US-Truppen im Irak Premier Maliki unterstützt Obamas Abzugsplan

Beifall aus Bagdad: Barack Obamas Vorstoß für einen Abzug der US-Truppen binnen 16 Monaten kommt im Irak gut an. In einem SPIEGEL-Interview sagte Premier Maliki, dies "wäre der richtige Zeitraum". Eine Wahlempfehlung wolle er freilich nicht abgeben, fügte Maliki hinzu.


Hamburg/Bagdad - Barack Obama wird die Botschaft gerne hören: Iraks Premier Nuri al-Maliki unterstützt die Pläne des demokratischen US-Präsidentschaftsbewerbers, die amerikanischen Truppen binnen 16 Monaten aus dem Land abzuziehen. "Das, finden wir, wäre der richtige Zeitraum für den Abzug, geringe Abweichungen vorbehalten", sagte er im SPIEGEL-Interview.

Iraks Premier Nuri al-Maliki: Unterstützung für Obamas Irak-Pläne
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Iraks Premier Nuri al-Maliki: Unterstützung für Obamas Irak-Pläne

Er wolle "selbstverständlich keine Wahlempfehlung abgeben", doch wer im Irak "mit kurzen Fristen" rechne, "sei näher an der Wirklichkeit", die Stationierung der US-Truppen künstlich zu verlängern würde dagegen Probleme bereiten, sagte Maliki im Hinblick auf die Pläne des republikanischen Bewerbers John McCain. Die Amerikaner sollten das Land "so bald wie möglich" verlassen, so Maliki. Derzeit schärft Obama mit Stippvisiten in mehreren Ländern sein außenpolitisches Profil. Am Sonntag landete er in Afghanistan, am Donnerstag wird Obama in Berlin erwartet.

Seine Regierung wünsche sich "ein langfristiges strategisches Abkommen mit den USA, in dem wir die Grundlagen unserer Wirtschafts- und Kulturbeziehungen regeln", das Sicherheitsabkommen über die Stationierung von Truppen, das derzeit neu ausgehandelt wird, solle hingegen nur noch kurzfristig gelten, sagte Maliki.

Die ersten Entwürfe seien nicht akzeptabel gewesen, er sei aber zuversichtlich, dass ein Abkommen über den Zeitraum für den Abzug der internationalen Truppen noch während der Amtszeit von Präsident George W. Bush erzielt werden könne. Maliki sagte: "Die Amerikaner haben sich bis jetzt schwer getan, einem konkreten Zeitplan für den Abzug zuzustimmen, weil ihnen das wie das Eingeständnis einer Niederlage vorkommt. So ist es aber nicht. Wenn wir uns einigen, dann zeugt das nicht von einer Niederlage, sondern von einem Sieg, von einem schweren Schlag, den wir al-Qaida und den Milizen zugefügt haben."

Maliki beklagte auch, "dass es meinem Land nicht möglich sein soll, Vergehen oder Verbrechen der US-Soldaten an unserer Bevölkerung zu ahnden", das sei "ein grundsätzliches Problem" seiner Regierung.

Der irakische Premier äußerte den Wunsch nach engeren politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland. "Wir haben ein Land aufzubauen, und die Deutschen sind berühmt für gutes und effizientes Arbeiten", sagte er. "Wir möchten sie am Aufbau unseres Landes beteiligen." Dass die Deutschen gegen den Irak-Krieg waren, spiele im Verhältnis der beiden Länder keine Rolle. Auch die Sammelklage, die seine Regierung vor drei Wochen unter anderem gegen deutsche Firmen wie Daimler und Siemens einreichte, die Schmiergelder an Funktionäre der Saddam-Regierung gezahlt haben sollen, habe darauf keinen Einfluss: "Auf keinen Fall ist die Konsequenz, dass wir mit den betroffenen Firmen nicht zusammenarbeiten wollen."

In den USA wächst inzwischen auch in der Regierung die Bereitschaft, die Abzugspläne der eigenen Truppen im Irak zu konkretisieren: Überraschend sprach sich am Samstag erstmals US-Präsident George W. Bush für einen "allgemeinen Zeitplan" für den Abzug von US-Truppen aus dem Irak aus.

Bei einem Besuch des britischen Premierministers Gordon Brown im Irak sprach Maliki am Samstag auch über die Möglichkeiten für eine weitere Reduzierung der britischen Truppen in dem Land. Brown will in der kommenden Woche in London eine Erklärung zum künftigen britischen Engagement im Irak abgeben.

Brown habe sich bei dem Besuch einen Eindruck verschaffen wollen, wie sich die Ausbildung irakischer Truppen und Sicherheitskräfte durch britische Experten sowie die wirtschaftliche Lage im Süden des Irak entwickelt, berichtete der Sender BBC.

Im Gebiet der südirakischen Hafen- und Ölmetropole Basra sind noch 4000 britische Soldaten stationiert. Im Dezember hatte Großbritannien dort das Kommando an die irakische Armee übergeben. Unklar ist bislang, wann die seit Dezember 2007 geplante Reduzierung der Truppen auf 2500 Mann erfolgen kann. Der Truppenrückzug war im Frühjahr wegen des Aufflammens neuer Kämpfe ausgesetzt worden. Auf dem Höhepunkt des Irak-Krieges, der 2003 begann, waren 26.000 britische Soldaten im Einsatz.

London hat den vollständigen Abzug seiner Soldaten an die Erreichung von vier Zielen in der Region Basra geknüpft: Die erfolgreiche Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte, politische Stabilität, Fortschritte beim wirtschaftlichen Aufbau und schließlich die Wiederaufnahme eines normalen zivilen Flugverkehrs auf dem Airport Basra.

hen/dpa

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