Laxe Bewachung auf US-Stützpunkt "Die Tür zur Atombombe stand offen"

Ein Offizier schlief, ein anderer öffnete Handwerkern die Tür zum Atomwaffenlager: Auf amerikanischen Stützpunkten der Air Force ist es zu schweren Sicherheitspannen gekommen. Die Fälle offenbaren massive Probleme beim US-Militär.

AP

Washington - Pannen und Probleme häufen sich bei den US-Atomstreitkräften. Anfang Oktober wurden ein General und ein Vizeadmiral wegen persönlicher Verfehlungen entlassen, nun erregt ein Bericht über schwere Fehler der unteren Ränge die US-Luftwaffe.

Rund um die Uhr sollen Offiziere eigentlich die 450 US-Interkontinentalraketen kontrollieren, die mit Nuklearsprengköpfen bestückt sind. Doch bei der Bewachung hat es nun erneut ernsthafte Probleme gegeben.

Auf zwei Stützpunkten - in Montana und North Dakota - haben Offiziere schwere Schutztüren offen gelassen, die verhindern sollen, dass Terroristen oder andere Eindringlinge sich ihrer Atombomben-Schaltzentrale nähern. "Die Türen waren offen, obwohl sie hätten verschlossen sein sollen", erklärte der Sprecher des für Atomeinsätze zuständigen Global Strike Commands der US-Luftwaffe, John Sheets.

Jede Schaltzentrale überwacht zehn Minuteman-III-Raketen. Der Posten wird stets von zwei Offizieren bewacht, eine Schicht dauert 24 Stunden. Zwar darf einer der beiden Soldaten schlafen. Doch dann ist es dem anderen streng verboten, die Tür zu öffnen.

Auf dem Stützpunkt Malmstrom in Montana wurde der Vorfall bekannt, weil Reparaturen gemacht werden mussten. Die Handwerker sahen laut der Agentur AP einen Bewacher offenbar schlafen und meldeten die Sicherheitslücke.

Sheets sagte, in den bekannt gewordenen Fällen hätten die Schlafenden geweckt werden müssen. Zur Strafe wurden den beiden Türöffnern zwei Monate ihres Solds gestrichen. Die schlafenden Kollegen erhielten eine schriftliche Rüge. Einer der Offiziere gab laut AP zu, viele weitere Male die Tür offen gelassen zu haben, ohne erwischt worden zu sein.

Gefährliche Schlamperei

Wer zu den Raketen gelangen will, muss mehrere Kontrollen passieren - die Schutztür ist die letzte Sicherheitsmaßnahme. Die Waffen sind in unterirdischen Atomsilos untergebracht, der Zutritt wird streng bewacht. Ein Eindringling müsste viele Sicherheitsschranken durchlaufen, bevor er zu der Tür gelangt. Sie ist - wenn sie geschlossen ist - mit zwölf Stahlbolzen gesichert.

Verstöße gegen die Regeln gelangen selten an die Öffentlichkeit. Regierungsvertreter sagten der Agentur AP, solche Zuwiderhandlungen passierten sehr viel öfter. Zudem sind sie keine Einzelfälle bei den US-Atomstreitkräften. Offenbar gibt es dort massive Probleme, die zudem seit Jahren bekannt sind.

In diesem Jahr haben sich die Pannen gehäuft.

  • Im August fiel eine Atomraketeneinheit in Montana bei einer Sicherheitsinspektion durch.
  • Im Mai sorgte ein Bericht von Inspektoren der Air Force für Aufsehen: Im 91st Missile Wing auf der Minot Air Force Base in North Dakota herrsche eine "Kultur der Gleichgültigkeit", schrieben sie in einer internen E-Mail, die die Agentur AP veröffentlichte. 17 Offiziere wurden suspendiert, sie waren für die Kontrolle der Atomraketen auf der Basis zuständig. In mindestens einem Fall seien absichtlich die Sicherheitsregeln verletzt worden. Außerdem habe es einen offensichtlichen Unwillen gegeben, Regelbrecher mit ihren Handlungen zu konfrontieren und diese weiterzumelden.
  • Bruce Blair, ein ehemaliger Raketenoffizier, nannte die Vorkommnisse damals "sehr besorgniserregend". Innerhalb des Militärs seien die Jobs in den Raketensilos als "Sackgassen" verschrien.
  • Am 10. Oktober wurde bekannt, dass der amerikanische Vizeadmiral Tim Giardina degradiert wird - ihm wird vorgeworfen, in einem Casino im US-Bundesstaat Iowa gefälschte Spielchips eingesetzt zu haben. Er wurde als stellvertretender Chef des Strategischen Kommandos abberufen, das für die Nuklearwaffen aller US-Teilstreitkräfte zuständig ist.
  • Wenig später entließ die US-Luftwaffe den Kommandanten über ihre Atomwaffen, General Michael Carey. Carey soll auf einer Dienstreise seine Pflichten verletzt haben. Was er dort getan hat, wurde nicht genauer erläutert.

