Interne Untersuchung Washington beendete Spähangriff auf Merkel im Sommer

Das Weiße Haus war über die Überwachung von Dutzenden Spitzenpolitikern seit diesem Sommer informiert. Das legt ein Bericht des "Wall Street Journal" nahe. Präsident Obama soll nach einer internen Untersuchung der Abhörpraktiken von Merkels Bespitzelung erfahren und sie dann gestoppt haben.

Infrarot-Aufnahme der US-Botschaft in Berlin: Im Bereich links oben befinden sich mutmaßlich Abhöranlagen
REUTERS

Infrarot-Aufnahme der US-Botschaft in Berlin: Im Bereich links oben befinden sich mutmaßlich Abhöranlagen


Washington - Wann wusste das Weiße Haus über die Überwachung von Kanzlerin Angela Merkel und 34 anderen internationalen Politikern Bescheid? US-Regierungsvertreter räumen laut einem Bericht der Online-Ausgabe des "Wall Street Journal" nun ein, dass Präsident Barack Obama von den Abhörmaßnahmen nach einer internen Untersuchung der US-Regierung im Sommer erfahren habe. Die Zeitung beruft sich auf namentlich nicht genannte Regierungsvertreter.

Dabei sei herausgekommen, dass die NSA rund 35 internationale Spitzenpolitiker überwache. Als das Weiße Haus davon erfahren habe, seien einige Abhöraktionen gestoppt worden - darunter auch die gegen Merkel.

In einigen Fällen sei dies zwar bereits angeordnet, aber noch nicht umgesetzt worden, so die Regierungsvertreter. Die Beendigung der Überwachung könne schwierig sein, da Merkel womöglich mit anderen Staatsführern kommuniziere, die vom NSA überwacht werden, hieß es zur Begründung.

Kaum praktikabel, den Präsidenten über alles zu informieren

Die Untersuchung legt laut dem "Wall Street Journal" nahe, dass Obama nahezu fünf Jahre nichts von den Bespitzelungen der Politiker wusste. Die Regierungsvertreter sagten der Zeitung, bei der NSA liefen so viele Lauschangriffe parallel, dass es kaum praktikabel wäre, den Präsidenten über alle zu informieren. Sie fügten hinzu, der Staatschef bestimme zwar die grundsätzlichen Richtlinien der Informationsbeschaffung. Spezifische Ziele würden aber von nachgeordneten Stellen bestimmt, wie in diesem Fall der NSA.

In einer Reaktion auf den Bericht bestätigte das Weiße Haus interne Untersuchungen über geheimdienstliche Abhörpraktiken der USA in verbündeten Ländern. Das Präsidialamt ging allerdings nicht auf Einzelheiten ein. Die heutige Welt sei technisch stark miteinander verbunden, der Fluss von großen Datenmengen bisher einzigartig, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates, Caitlin Hayden. "Aus diesem Grund hat der Präsident uns angewiesen, unsere Überwachungskapazitäten zu überprüfen, so auch bezüglich unserer engsten ausländischen Partner und Verbündeten."

Hochrangige Delegation nach Washington

Nach Bekanntwerden der mutmaßlichen Lauschangriffe gegen Merkel durch Recherchen des SPIEGEL hatte das Weiße Haus offiziell mitgeteilt: "Der Präsident versicherte der Kanzlerin, dass die Vereinigten Staaten die Kommunikation von Kanzlerin Merkel nicht überwachen und nicht überwachen werden." Offen blieb aber, ob das Telefon der Regierungschefin in der Vergangenheit abgehört wurde.

In den kommenden Tagen will die Bundesregierung im Bemühen um mehr Aufklärung eine hochrangige Delegation nach Washington schicken.

Aus einer geheimen Datei des US-Geheimdienstes, die dem SPIEGEL vorliegt, geht hervor, dass die NSA offenbar bereits seit mehr als zehn Jahren das Handy von Kanzlerin Merkel ausspäht. Dokumente des früheren Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden weisen darauf hin, dass in der diplomatischen Vertretung eine Geheimeinheit von NSA und CIA sitzt, mit der die Amerikaner einen Gutteil der mobilen Kommunikation im Regierungsviertel überwachen. Die US-Botschaft am Brandenburger Tor liegt etwa 800 Meter von Merkels Amtssitz entfernt.

