US-Terrorwarnungen Luftfracht mit Sprengstoff alarmiert die USA

Barack Obama spricht von einer "glaubhaften terroristischen Bedrohung" gegen sein Land: Zwei verdächtige Pakete, gefunden in amerikanischen Frachtfliegern, haben nach Angaben des US-Präsidenten sprengbares Material enthalten. Terrorfahnder glauben an eine mögliche Verbindung zu al-Qaida.

REUTERS

Washington - Zwei in Frachtflugzeugen in Dubai und Großbritannien sichergestellte Pakete mit dem Ziel USA haben nach Angaben Obamas Sprengstoff enthalten. Das sagte der US-Präsident am Freitag in einer Ansprache in Washington. Die Pakete seien an jüdische Einrichtungen in den USA gerichtet gewesen.

Der Präsident wies die Geheimdienste und Sicherheitsbehörden an, "Maßnahmen zum Schutz der amerikanischen Bevölkerung zu ergreifen". Er sprach in Washington von einer glaubhaften Bedrohung. Schon früh gingen Sicherheitsexperten sowie die US-Regierung davon aus, dass es sich bei den separaten Funden um ein gezieltes Komplott handelte, mit dem die Terroristen die Aufmerksamkeit der Behörden testen wollten.

Die beiden Pakete seien für terroristische Angriffe vorgesehen gewesen und hätten Schaden anrichten können, sagte John Brennan, Obamas Berater für Terrorabwehr. Sie seien gesichert worden, von ihnen gehe keine Gefahr mehr aus.

Nun herrscht neue Angst vor Terroranschlägen, Sicherheitsbehörden weltweit sind in Alarmbereitschaft. Mehrere Frachtmaschinen wurden am Freitag vorsorglich untersucht, Flüge gestoppt, und in den USA wurde am Abend sogar ein Flugzeug von zwei Militärjets zur Landung begleitet.

Das erste verdächtige Päckchen war bereits am frühen Morgen um 3.28 Uhr (Ortszeit) am East-Midlands-Flughafen bei Nottingham, England, in einem aus dem Jemen kommenden UPS-Frachtflugzeug entdeckt wurde. Beim Inhalt handelte es sich um eine manipulierte Tonerpatrone für Kopierer. Nach Angaben des US-Senders CNN war sie an eine Synagoge in Chicago adressiert.

US-Quellen berichteten über das in England entdeckte Paket, an der Patrone seien Drähte und ein Schaltkreis befestigt gewesen. "Das Ganze sieht nicht sehr raffiniert aus", sagte eine Augenzeugin. Ausgeschlossen scheint, dass eine Synagoge in Chicago eine Patrone für ihren Kopierer ausgerechnet in dem als Unterschlupf von Islamisten geltenden Jemen bestellt.

Der BBC zufolge wurde bei der Überprüfung des Pakets in England weißes Pulver gefunden. Erste Sprengstofftests hatten laut britischer Polizei keine Hinweise auf eine Bombe erbracht.

In Dubai waren die Behörden in einer Frachthalle auf ein Päckchen aufmerksam geworden, das vom selben Absender im Jemen stammte und ebenfalls an eine jüdische Einrichtung in den Vereinigten Staaten gehen sollte. CNN berichtete, dass es US-Beamten zufolge Hinweise auf eine Verbindung zur Terrororganisation al-Qaida gebe.

Höchste Alarmbereitschaft auf Flughäfen

Eine Sprecherin des Frachtunternehmens UPS erklärte am Freitag, der Konzern kooperiere mit dem FBI. Alle Lieferungen aus dem Jemen seien auf unbestimmte Zeit gestoppt worden.

Zwei Militärjets eskortierten am Abend eine aus Dubai kommende Passagiermaschine über die kanadische Grenze nach New York wegen des Verdachts, dass sich an Bord ein Päckchen aus dem Jemen befinden könnte. Das FBI bezeichnete dies als eine Vorsichtsmaßnahme, Flugzeuge mit Fracht aus dem arabischen Land werde derzeit überprüft. Einen direkten Verdacht in Bezug auf dieses Flugzeug gab es nicht. Nach Landung der Maschine stellte sich heraus, dass gar kein Paket aus dem Jemen an Bord war.

Nach dem Fund in England wurden mehrere UPS-Frachtflugzeuge in den USA vorsorglich untersucht. In Philadelphia und in Newark wurden Maschinen auf abgelegene Teile des Rollfeldes gezogen, um die Ladung zu inspizieren. Zunächst wurde aber nichts Verdächtiges gefunden. Mitten in New York wurde ein Lastwagen eines Paketdienstes untersucht. Ein verdächtiges Paket stellte sich als harmlos heraus. Auch in Newark wurde bald wieder grünes Licht gegeben.

can/dpa/dapd/Reuters



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Seite 1
dazed & confused 29.10.2010
1. mir schlottern die Knie
und von was soll jetzt wieder abgelenkt werden?
sera, 29.10.2010
2. ...
wer glaibt den diesen rotz noch? diesen selbstfabrizierten terrormist kann man nich mehr hören. und ja, super, noch nen grund mehr um uns unsere rechte zunehmen. zuerst das problem entstehen lassen und sich dann heroisch als problemlöser hinstellen.
Simoneke 29.10.2010
3. Oh my gosh...
Zitat von sysopTerrorangst in den USA: Zwei verdächtige Pakete, die aus dem Jemen in die USA geschickt wurden, enthielten laut Barack Obama Sprengstoff. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,726246,00.html
Wer nicht weiß, der glaubt! Schön, dass das Schreckgespenst "Al-Qaida" wieder aus dem Wandschrank geholt werden muss. Welcher "Präventionskrieg" muss jetzt legimitiert werden? Der gegen Jemen? Gibt's dort Öl?
wika 29.10.2010
4. Ich mags langsam nicht mehr glauben…
…denn die Geheimdienste stehen völlig unter Strom Erfolge präsentieren zu müssen. Klar bin ich ein Verschwörungstheoretiker, aber wie wir wissen gibt es zu solchen Vorfällen in aller Regel auch keine unabhängigen Untersuchungen, sondern die Geheimdienste selbst (sind ja alle ehrlich und waren noch nie an was ungesetzlichem oder verschwörerischen Aktionen beteiligt), präsentieren uns die Erfolge. Außer Alarm und Fund wird es jetzt noch ein paar nette Geschichten geben … vermutlich kamen die Pakete aus dem Iran … dürfte das plausibelste im Moment sein. Jetzt müssen wir nur noch überlegen wie wir das vergelten. Ist doch klar was folgt … wir müssen das kriegsmüde Fußvolk wach halten.
tschort 29.10.2010
5. Warum wird sowas immer al-Qaida unterstellt?
Man hat ja noch keine Ahnung, wer diese Pakete verschickt hat. Teoretisch könnte "Caritas" oder "Brot für die Welt" dahinter stehen, oder?
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