US-Truppenabzug aus dem Irak: Blitzbesuch von Biden in Bagdad

Vizepräsident Joe Biden ist einen Tag vor dem offiziellen Ende der US-Kampfeinsätze im Irak in Bagdad eingetroffen. Die Sicherheitsmaßnahmen in der Hauptstadt wurden aus diesem Grund massiv verstärkt.

Biden (2. v. l.)  in Bagdad: Druck auf Iraks Führung Zur Großansicht
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Biden (2. v. l.) in Bagdad: Druck auf Iraks Führung

Bagdad - Joe Biden soll Iraks Führung auffordern, ein Jahr nach der Parlamentswahl endlich eine neue Regierung zu bilden. Der US-Vizepräsident traf am Montag zu einem Blitzbesuch in Bagdad ein - einen Tag vor dem offiziellen Ende der amerikanischen Kampfeinsätze in dem Krisenland. Seit der Abstimmung im März streiten die Parteien über die Verteilung der Schlüsselressorts im Kabinett.

Biden werde am Dienstag mit dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki zusammentreffen und mit ihm die politische Situation besprechen, berichtete ein Berater al-Malikis der Nachrichtenagentur APN. Demnach soll es bei dem Gespräch auch um den Abzug der US-Truppen gehen und darum, dass die Iraker nun die Verantwortung für die Sicherheit ihres Landes übernehmen. Am Mittwoch soll der US-Vizepräsident dann einer Zeremonie beiwohnen, bei der US-General Ray Odierno seinen Posten als Oberbefehlshaber im Irak an den amerikanischen Generalleutnant Lloyd Austin übergeben wird. Austin leitete von 2008 bis 2009 die Einsätze der US-Truppen im Irak.

Die Sicherheitsmaßnahmen in Bagdad wurden derweil verstärkt. Zusätzliche Patrouillen seien eingesetzt und weitere Kontrollpunkte eingerichtet worden, hieß es nach Angaben von Augenzeugen. Der Sprecher des irakischen Militärs bekräftigte am Montag, dass die heimischen Sicherheitskräfte in der Lage seien, nach dem Rückzug der Amerikaner die Sicherheit des Landes zu gewährleisten. Man habe auch Maßnahmen gegen mögliche geplante Anschläge von Gruppen im Umfeld des Terrornetzes al-Qaida unternommen.

Der Kampfeinsatz der US-Truppen im Irak soll am Dienstag offiziell beendet sein. In einer live im Fernsehen übertragenen Ansprache an die Nation will US-Präsident Barack Obama am Dienstagabend (Mittwoch 2 Uhr MESZ) eine Bilanz ziehen und über das künftige Verhältnis zum Irak sprechen.

Die verbliebenen rund 50.000 US-Soldaten sollen am 1. September mit der Aufbauoperation "New Dawn" (Neubeginn oder Morgendämmerung) beginnen. Nach Angaben aus Washington sollen sie vor allem die irakischen Sicherheitskräfte weiter militärisch trainieren und ihnen bei der Terrorbekämpfung helfen. Zwischenzeitlich waren im Verlauf des Krieges mehr als 160.000 Amerikaner in dem Land stationiert.

Die US-Armee will auch Panzer, Artillerie, Waffen und Munition im Wert von etwa einer Milliarde Dollar im Irak belassen. US-Militärs schließen nicht aus, auch künftig in Kampfeinsätze verwickelt zu werden. Die Soldaten seien dafür bereit.

als/dpa/AFP/APN

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Na klar,
Gandhi 30.08.2010
Das muss alles hochoffiziell aussehen, so mit Fahnen und Musik und natuerlich auch mit hochrangigen Vertretern beider Staaten.
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Irak: Geh noch nicht, Feind

Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 34,776 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

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