auch nur gering. 2013 wird dann wieder Rot/Grün gewählt und alle glauben dann, dass sich mit den Fatzken etwas ändern wird.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Euro-Krise
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 310 Kommentare
  • Zur Startseite