Infrarot-Aufnahmen des Gebäudes zeigen, wo die Spähtechnik vermutlich verborgen ist. Der SPIEGEL berichtet darüber auch in seiner aktuellen Ausgabe. Experten vermuten, dass die Geräte in den oberen Etagen des Botschaftsgebäudes oder auf dem Dach installiert sind und mit Sichtblenden und Aufbauten vor neugierigen Blicken geschützt werden.

heb/dpa/AFP

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insgesamt 395 Beiträge
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Seite 1
Claudia_D 28.10.2013
1.
Zitat von sysopREUTERSDas Weiße Haus war über die Überwachung von Dutzenden Spitzenpolitikern seit Sommer informiert. Das legt ein Bericht des "Wall Street Journal" nahe. Präsident Obama soll nach einer internen Untersuchung von Merkels Bespitzelung erfahren und sie dann eingestellt haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-ueberwachung-interne-untersuchung-beendete-spaehangriff-auf-merkel-a-930301.html
Ach was, Schadenbegrenzung.
roboterx 28.10.2013
2.
Wenn die Abhöranlagen in der Botschaft bekannt sind, dann sollte man sie mit Störsendern und sonstigen elektronischen Maßnahmen blockieren. Das dürfte doch simpel sein, vor allem im eigenen Land und bei einer unerlaubten Aktion von Seiten der US-Botschaft. Warum jetzt noch Zurückhaltung? Wozu hat der BND auch eine Spionageabwehr? Oder arbeiten die den US-Geheimdiensten zu?
Genover 28.10.2013
3. Hüh und hott
Zitat von sysopREUTERSDas Weiße Haus war über die Überwachung von Dutzenden Spitzenpolitikern seit Sommer informiert. Das legt ein Bericht des "Wall Street Journal" nahe. Präsident Obama soll nach einer internen Untersuchung von Merkels Bespitzelung erfahren und sie dann eingestellt haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-ueberwachung-interne-untersuchung-beendete-spaehangriff-auf-merkel-a-930301.html
oder wie lügt man als US-Präsident möglichst geschickt. Erst ist er vollkommen überrascht, daß seine liebe Freundin Merkel abgehört wurde, dann kommt raus, er hat selbst angeordnet, daß ihr neues Handy genknackt wird, dann wieder war er vollständig überrascht, als er im August, als Snowden die ersten Häppchen verteilte, nach zehn Jahren, von denen er fünf Präsident war, erfuhr, daß er sie ausspionierte. Vernebelungstaktik noch und nöcher. Glauben kann man dem schwarzen Messias nichts mehr.
spon_2565215 28.10.2013
4. Nsa
Zitat von Claudia_DAch was, Schadenbegrenzung.
Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht..... Die Kanzlerin sollte zurücktreten und es muss Neuwahlen geben. Die Regierung wusste vor den Wahlen von der Ausspähung. Wenn alle Deutschen das gewusst häten, wäre die Wahl anders ausgegangen.
fritze28 28.10.2013
5. Grausam
Es ist immer das gleiche. Erst kommt was raus und dann versucht man dem Bürger es so zu vermitteln, daß es schon vor Monaten aufgehört hat. Warum berichten sie darüber? Es wird eh NICHTS passieren. Glauben sie, daß Merkel und Co, Konsequenzen folgend lassen. Hahaha. Merkel hat doch bewiesen wie sie damit umgeht. Einfach nen Strich drunter machen und gut ist. Die hohen Politiker wissen es eh, daß sie abgehört werden. berichten sie lieber mal, wie weit der deutsche Bürger hier von deutschen Geheimdiensten abgehört wird. und wie die Gesetze außer Kraft gesetzt werden. das wäre ne Schlagzeile die den Wähler auch interessiert.
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