Der Zwei-Sterne-General Carey war für die 450 Interkontinentalraketen verantwortlich, die auf drei Basen in den USA stationiert sind. Die nuklearen Sprengköpfe haben eine Zerstörungskraft, die deutlich höher ist als die der Atombomben, die 1945 über Japan abgeworfen wurden und Zehntausende Menschen töteten.

kgp/AFP/AP

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Seite 1
jayram 23.10.2013
1. Die USA
sind eines der größten Sicherheitsprobleme des Planeten. Mit Sicherheit nicht das einzige, aber bei dem Zerstörungspotential über das diese Nation verfügt, mit das größte, was ja Vorfälle dieser Art nur noch mehr zementieren. Da ist es auch egal wer Präsident ist.
hansmaus 23.10.2013
2. optional
Tja und nun? langweiliger Job aus dem es kein Entrinnen gibt und in dem einem eigentlich nix passieren kann...klingt nach Finanzamt essen Nord, statistisches Landesamt Hessen außenstelle Kassel oder so ähnlich....ist es im Grunde genommen seit 1990 auch.
Duzend 23.10.2013
3. Bitte Gerücht vervollständigen!
Zitat von sysopAPEin Offizier schlief, ein anderer öffnete Handwerkern die Tür zum Atomwaffenlager: Auf amerikanischen Stützpunkten der Air Force ist es zu schweren Sicherheitspannen gekommen. Die Fälle offenbaren massive Probleme beim US-Militär. http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-stuetzpunkt-in-montana-und-north-dakota-tuer-zur-atombombe-offen-a-929443.html
Der Abberufung von Carey und Giardina ging ausserdem noch voraus, dass der Senator von South Carolina, Lindsay Graham, am 5. September gewarnt hatte, die US-Amerikaner täten gut daran, die Regierung zu einer entschlossenen Haltung gegenüber Syrien und Iran zu stützen, andernfalls könne sonst nicht mehr dafür garantiert werden, dass nicht z.B. an einem Ort der Ostküste (ein Schelm, wer jetzt Charlston ruft) ein atomarer Sprengsatz hochgeht. Die Anspielung sollte öffentlich so verstanden werden, dass man ja nicht wissen könnte, wie weit die Syrer oder Iraner mit ihren Nuklearprogrammen (und wenn es nur die schurkische Beschaffung eines einzelnen Sprengsatzes wäre) und dem Bau ihrer Raketen oder Unterseeboote sind oder welcher Art Terroristen sie solcherlei Sprengsätze alles in die Hände spielen könnten. Wem jetzt noch nicht die Haare zu Berge stehen, der sei verwiesen auf einen Bericht, demzufolge am 4. September bekannt wurde, dass Nuklearsprengköpfe ohne die sonst üblichen Begleitpapiere aus der DYESS Air Force Base in Richtung South Carolina per LKW auf den Weg gebracht wurden. Wo sollte es eine hochentwickelte Industriegesellschaft geben, die es sich leisten kann, selbst die verantwortungsvollsten Posten ihrer Landesverteidigung und die hoch- und höchstrangigen Stellen umzubesetzen, weil ein an sonsten untadeliger Offizier in der Freizeit beim Spielen mit gezinkten Karten oder dabei erwischt wurde, kurzen Röcken hinterher zu schauen? Was der SPIEGEL hier schreibt, ist wahr, aber in seiner ostentativen Biederkeit erst nach Ergänzungen glaubwürdig.
made1973 23.10.2013
4. Das erinnert sehr an ....
... den Film 'Wargames' aus dem Jahr 1983. Ach es sind ja erst 30 Jahre vergangen und es hat sich scheinbar nichts geändert. In dem Film sind es 22% der Soldaten, die die Waffen nicht starten würden. Dass es - wie im aktuellen Fall - nicht zu einem Start durch Terroristen gekommen ist, kann man Glück nennen. Naja, mit diesem Bericht werden Terroristen vielleicht aufmerksam und basteln sich ein neues Szenario zurecht. Wir werden sehen! Siehe Link: http://de.wikipedia.org/wiki/WarGames_–_Kriegsspiele
lecker 23.10.2013
5. Ja klar...
..da wird wieder der Eindruck erweckt, dass der Hausmeister die Raketen hätte starten können oder "die Atombombe" in seine Vesperbox hätte packen können. So ein Unsinn. Dass mal eine Raketeneinheit durch die Sicherheitsprüfung rasselt ist kein Beinbruch. Die sog. "ATT's" sind dermaßen hart, dass ein USAFAD in den 80er Jahren wegen zwei falschen Antworten eines Soldaten gegenüber dem Testteam durch die Prüfung gerasselt ist. Ich stand direkt daneben. Und dass natürlich gleich wieder die sich hier gerne rumtreibenden "US-Basher" aus ihren Löchern kriechen, ist bedauerlich, aber war leider zu erwarten.
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